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Oberursel Urselbach-Gymnasium Kein Einfluss auf die Schule

Hidayel Akyer, Geschäftsführer des privaten Urselbach-Gymnasiums, bestätigt Sympathien für die Gülen-Bewegung. Die Schule selbst bestreitet, dass der Gelehrte Fethullah Gülen oder seine Bewegung Einfluss auf die Einrichtung haben. Die Gülen-Bewegung lebt einen konservativen Islam.

Das Urselbach-Gymnasium im Industriegebiet An den Drei Hasen in Oberursel. Foto: Michael Schick

Hidayel Akyer, Geschäftsführer des privaten Urselbach-Gymnasiums, bestätigt Sympathien für die Gülen-Bewegung. Die Schule selbst bestreitet, dass der Gelehrte Fethullah Gülen oder seine Bewegung Einfluss auf die Einrichtung haben. Die Gülen-Bewegung lebt einen konservativen Islam.

Der Geschäftsführer des Urselbach-Gymnasiums, Hidayel Akyer, hat auf Nachfrage der FR eine Verbindung zur Gülen-Bewegung eingeräumt. Er stehe, formulierte der Gymnasiallehrer für Spanisch und Geschichte schriftlich, „den Bildungsidealen von Herrn Gülen“ positiv gegenüber. Dies habe aber keinerlei Einfluss auf seine Arbeit, den Schulalltag oder den Lehrplan an der Schule.

Akyer war nach eigenen Angaben von August 2012 bis Juni 2013 bei der gemeinnützigen Gesellschaft für Bildung und Förderung Frankfurt (GeBiF) beschäftigt. Die GeBiF hatte dem Schulträger des Urselbach-Gymnasiums, der Gesellschaft für freie Schulen und Bildung Rhein-Main gGmbH, bei der Gründung der Schule geholfen. Die GeBiF gilt als Gülen-nah. Vom neuen Schulträger war Akyer als Geschäftsführer abgeworben worden.

Ein Fernsehbeitrag des Hessischen Rundfunks rückte das im vergangenen Sommer eröffnete private Urselbach-Gymnasium vor zwei Wochen in die Nähe der umstrittenen Bewegung des türkischen Imams Fethullah Gülen. Die Schule wurde vom Schulamt Friedberg geprüft und hat eine Lehrerlaubnis.

Mitten in den Aufnahmegesprächen für neue Schüler formulierte die Schule eine Stellungnahme, mit der sie sich gegen die Vermutungen des HR zur Wehr setzte. Darin bestreitet die Schule einen Einfluss Gülens oder seiner Bewegung auf den Schulalltag. Durch Akyers Äußerungen gegenüber der FR erscheinen das Dementi in neuem Licht.

Doch Anika Uhden, die Schulleiterin des Urselbach-Gymnasiums, weist eine Verbindung ihres Kollegiums oder der Geldgeber ihres Gymnasiums zu Gülen auch persönlich von sich. Dass der Geschäftsführer privat mit Gülen-Ideen sympathisiere, sei ihr bekannt. Dies habe keinen Einfluss auf den Unterricht. Immer wieder verweist Uhden auf staatlich geprüften Lehrpläne und dass jeder Kritiker eingeladen sei, sich Schule und Unterricht anzuschauen.

In der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch stellte die CDU in der Sache eine Anfrage an den Magistrat. Bürgermeister Hans-Georg Brum hatte bei der Eröffnung der Schule die 35 Geldgeber, die alle türkische Wurzeln haben, für ihre Initiative und ihren Mut gelobt. Nun wiederholte Brum, was er bereits im Sommer gesagt hatte. Damals kamen schon einmal Gerüchte auf, die neue Schule sei eine „Koranschule“. Derartiges lasse sich nach Nachprüfungen nicht belegen, sagte Brum, der das Schulkonzept als „weltoffen, leistungsorientiert und ambitioniert“ bezeichnete.

Der Gülen-Bewegung wird nachgesagt, einen konservativen Islam zu leben. Die Bewegung ist ein loser Zusammenschluss ohne feste Organisation und soll Millionen Anhänger haben, vor allem in gebildeten Schichten. Kritiker werfen der Bewegung sektenähnliche Strukturen vor, Gründer Fethullah Gülen ist mit antidemokratischen Äußerungen aufgefallen.

Überall auf der Welt werden Schulen gegründet, es gibt ein Nachhilfenetzwerk, mithilfe dessen Gülen-Anhänger an potenzielle Gefolgsleute in Kontakt kommen sollen.

Die Gülen-Bewegung ist jedoch nicht verboten und wird in Hessen nicht vom Verfassungsschutz beobachtet. Das sagte gestern das Hessische Landesamt für Verfassungsschutz in Wiesbaden. Die Bewegung „gilt zwar als konservativ islamisch, wird aber nicht als erkennbar islamistisch oder verfassungsfeindlich bewertet“, schreibt das Amt.

Erst neun Schüler

Nun geht es um die Zukunft der jungen Gründung. Derzeit gibt es neun Schüler, alle haben einen Migrationshintergrund. Und warum? Weil die Genehmigung für die Schule erst so kurzfristig erteilt worden sei, dass für Akquise keine Zeit geblieben sei, sagt Uhden. Die Kinder kommen aus dem Umfeld der Gründer. Die Anmeldungen für das kommende Schuljahr laufen, Uhden hofft, einen neuen Jahrgang in Klassenstärke zu haben. Kinder mit Migrationshintergrund stellten bei den Anmeldungen die Hälfte, sagt Uhden.

Auch Bülent Korkmaz fürchtet um den Ruf der neuen Schule. Der Geschäftsmann aus Frankfurt ist Sprecher des Schulträgers. Eine Verbindung zur Gülen-Bewegung auf Seiten der Investoren sei ihm nicht bekannt, sagt er. Warum die Hilfe von GeBiF? GeBiF sei wohl innerhalb der türkischen Kreise weiterempfohlen worden. Die Zusammenarbeit sei inzwischen beendet. Von der Gülen-Verbindung des Instituts habe er „zu Anfang“ nichts gewusst.

Angesprochen auf die Gülen-Sympathien Akyers windet sich Korkmaz. Das sei für ihn nicht automatisch negativ, sagt er, Gülen sei nicht verboten. Auch er habe schon mal in Gülens Bücher reingeschaut.

Die mediale Brisanz einer Nähe der GeBiF und Gülen zum Urselbach-Gymnasium habe er nicht gesehen, sagt Korkmaz. Auf keinen Fall möchte er die Zukunft der Schule aufs Spiel setzen, auch nicht für die privaten Überzeugungen des Geschäftsführers.

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