Lade Inhalte...

Oberursel Suche nach resistenten Keimen

Die Koalition in Oberursel fordert nach einer Studie des Gesundheitsamtes zusätzliche Proben auf Krankheitserreger.

Urselbach
Die Idylle täuscht. Im Urselbach schwimmen multiresistente Keime. Foto: Renate Hoyer

Eine Studie des Frankfurter Gesundheitsamtes zu multiresistenten Keimen hat die Oberurseler Politiker aufgeschreckt. Denn die Untersuchung hat die problematischen Erreger auch im Urselbach nachgewiesen, der durch das gesamte Oberurseler Stadtgebiet fließt und erst nach der Unterquerung der A5 zum Frankfurter Bach wird.

Was der schwarz-roten Koalition in der Taunusstadt besonders zu denken gibt, ist die Tatsache, dass die Keime nicht erst jenseits der städtischen Kläranlage festgestellt worden sind, sondern auch schon oberhalb davon im Bereich der Brücke „An der Untermühle“.

„Es wäre fatal, wenn der Urselbach nun in die Kategorie gesundheitsgefährdender Gewässer eingeordnet werden müsste“, mahnt der SPD-Fraktionsvorsitzende Eggert Winter. Schließlich werde der Bach an vielen Stellen von Kindern zum Spielen genutzt.

Leider mache die Frankfurter Studie keine Angaben dazu, an welchen Stellen die multiresistenten Keime, die gegen herkömmliche Antibiotika immun sind, in den Urselbach eingetragen werden. Deshalb fordert die schwarz-rote Koalition den Magistrat auf, eigene Untersuchungen anzustellen. Dazu sollen zwischen dem Heidetränktal im Norden und Weißkirchen mehrere Proben entnommen werden. Über den entsprechenden Antrag wird die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag beraten.

Ein weiterer Koalitions-Antrag befasst sich mit dem möglichen Ausbau der Kläranlage, die von der kommunalen Gesellschaft Bau & Service (BSO) betrieben wird. Vor allem geht es um die Frage, ob eine zusätzliche vierte Reinigungsstufe in der Lage wäre, multiresistente Keime, aber auch Arzneimittelrückständen und Mikroplastik zu beseitigen und ob eine Erweiterung am bestehenden Standort möglich ist.

Für einen Bericht über den aktuellen Stand von Technik und Gesetzgebung soll ein auf Abwassertechnik spezialisiertes wissenschaftliches Institut beauftragt werden. „Wir müssen uns klarmachen, dass es  dabei nicht nur um das Abwasser geht, sondern um unsere Gewässer insgesamt, die ja teilweise auch zur Trinkwassergewinnung genutzt werden“, sagt CDU-Fraktionschef Jens Uhlig.

Auch die Stadtverwaltung sei in Sachen multiresistente Keime bereits aktiv geworden, teilt der Erste Stadtrat Christof Fink (Grüne) mit. So war die Leiterin des Frankfurter Gesundheitsamtes, Ursel Heudorf, unlängst zu Gast im Oberurseler Rathaus, um gemeinsam über Konsequenzen aus der Anfang März präsentierten Studie zu beraten.

Fink kündigt an, dass die Stadt sowohl die politischen Vertreter als auch die Öffentlichkeit „umfassend informieren“ werde. So ist geplant, dass Heudorf die Studie in einer der nächsten Sitzungen des Bau- und Umweltausschusses vorstellen wird. Daran soll auch die Ärztliche Leiterin des Kreis-Gesundheitsamtes, Birgit Lindenthal, teilnehmen.

Zudem will die Stadt gemeinsam mit Lindenthal ein Merkblatt mit Verhaltenstipps erarbeiten, das sich unter anderen an Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen und Kleingartenbesitzer richten soll. Allerdings warnt Fink auch vor Panikmache. Genauso wie das Frankfurter Gesundheitsamt seheauch die zuständige Kreisbehörde keine unmittelbare Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung. Nach Aussage der Fachleute reiche es aus, die allgemein üblichen, hygienischen Vorsichtsmaßnahmen zu beachten – dazu gehört vor allem das Händewaschen, wenn man mit Wasser und Schlamm eines der belasteten Bäche in Berührung gekommen ist.

Fink sieht aber auch Bund und Land in der Pflicht. Deshalb werde Oberursel über den Hessischen Städtetag und direkt beim zuständigen Landesministerium auf ein koordiniertes Vorgehen gegen die weitere Verbreitung von multiresistenten Keimen hinwirken, kündigt er an.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen