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Oberursel Schließung von Lager gefordert

Helfer fordern, das Containerlager im Gewerbegebiet Oberursel endlich zu schließen und das alte Krankenhaus in Bad Homburg für Flüchtlinge zu öffnen.

Nach 25 Jahren ist das Lager immer noch in Betrieb, Helfer kritisieren die Flüchtlingspolitik des Kreises. Foto: Rolf Oeser

Es ist kein Geburtstag, den man gerne feiert: Seit 25 Jahren steht das Containerlager im Gewerbegebiet Oberursel, seit vielen Jahren schon sollte es geschlossen werden, für Ende 2015 war das angekündigt, nun wird es vielleicht Ende 2016 soweit sein.

Gelegenheit für eine Hand voll Hilfsaktivisten, die die Menschen im Lager über Jahre unterstützt haben, das Lager an seinem Jahrestag, dem 15. Oktober, symbolisch zu zerschlagen. Ein Kuchen mit dem Bild des Camps wurde zerteilt und an die Flüchtlinge verteilt. In einem Appell, der Kreis-Sozialdezernentin Katrin Hechler übergeben werden soll, fordern die Helfer frei werdende Plätze im Haus nicht mehr zu besetzen und den in den Augen der Aktivisten völlig intransparenten Vertrag mit dem privaten Betreiber endlich nicht wieder zu verlängern.

Gelegenheit auch, sich über die Flüchtlingspolitik des Kreises Luft zu machen. Viel Frust hat sich im Laufe der Jahre angestaut. Immer wieder habe man den Kreis um kleine Verbesserungen der Lebensbedingungen im Camp gebeten, berichteten Regine Schütz von Teachers on the Road, Harald Schuster von der Flüchtlingsfamilienhilfe, Regine Trenkle-Freund vom Arbeitskreis Asyl in Friedrichsdorf und andere. Nach einer Begehung mit 40 Flüchtlingen, bei der diese über zu wenige und kaputte Toiletten geklagt hatten, schlug man zum Beispiel zusätzliche Dixie-Klos vor. Aber nichts sei geschehen. Die Menschen können nicht schlafen, sie haben kein Internet. Auch das Kakerlakenproblem kennen die Helfer. Der Lärm in der Unterkunft zehre an den Nerven der Bewohner, erklärt Schütz, alles sei aus Metall.

Zu früheren Zeiten habe ein Sozialarbeiter das Haus geleitet und sich bemüht, aus den Flüchtlingen eine Gemeinschaft zu machen. Damals sei auch mehr auf Sauberkeit geachtet worden. Nun werde nur verwaltet – und Gewinn erzielt.

Der Kreis, kritisiert Trenkle-Freund, mache mit dem Lager Geld, weil er pro Kopf weniger bezahlen müsse als für Unterkünfte, die einen höheren Standard hätten. Warum, so Trenkle-Freund, sei die besser erhaltene Unterkunft in Friedrichsdorf dichtgemacht worden, um die schlechtere hier zu erhalten?

Die Aktivistin fordert, endlich das alte Krankenhaus in Bad Homburg für Flüchtlinge zu öffnen. Das Lager in Oberursel sei ein Symbol für Abschreckungspolitik. Systematisch, ergänzt eine Helferin, werde seit 2013 den vorwiegend jungen Männern im Camp das Leben schwer gemacht. Es gebe keine Gemeinschaftsräume mehr. „Die sollen nicht gefördert werden“, habe man ihr von Seiten der Hausleitung gesagt.

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