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Oberursel Neubronner investiert kräftig

Wenn man sein Postpaket nach einer Bestellung endlich in Händen hält, es sich wegen eines verstärken Klebestreifens nur mit etwas Mühe und Werkzeug öffnen lässt, dann hat man es einiger Wahrscheinlichkeit nach mit einem robusten Oberurseler Produkt zu tun.

Nicht wirklich im Verborgenen, aber schon etwas versteckt hinter den U-Bahn-Gleisen entlang der Hohemarkstraße im Norden der Stadt liegt das Werksgelände des Mittelständlers Neubronner. Es ist einer der weltweit führenden Produzenten von Nassklebestreifen, wie Geschäftsführer Michael Becker erläutert. Große Papierbahnen werden dafür mit Leim versehen, getrocknet und zugeschnitten. Damit noch energiesparender und umweltfreundlicher produziert werden kann, hat Neubronner investiert.

Für rund eine halbe Million Euro wurde eine Mikrogasturbine angeschafft. Trotz des Namens nimmt sie den Raum eines kleinen Lastwagens ein. Die Anlage liefert 300 Kilowatt Strom pro Stunde und 280 Grad heißes Abgas für die Leimtrocknung. Die hocheffiziente Turbine ist ein Pilotprojekt und wurde mit Mitteln des Hessischen Wirtschaftsministeriums sowie mit EU-Geldern gefördert. „Hessenweit ist es die einzige Anlage, bei der Abwärme für eine industrielle Produktion genutzt wird“, erklärt Becker dazu. Knapp die Hälfte des bisherigen Kohlendioxid-Ausstoßes kann damit eingespart werden.

Umweltschutz spielt Rolle

Es ist ein Baustein der fortschreitenden Modernisierung des Betriebs, der im Jahr 2005 sein 100. Jubiläum feiern konnte. Weitere sollen folgen, etwa beim Verfahren, den Schmelzklebstoff zu erhitzen. 190 Grad sind für den „Hotmelt“-Kleber nötig, damit er auf die Klebestreifen aufgebracht werden kann. „Bisher muss gleich eine halbe Tonne erhitzt und dann bis zum Verbrauch heiß gehalten werden“, erläutert Becker. Man arbeite an Lösungen, um das effizienter zu dosieren.

Im Sinne der Sparsamkeit und des Umweltschutzes, der für das Unternehmen nach Angaben des Geschäftsführers eine große Rolle spielt. „Als Hersteller von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen ist es unsere Pflicht, auch die benötigten Ressourcen schonend und maßvoll einzusetzen“, betont Becker. Er verweist darauf, dass neben chemischen Klebstoffen auch Kartoffelstärke aus dem Emsland zum Einsatz kommt, die bei Neubronner dann zu Leim verarbeitet wird.

Das Geschäft mit reißfesten Nassklebestreifen geht gut. Von diesen Produkten stellt das Unternehmen jährlich rund 60 Millionen Quadratmeter her, für Kunden rund um den Globus. Es sind weltbekannte Marken dabei, Mode- und Sportartikelhersteller, für die die Klebestreifen maßgefertigt werden. „Die Verpackung wird damit versiegelt“, so Becker. Auch mit Dampf oder Heißluft ist der extrem temperaturbeständige Verschluss sicher. Damit könne Transportschäden, vor allem aber auch Manipulation und Diebstahl auf dem Versandweg vorgebeugt werden. Vier Fünftel seines Umsatzes macht Neubronner mit den Klebestreifen. Weitere zwanzig Prozent kommen aus der Herstellung und dem Vertrieb von Maschinen und Anlagen. Das Unternehmen stellt die Werkzeuge für seine Produktion zu einem großen Teil selbst her, man kennt sich aus mit Maschinenbau.

Für Geschäftsführer Becker ist es eine Selbstverständlichkeit, in Oberursel weiter in die Modernisierung der Anlagen zu investieren. „Für uns ist das auch ein Bekenntnis zum Standort.“ Man fühle sich hier wohl, wolle bleiben und weiter wachsen.

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