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Oberursel Kunstgriff mit Herzblut

Ein Afrika-Festival beschließt den berauschenden „Orscheler Sommer“ in Oberursel, der von viel Herzblut und Spaß an der Sache lebt.

Die musikalische Sonne von Afrika bestimmt den letzten Abend des „Orscheler Sommer“. Tradition inzwischen, so wie die Nachbarn in der Kurstadt ihren Johann Strauss zum Finale haben. Hier die Bad Homburger, die ihr opulentes Sommerkulturprogramm fürs Volk mit einem 250 000-Euro-Etat bestreiten, dort die Oberurseler Improvisationskünstler des Vereins „Kunstgriff“, die ihr exquisites Sommer-Festival im Vergleich aus der Portokasse bezahlen müssen. Einspruch erhebt da sofort der Kunstgriff-Vorsitzende Dirk Müller-Kästner. „Wir vergleichen uns nicht, das haben wir nicht nötig.“

Stattgegeben, es geht um völlig unterschiedliche Ansätze. Das Ziel mag ähnlich sein, der Weg zum Erfolg ein völlig anderer. Wenn man 7000 Euro von der Stadt bekommt und freundlicherweise noch die Zusage für eine doppelt so hohe Ausfallbürgschaft vom städtischen Kultur- und Sportförderverein, dann muss jeder „Kunstgreifer“ vor allem viel Improvisationstalent und Begeisterung mitbringen. Viel Herzblut und Spaß an der Sache und Bereitschaft zur Mitarbeit in der zeitraubenden Vor- und Nacharbeit. „Wir stoßen an Grenzen“, sagt Dirk Müller-Kästner da gerne, um im nächsten Atemzug wieder von „wunderbarer Unterstützung“ zu sprechen.

„Uns lässt hier keiner hängen“, heißt es dann etwa. Die Stadt bietet zusätzliche logistische Hilfe, wenn sie mit hoher Dringlichkeit angefragt wird. Vereine, Organisationen und Parteien betätigen sich im wahren Sinne des Wortes als Schirmherren und stehen in der Hitze des Sommers 2018 am noch heißeren Grill, wenn im sanften Abendlicht Streicher-Klänge durch den Rushmoor-Park oder über die historische Bleiche wehen. Wenn ein Literaturprofessor über die „hellen Seiten der Melancholie“ im Werk von Robert Gernhardt doziert oder das legendäre Oberurseler „Fehlgriff Orchester“ seine treuen Fans begeistert.

Alle Einnahmen, das war schon immer so, fließen zur Finanzierung des Programms uneingeschränkt in die Kunstgriff-Kasse. Gagen, Technik, Mieten, Anschaffungen und sonstige Nebenkosten treiben den Etat in die Höhe, der sich dieses Jahr wohl bei etwa 30.000 Euro einpendeln wird. Nur deswegen laufen sie bei den Veranstaltungen mit einem umgedrehten Zylinder durchs Publikum, die Kollekte dient immer der Idee, das geneigte Publikum auf hohem Niveau zu erfreuen. Und jedes Jahr etwas mehr und stets auch etwas Neues zu bieten. Mitveranstalter sind übrigens herzlich willkommen, wenn es zur Idee und zum Konzept passt. So wie dieses Jahr erstmals die Lutherische Theologische Hochschule, die auf ihrem Campus am Waldrand ein Konzert mit Folk- und Country-Musik zum Sommerkulturprogramm beitrug.

Und was für ein Auftritt etwa das fulminante Sinfonie-Konzert des Philharmonischen Vereins Frankfurt mit 80 Musikerinnen und Musikern an einem wunderbaren Sommerabend vor der Kulisse von alten Stadtmauern und der St.-Ursula-Kirche. Mehr als 1000 Menschen machten ein klassisches Konzert zum Highlight des „Orscheler Sommer 2018“. Wer hätte das gedacht, als die „Alternativen“ des Vereins Kunstgriff einst das Ferienprogramm für die „Daheimgebliebenen“ aus der Taufe gehoben haben. „Das war eine Granate“, freut sich nicht nur Dirk Müller-Kästner. Wie eigentlich alle 35 Veranstaltungen das aus dem passenden Blickwinkel waren. In diesem Traumsommer, in dem der Himmel nie weinte.

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