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Oberursel Junge Bewerber verzweifelt gesucht

Großer Andrang beim Berufsinfotag.

22.01.2013 22:23
Nina Nickoll

Julian Rössler und Jonas Recknagel simulieren die Funktion einer Wechselschaltung am Computer: Per Mausklick holen sie aus dem virtuellen Baukasten Stromquelle und Wechselschalter und verbinden beides, weitere Teile kommen noch hinzu – am Ende soll eine Lampe auf dem Bildschirm leuchten.

Die beiden Berufsfachschüler der Elektrotechnik führen ihr Experiment am Tag der beruflichen Bildung an der Hochtaunusschule (HTS) in Oberursel vor. In 14 weiteren Klassen zeigen Berufsfachschüler in Chemie, Metalltechnik oder Informationstechnik, was sie an der HTS lernen. „Ich mache später vielleicht beruflich etwas mit Elektrotechnik“, sagt Jonas, sicher ist er noch nicht.

Um ihnen Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten aufzuzeigen, öffnete die Hochtaunusschule zum 15. Mal ihre Pforten für Schüler in Abschlussklassen und im Jahrgang zuvor. Auch in diesem Jahr wieder parallel zur Feldbergschule, die mehr in den kaufmännischen Berufen ausbildet. Die Interessenten sollten an einem Samstagmorgen möglichst viel zu sehen bekommen.

Neben 16 Ausbildungsberufen stellt die HTS bei dieser Gelegenheit auch ihre fünf Bildungsgänge vor. Auch Ausbilder wie Kreishandwerkerschaft, Innungen und Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt sind vor Ort. „Unser Ziel ist es, dass Schüler und Eltern sich konkret über Ausbildungsmöglichkeiten informieren“, sagt Schulleiter Dieter Häußer. Denn derjenige, der wisse, was er will, überzeuge auch im Einstellungsgespräch.

Das Problem: Auf vier offene Ausbildungsstellen kommt im Taunus ein Bewerber. „Der Fachkräftemangel ist im Handwerk voll angekommen“, sagt Eberhard Haag, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. In der Energie- und Gebäudetechnik gebe es hingegen einen Azubi-Zuwachs, sagt Häußer.

Mehr junge Menschen haben sich aktuell für die Ausbildung zum Sanitär-, Heizung- und Klimatechniker beworben. „Sie und die Elektroinnung sind die einzigen, die das Soll-Ziel erreicht haben“, sagt Volker-Christian Lehmann, Aus-und Weiterbildungsberater in der Geschäftsstelle der Innungen. Das Ziel lag bei 20 Auszubildenden, mit 25 bis 30 habe es die Innung bei weitem erfüllt, so Lehmann.

Doch Grund zum Jubeln hat Innungs-Obermeister Helmut Gress nicht. Er beklagt, dass die Azubis nicht genügend Kenntnisse hätten. Bei Absolventen der allgemeinbildenden Schulen sind die Grundkenntnisse in Mathe desolat“, sagt Gress. Auch bei den technischen Berufen sehe es düster aus, sagt Brigitte Scheuerle, Leiterin der Aus-und Weiterbildung bei der IHK. Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge sei 2012 im Hochtaunuskreis von 171 auf 167, also um 2,3 Prozent gesunken. Bei einer Umfrage hätten 43 Prozent der Betriebe gesagt, dass sie den Mangel an Bewerbern spürten.

Neben Berufsorientierungstests gibt es beim Tag der beruflichen Bildung auch eine Rallye. Mit Fragebögen ausgestattet sind Roohola Akimi (14), Dali Mutreja (15) und Fatima Akimi (13) durch die Klassenräume gelaufen, um Antworten zu finden. „Was versteht man unter „E-Check“ oder was im Friseurhandwerk unter „Extensions“? Weil sie alle sechs Fragen richtig beantwortet haben, gewinnen die Schüler der Oberurseler Hans-Thoma-Schule zwei USB-Sticks und eine externe Festplatte.

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