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Oberursel Feier für die Flüchtlinge

Der Kreis verweigert seine Genehmigung für ein Kinderfest für Asylsuchende in der Oberurseler Unterkunft für Flüchtlinge. Gefeiert wurde trotzdem - vor der Unterkunft.

Da staunen die Kinder aus der Flüchtlingsunterkunft. Foto: Martin Weis

Es sollte ein buntes Fest für Kinder werden in der Oberurseler Unterkunft für Flüchtlinge im Industriegebiet An den drei Hasen. Das wurde es auch, allerdings vor dem Eingang zur Unterkunft. Vom Hochtaunuskreis gab es keine Genehmigung für ein solches Fest, über die Begründung herrschte vor Ort Unverständnis. Katrin Hechler als zuständige Beigeordnete des Hochtaunuskreises beruft sich vor allem auf die Persönlichkeitsrechte der Bewohner.

Alles war angerichtet für einen entspannten Nachmittag. Eine Mini-Tischtennisplatte lud zum sportlichen, aber nicht ganz ernst gemeinten Wettkampf ein, das zahlreich herumliegende Spielzeug wartete auf Kinderhände, die mit ihm spielen. Mehrere Clowns unterhielten die Besucher, ein Puppenspieler tat selbiges, vor allem für die Kinder. Ein Akkordeonspieler bot musikalische Unterhaltung, während es sich die erwachsenen Gäste auf Decken im Gras gemütlich machten. Und sogar die Sonne machte mit und schien.

Die Organisation des Festes lag in mehreren Händen. Eingebettet war es in eine Reise der Band „Strom & Wasser“ aus Lutterbek bei Kiel. Unter dem Motto „Fluchtschiff“ sind die Musiker seit dem 14. Juli auf Flößen unterwegs. Startschuss war in Nürnberg, das Ziel ist Ende August Berlin. Unterwegs tritt die Band in zahlreichen Städten auf. Parallel veranstaltet Bandleader Heinz Ratz zusammen mit der Potsdamer Organisation „Women in exile“ und lokalen Helfern die Kinderfeste an Flüchtlingsunterkünften, um auf die Situation der Flüchtlinge in Deutschland – besonders von Frauen – aufmerksam zu machen.

Persönlichkeitsrechte nicht geschützt

Im Fall von Oberursel waren diese lokalen Helfer das Aktionsbündnis gegen Abschiebung Rhein-Main und der AK Asyl Friedrichsdorf. Zusätzliche Beteiligung gab es von der Flüchtlingsfamilienhilfe Oberursel.

Keine Unterstützung gab es für die Organisatoren dagegen beim Kreis. Eine Anfrage vom 11. Juli, dass man in zwei Wochen ein etwa 90-minütiges Kinderprogramm „ohne politischen Inhalt“ veranstalten wolle, wurde zwei Tage später von Hechler negativ beschieden. Es gebe auf dem Gelände „keine abgegrenzten Räume, so dass wir die Persönlichkeitsrechte der Flüchtlinge nicht schützen können“, so die Kreisbeigeordnete in ihrer Absage.

Hechler bekräftigt gegenüber der FR noch einmal das Verbot. Es gebe nun einmal auch Flüchtlinge, die auf derartige öffentliche Veranstaltungen keine Lust hätten. Das hänge oft mit der jeweiligen Fluchtbiographie zusammen und sei zu respektieren. Da es in der Unterkunft an Gemeinschaftsräumen fehle, sei auch die Wiese vor den Containern keine geeignete Fläche, da dort die Bewohner gestört werden könnten.

Nicht nachvollziehbar

Für Regine Trenkle-Freund vom AK Asyl Friedrichsdorf ist die Argumentation nicht nachvollziehbar. „Wir tun alles, um die Privatsphäre der Bewohner zu schützen“, versicherte sie am Rande des Festes. Viel mehr fragt sie sich, was ein Verbot eines solches Festes mit der von Katrin Hechler oft propagierten Willkommenskultur zu tun habe.

Das Fest fand schließlich hauptsächlich vor den Toren der Unterkunft statt, einige wenige Bewohner gesellten sich dazu und genossen eine Abwechslung zum tristen Alltag in der Unterkunft. Höhepunkt dann doch: Eine Polonaise durch die Container.

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