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Oberursel Ein Leben für das Miteinander

Nasser Djafari führt den VzF Taunus seit 40 Jahren - mit Erfolg. Und auch derzeit sieht es gut aus. Denn der Verein wächst weiter.

Mit einer Ehrenveranstaltung in der Stadthalle hat der Verein zur Förderung der Integration Behinderter Taunus e.V. (VzF) am Donnerstag seinem langjährigen Vorsitzenden gedankt. Der Architekt Nasser Djafari blickt in diesem Jahr zurück auf 40 Jahre als Vorstand des Vereins.Vor 59 Jahren kam er mit seinen Eltern aus dem Iran nach Deutschland. Sein Vater musste das Land aus politischen Gründen verlassen.

1976, Djafari war Anfang 30, brachte ihn eine ernste Fügung zum VzF. „Wir hatten eine neu geborene Tochter mit einem Verdacht auf eine spastische Lähmung.“ Der VzF, der neun Jahre zuvor als kleine Elterninitiative gegründet worden war, beschäftigte von seinen knappen Mitteln eine Krankengymnastin, die der Tochter helfen konnte. Das war die einzige Möglichkeit weit und breit, andernfalls hätte das Kind nur in der Uniklinik Mainz behandelt werden können.

Als die Krankenschwester von den existenzbedrohenden finanziellen Sorgen des Vereins berichtete, kam Djafari an Bord. „Ich war kaum da und wurde schon zum Vorstand gewählt“, erinnert er sich heute.

Von da an sei es mit dem Verein aufwärts gegangen. „Als Selbständiger konnte ich meine Zeit frei einteilen. Und ich begann, Spenden einzuwerben.“ Und das mit stetigem Erfolg. Bald konnte eine zweite Krankengymnastin engagiert werden.

Dass die Behandlung spastischer Lähmungen damals nicht von den Kassen anerkannt und abgegolten wurde, umging Djafari. „Es wurden Rechnungen von uns geschickt, über kleine Beträge.“ Die Kassen zahlten diese auch, obwohl es dafür eigentlich keine Grundlage gab. Irgendwann war es dann Normalität.

Rund 300 Mitarbeiterinnen

Dass der VzF zu einem großen Träger integrativer Kindergärten werden sollte, ist einer Studie aus der Schweiz zu verdanken. Vor mehr als 30 Jahren entstand dort ein Konzept für die Betreuung behinderter und nicht-behinderter Kinder in einer gemeinsamen Einrichtung. Nach dem in der Schweiz ein solcher Kindergarten eröffnete, schuf der VzF eine der ersten Einrichtungen dieser Art in Deutschland. Man schrieb das Jahr 1978. Es gab im Taunus also schon Inklusion, lange bevor das Wort dafür geläufig war.

„Wir dachten zunächst, manche Eltern hätten da vielleicht Berührungsängste. Aber das Gegenteil war der Fall“, sagt Djafari. Von da an setzte sich das Prinzip inklusiver Kindergärten weiter durch. Heute werden in VzF-Einrichtungen rund 1600 Menschen betreut. Nach Angaben Djafaris beschäftigt der Verein in der Betreuung rund 300 Mitarbeiterinnen, bei einer überschaubaren Anzahl männlicher Kollegen. Der Verein weist eine Bilanzsumme von rund elf Millionen Euro auf. Trotzdem sind Spenden unerlässlich, um den Fortbestand zu sichern. „Bisher ist es immer gelungen, Geld aufzutreiben“, sagt Djafari, der 72 Jahre alt ist.

Er würde gerne noch fünf Jahre im Vorstand des Vereins tätig sein. „Ich bin ja voll berufstätig, ich fühle mich vital.“ An Nachfolger ist dennoch bereits gedacht. Junge Leute im Vorstand, die anknüpfen können an das, was besteht.

Für seine Tätigkeit ist Djafari oft geehrt worden. Sein wirklicher Lohn, sagt er, sei die Dankbarkeit von den Eltern beeinträchtigter Kinder. „Wenn man ihnen sagen kann, dass sie nicht alleine sind.“

Der VzF will seine Angebote stets offen zugänglich für alle machen, wie die stellvertretende Geschäftsführerin Monika lang betont. Dazu gehören auch eine therapeutische Frühförderstelle und therapeutisches Reiten. „Mit Geduld, Konsequenz und Herzblut machte Nasser Djafari den Verein zu einem renommierten Träger, der über die Grenzen des Hochtaunuskreises hinaus bekannt und angesehen ist“ , sagt Lang.

Infos gibt es auf www.vzf-taunus.de.

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