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Oberursel Die Stierstädter Heide lebt

Heidearbeit ist Handarbeit, mit Heidehacken: Die einzigartige Kulturlandschaft am Stadtrand profitiert vom Dauer-Einsatz der Waldschützer.

07.03.2012 23:04
Jürgen Streicher
Manchmal stehen im Sommer auch Heidschnucken auf der Heide. Foto: Renate Hoyer

Die Heide mag es karg. Nährstoffarmer Boden ist ihre Lebensgrundlage. Voraussetzungen, die ihr im Mittelalter geschaffen wurden, als die Menschen Bäume für Bau- und Brennholz fällten und die Humusschicht zum Düngen der Felder und zum Verbrennen abtrugen. Fast bis zum Altkönig hinauf bestimmten noch vor 250 Jahren die Erika-Gewächse das Landschaftsbild im Vordertaunus – der Herr Goethe aus Frankfurt soll in Briefen darüber geschrieben haben. Vom freien Blick bis zu den Ringwällen.

Weil auch die Stierstädter Heide am westlichen Ortsrand also eine künstliche, von Menschen geschaffene Landschaft ist, genießt sie einen Status als Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebiet nur den Schildern nach. Wohl aber gehört sie zum Flora-Fauna-Habitat im Zusammenhang mit dem angrenzenden Stadtwald.

Dass sie noch lebt, hat sie vor allem der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) zu verdanken. Ohne deren Einsatz wäre die größte noch erhaltene Heidefläche im Vordertaunus längst überwuchert. „In 20 bis 25 Jahren wird daraus eine Waldfläche, wenn man sie sich selbst überlässt“, sagt Christoph von Eisenhart Rothe vom örtlichen SDW-Vorstand.

Wie eine ordentliche Heide

Stück für Stück haben die Hüter der Heide und ihre Waldjugend Lebensraum für die typische Erika (Calluna vulgaris) geschaffen. Inzwischen präsentiert sich das etwa fünf Hektar große Gelände unterhalb der Sportplätze des FC 04 Oberursel fast wieder so, wie es sich für eine ordentliche Heide gehört. Calluna vulgaris und Avenella flexuosa (Drahtschmiehle) dominieren große Flächen, durchsetzt von einzelnen Birken, Kiefern und Eichen, Ginster und Brombeergestrüpp am Rand. Die unterschiedlichen Stadien der Rekultivierung sind beim Gang über die zwei Trampelpfade gut zu erkennen. Brutal karg wirkende Stellen, wo die Humusschicht zuletzt im vergangenen Jahr abgeplaggt wurde, mit kleinen Erika-Pflänzchen auf fast nacktem Boden. Daneben mit Gras überwucherte Flächen, wo es höchste Zeit wird, dass die Flachhacke eingesetzt wird. Vier bis fünf Jahre dauert es vom Abplaggen bis zum Idealzustand der Heide. Für die Waldschützer ist die Bearbeitung der fünf Hektar stets ein Wettlauf mit der Zeit, weil immer nur kleine Flächen bearbeitet werden können.

Heidearbeit ist Handarbeit, mit Heidehacken, wie sie auch die Pfleger der berühmten Lüneburger Heide nutzen. Zum Abplaggen, also Abschieben der Humusschicht, und zum Aushacken des kleinen Baumbewuchses. Denn nicht nur die Samen des Erikakrautes fliegen ein, auch die Samen von Birke und Kiefer. Das Heidekraut aber „braucht 100 Prozent Licht“, sagt Christoph von Eisenhart Rothe.

Viele Helfer wären gut

Also werden sie am Samstag wieder zur Sklavenarbeit ausrücken, den Mini-Birken und -Kiefern geht es an die Wurzeln. „Abschneiden wäre einfacher, aber dann kommen sie wieder“, sagt Heide-Fachmann von Eisenhart Rothe. Ab 9.30 Uhr läuft der Einsatz auf der Stierstädter Heide, helfende Bürgerhände sind dabei gern gesehen, um möglichst viel Fläche der seltenen Kulturlandschaft bearbeiten zu können.

Der Mensch also ersetzt das Schaf, wiewohl Heidschnucken die besten Heidepfleger sind. Sie mögen die störenden jungen Bäumchen ganz besonders gern und fressen vom Heidekraut nur die Spitzen, was für die Verjüngung perfekt ist.

Doch hier kommt der Nutzungskonflikt ins Spiel, denn die Heide ist auch ein beliebter Ort für viele Hundefreunde, und trotz „Dog-Station“ hinterlassen die Hunde viel Kot. Für Heidschnucken bedeutet das eine große Krankheitsgefahr, Hund und Schaf vertragen sich in der Heide nicht. Entsprechende Versuche hat es gegeben.

Tierische Helfer hatte die Waldjugend zuletzt bei der Feier zum 25-jährigen Bestehen vor ein paar Jahren. Beim viertägigen Zeltlager auf der Stierstädter Heide war eine ganze Heidschnuckenherde dabei.

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