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Oberursel Die kleine Insel am U-Bahnhof

Überall müssen alteingesessene Geschäfte weichen, um Platz für Bäckerei-Ketten oder das Ärztehaus zu schaffen. Bernd Peppler und Liisa Inkinen beobachten diese Entwicklung mit Sorge. Sie engagieren sich im Protest gegen den Umbau der Stadt

13.03.2013 22:10
Eva Marie Stegmann
Pekko, Liisa Inkinen, Bernd Peppler und Ukko stört der Schnee gar nicht, aber anderes. (v.l.) Foto: Rheker

So richtig angefangen hat das politische Engagement von Bernd Peppler eigentlich erst mit dem Kiosk. Gegenüber des Computer- und Spieleladens am Bahnhof, den er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Liisa Inkinen seit mehr als 20 Jahren führt, stand ein U-Bahn-Kiosk. Über 100 Jahre war der Bau alt. Die letzten zwei Jahrzehnte betrieb ihn eine Familie, zuletzt zwei Jahre in einem Container. Als bekannt wurde, dass die Stadt den Kiosk schließen will, startete Peppler ein Bürgerbegehren. Es scheiterte.

Seitdem scheint der Mann mit den kinnlangen, braunen Haaren und dem Vollbart dauerpräsent im Rathaus zu sein. Ob im Bau- und Planungsausschuss, im Finanz- oder im Kulturausschuss – Peppler ist dabei. Er beobachtet die Debatten, gründet Facebook-Gruppen und spricht mit den Oberurselern über die Veränderungen in der Stadt. Es sind Veränderungen, die er und Inkinen mit Sorge beobachten. Um ihren Laden herum weichen alteingesessene Geschäfte wie der Kiosk Bäckerei-Ketten oder dem riesigen Ärztehaus. „Wir führen dazwischen ein Inseldasein“, sagt Peppler.

Ungewöhnliches Geschäft

Schon von weitem sticht das Geschäft der Architekten aus dem Neubaueinerlei heraus: Es befindet sich in einem selbst renovierten und von Efeu gesäumten Fachwerkhaus. Durch die gläserne Eingangstür betritt man eine andere Welt. Das Rauschen des großen, selbst zusammengeschraubten Computers mischt sich mit dem Knistern verbrennenden Holzes einem kleinen Ofen. Es riecht ein wenig nach Rauch und überall steht und liegt irgendetwas: Glaskästen mit Computerzubehör und Spielkarten, Computer, die auf ihre Reparatur warten, Ordner und alte Telefone.

Inkinen sitzt am Schreibtisch. Ihre rotkarierten Slipper lugen unter der Holzplatte hervor. „Komm, Schatz“, sagt sie und blickt gen Boden. Grinna, die große Münsterländer Hündin, schaut träge von ihrem Deckenlager auf. Außer Grinna wohnen bei Inkinen und ihrem Lebensgefährten Peppler noch Kater Maxx, der Uhu Ukko, der Wüstenbussard Pekko und Lissi, die Sheltie Hündin. In diesem Moment kommt Bernd Peppler um die Ecke. Seine Haare sind tropfnass und er sieht entspannt aus. „Ich war in der Sauna“, berichtet er. Diese ist in der Gründerzeitvilla direkt nebenan. Im ersten Stock wohnt das Paar, die Zimmer im zweiten Stock vermieten sie an Reisende. Nicht nur dort heißt das Paar jeden willkommen. Im Obergeschoss ihres Ladens etwa, der auch für Seminare gemietet werden kann, treffen sich jeden Freitag Kartenspieler.

Doch zurück zu den Veränderungen, die um das lauschige Geschäft und die Gründerzeitvilla herum stattfinden. Das Problem dabei sei, finden Inkinen und Peppler, dass die Menschen von den Politikern nicht in den Städtebau miteinbezogen. Sie werden weder gefragt, noch gehört. „Zu uns kommen oft Nachbarn und berichten davon, wie über ihre Köpfe hinweg geplant wird“, sagt Peppler.

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