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Muslimisches Grillfest in Oberursel Rechte Hetze aus dem Internet

Ein muslimisches Grillen zum Ende des Ramadans in Oberursel trifft auf Protest und Häme vom rechten Rand. Die Veranstaltung wird abgesagt - offiziell wegen Personalmangels.

In Bad Homburg gab es ein muslimisches Fastenbrechen - in Oberursel nicht. Foto: Michael Schick

Es sollte ein fröhliches Grillfest des Jugend- und Kulturtreffs Café Portstraße zum Abschluss des islamischen Fastenmonats Ramadan werden. Ein Teil des Ferienprogramms. Die Einladung stand kurz und formlos auf Zetteln und auf der Internetseite der städtischen Einrichtung: „Es ist Zuckerfest. Wir grillen nach muslimischer Art.“ Das eigentlich für den vergangenen Samstag geplante Fest musste wegen eines Personalengpasses ausfallen.

Doch bereits kurz nach der Bekanntgabe des für den vergangenen Samstag geplanten Grillens taucht auf der einschlägigen Internetseite „Politically Incorrect“ in einem Eintrag scharfe Hetze gegen die Oberurseler Veranstalter auf –offen rassistisch werden darin Muslime und Riten des Islam verhöhnt.

Eine Kostprobe: „Ob hierbei unter dem Stichwort ‚muslimische Art‘ auch zu späterer Stunde das allseits beliebte Messern oder das Treten auf die Köpfe der ggf. anwesenden autochtonen [sic] Gäste gemeint ist, ist nicht bekannt.“ Sprich: Die fremden Muslime tun sich einzig durch Gewalt gegen „Einheimische“ hervor.

Außerdem werden die Forumsbesucher aufgefordert, dem Oberurseler Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) mal die Meinung zu sagen über das „kulturell nicht hoch genug einzuschätzende Grillfest“, wie die Seite spottet. Bei Brum gingen nach Angaben von Stadtsprecherin Nina Kuhn zwischen 20 und 30 Mails mit Beschwerden ein – nicht aus Oberursel, sondern aus dem gesamten Einzugsgebiet des Blogs, dessen Leser quer durch die Republik verteilt sind. „Es sind größtenteils Menschen, die zu Oberursel keinerlei Bezug haben“, sagt Kuhn. Unter anderem sei der absurde Verdacht geäußert worden, es hätten für das Grillen am Jugendtreff lebende Tiere geschächtet, also nach islamischem Ritus geschlachtet werden sollen.

„Proamerikanisch“ und „proisraelisch“

Von Lesern des Blogs finden sich auf „Politically Incorrect“ in fast 80 Kommentaren zu dem Protestaufruf Schmähungen des islamischen Glaubens. Insbesondere über das rituelle Schächten von Tieren und über den Verzicht auf Schweinefleisch ereifern sich die Schreiber der Kommentare, die sich Nutzernamen gegeben haben wie „Unlinks“, „Gedankenpolizei“ und „Made in Germany West“. Stadtsprecherin Kuhn stellt klar:

Die Absage der Grillveranstaltung in Oberursel habe nichts mit den geharnischten Protestmeldungen von Rechtsaußen zu tun, sondern sei einzig durch einen Personalmangel am Veranstaltungstag nötig geworden. „Wo kämen wir denn hin, wenn wir uns einem solchen Druck tatsächlich beugen würden?“ Die Veranstaltung solle nachgeholt werden, betont Kuhn. Ein Zeitpunkt dafür stehe noch nicht fest.

Erst vor einigen Tagen war das Fastenbrechen nach Ramadan in Bad Homburg auf dem Platz vor dem Kurhaus gefeiert worden. Etwa 600 Teilnehmer kamen zu der Veranstaltung der türkisch-islamischen Gemeinde der Stadt.

„Politically Incorrect“ hat seit seiner Gründung im Jahr 2004 immer wieder online durch islamfeindliche Hetze von sich reden gemacht. Die Betreiber der Seite charakterisieren sich als „proamerikanisch“ und „proisraelisch“, sind nach eigenem Bekunden „gegen die Islamisierung Europas“ und „für Grundgesetz und Menschenrechte“. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat die Münchner Ortsgruppe des Blogs jedoch als verfassungsfeindlich eingestuft und unter Beobachtung gestellt.

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