Lade Inhalte...

Melita-Fabrik Kein Essig mehr aus Homburg

In der Bad Homburger Melita-Fabrik wird kein Essig mehr produziert. Der neue Besitzer Sven Rothenberger hat andere Pläne mit dem Unternehmen. Von Detlef Sundermann

Vor der Kaiser-Friedrich-Promenade 12 liegt noch ein leichter süß-säuerlicher Geruch in der Luft. Aber auch der wird bald Geschichte sein. Nach 167 Jahre wird die Melita Essigfabrik geschlossen. "Das Ende des Traditionsbetriebs hat sich vor zehn Jahren angekündigt", sagt Sven Rothenberger. Der Olympia-Dressurreiter ist seit Oktober der neue Besitzer der Fabrik. Zu retten gab es zu diesem Zeitpunkt bereits nichts mehr, musste er nach Durchsicht der Akten feststellen. Jetzt macht er sich über einen Neuanfang mit der Marke Melita Gedanken. Essig wird dann allerdings nicht dabei sein.

Zu der Essigfabrik ist der ehemalige Dressurreiter per Zufall gekommen. Auslöser war die Stadtvilla mit der maroden Fassade, die vor der Hinterhoffabrik in bester Innenstadtlage steht. Diese Immobilie hatte es ihm angetan. Sein Kaufinteresse sei vor sieben Jahren von Fabrikbesitzer Günther Weymar ziemlich schroff abgewiesen worden. Rothenberger konnte jedoch noch seine Visitenkarte abgeben. Die holten die Cousins Günther und Klaus Weymar erst hervor, als der Insolvenzantrag für die Fabrik bereits auf dem Tisch lag.

Mit einer sofortigen Geldspritze konnte der Konkurs abgewendet werden. Der Betrieb hatte damit eine Woche Aufschub und Rothenberger Bedenkzeit gewonnen, ob er in das Essig-Geschäft einsteigt. Schnell sei ihm jedoch klar geworden, dass sich die Würze aus vergorenem Branntwein mit den zum Teil mehr als 40 Jahren alten Gärreaktoren nicht mehr lohnend herstellen lasse, sagt Rothenberger. "Trotz Investitionsbereitsschaft lässt sich am Standort die Essigproduktion wirtschaftlich nicht halten."

Zum Niedergang der Firma hätten nicht nur über Jahrzehnte versäumte Investitionen, sondern auch die Streitereien unter den Cousins beigetragen. Das Vorhaben, die Produktion zu modernisieren, sei zudem kurz nach dem Verkauf hinfällig geworden. Essigmeister Günther Weymar habe entgegen einer Abmachung nicht mehr zur Verfügung gestanden. "Damit mussten wir die Produktion auslaufen lassen", sagt Rothenberger. "Das Wichtigste war, dass die zwölf Beschäftigten nicht auf der Straßen stehen." Dreiviertel der Leute habe wieder eine Arbeit finden können.

Die letzten Liter "Gurkengold" oder "Kräuterauslese" sind nun abgefüllt und die Rezepturen an einer Fabrik im bayerischen Straubing veräußert worden. Melita besitzt noch die Rezepturen für Senfe, Tomatenketchups und Soßen. Damit plant Rothenberg einen Neuanfang.

Derzeit werde noch der Markt ausgelotet, sagt er. Einige dieser Produkte seien ob ihrer Qualität am Markt etabliert. Die künftigen Erzeugnisse sollen vor allem im höherpreisigen Segment positioniert werden. Nur in diesem Segment sei es wirtschaftlich sinnvoll, wieder in Bad Homburg zu produzieren - auch angesichts der notwendigen hohen Investitionen in Gebäude und Betriebstechnik.

Als letzte Option stünde die Überbauung des Betriebsgeländes mit Wohnungen und vielleicht Gastronomie an, so der Unternehmer. Fest auf dem Sanierungsplan steht bei ihm dagegen die denkmalgeschützte Stadtvilla, bei der mehr an Arbeiten ansteht, als nur Putz wieder zu auftragen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen