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Literatur in Hessen Reich liest gern

In Bad Soden und Bad Homburg wohnen die eifrigsten Buchkäufer Hessens. Das hat nicht nur mit der Kaufkraft zu tun.

Literatur in Hessen
Geschäftsführerin Martina Ricken-Bollinger macht Leseratten glücklich. Foto: Michael Schick

Die Hausbuchhandlung von Nele Neuhaus zu sein, das kann nicht jeder behaupten. Boris Riege kann es, in seinem Laden am Quellenpark in Bad Soden hat die heute erfolgreiche Schriftstellerin ihre ersten Bücher verkauft. Boris Riege kannte die Pferdeliebhaberin schon als junges Mädchen und kann sich natürlich genau erinnern, wie sie einst mit einer Tüte voller Bücher und voller Hoffnung in den Laden kam. Im Selbstverlag produziert, die „Buchhandlung Boris Riege“ wurde für die junge Autorin das Tor zur Literaturwelt. Ihre Bücher lagen neben der Kasse, Boris Riege sorgte für dezente Werbung.

Natürlich gehören die Taunus-Krimis im Nele-Neuhaus-Land zu den Umsatzbringern in Rieges Buchhandlung. Dass in Bad Soden die zweiteifrigsten Buchkäufer Deutschlands leben, hat aber auch andere Ursachen. Nur Ingelheim in Rheinland-Pfalz hat noch etwas mehr zu bieten, aber darauf folgen schon Bad Soden und die benachbarte Kurstadt Bad Homburg. So berichtet es der Börsenverein des Deutschen Buchhandels kurz vor Beginn der Buchmesse in Frankfurt.

Alle Jahre wieder untersucht ein Marktforschungsunternehmen in einer Kaufkraftstudie, für was die Menschen ihr Geld ausgeben. In Bad Soden investierten die Bürger demnach 158 Euro pro Kopf und Jahr in Bücher, zwei Euro weniger als im Vorjahr. Macht etwa 3,5 Millionen Euro bei rund 22 000 Einwohnern, von denen knapp die Hälfte in der Kernstadt leben, die anderen in den Ortsteilen Neuenhain und Altenhain. Riege, der sich auf ein treues, regelmäßig kommendes Stammpublikum verlassen kann, mag solche Zahlenspiele und erklärt daran gerne, warum er „noch nicht mit dem Bentley in die Buchhandlung“ kommt.

Die Rechnung geht so: Auf den Sortimentsbuchhandel entfielen etwa 50 Prozent des Umsatzes, den die Buchkäufer produzieren. Wenn diese ihre Bücher alle in Bad Soden kaufen würden, wäre das nicht schlecht, denn der normale Kaufkraftabfluss betrage 50 Prozent. Da auch jeder Kalender aus dem Schreibwarengeschäft und jeder an der Tankstelle gekaufte Rhein-Main-Atlas in die Gesamtrechnung einfließe, relativiere sich das Bild schnell. Auf seine Bad Sodener Kunden lässt Boris Riege aber nichts kommen. „Ja, es gibt ein Bildungsbürgertum mit einem breiten Bildungsinteresse, das mehr als ein Buch im Monat kauft.“ Politische und geschichtliche Themen stünden im Lutherjahr und in Zeiten weltpolitischer Krisen bei einem meist über 40 Jahre alten Publikum hoch in Kurs.

Kinder- und Jugendarbeit ausgezeichnet

Deutschlandweit zeigt sich laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels bei den Buchkäufen ein Gefälle ähnlich der Verteilung der Kaufkraft insgesamt. Dass Bad Soden und Bad Homburg eine Spitzenstellung einnehmen, verwundert daher nicht. Martina Ricken-Bollinger hat ohne Kenntnis der jüngsten Kaufkraftstudie mit den positiven Zahlen zum Bad Homburger Buchkonsum (153 Euro pro Kopf und Jahr) in der Kurstadt investiert. Vor sechs Wochen hat sie die Traditionsbuchhandlung Supp aus dem Jahr 1903 auf der Einkaufsmeile Louisenstraße übernommen, und versucht dort, „das Althergebrachte und Moderne“ im Buchhandel zu verbinden.

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