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Kuranstalt Das Taunus-Sanatorium verfällt

Der Erhalt der ehemaligen Kuranstalt ist beschlossen, trotzdem verfällt das Gebäude. Feuchtigkeit und Vandalismus hinterlassen bereits Spuren.

Wenn Türen und Fenster weiter offen stehen, ist das Sanatorium bald ganz verfallen. Foto: Sascha Rheker

Der Haupteingang steht offen. Auch Balkontüren und Fenster. Putz fällt großflächig von den Wänden, Decken sind abgestürzt. Wer das ehemalige Sanatorium Dr. Goldschmidt bewahren will, muss sich sputen.

Im März 2011 hat die Stadt Bad Homburg eine Erhaltungssatzung beschlossen – „die Anlage prägt das Ortsbild und ist von hoher geschichtlicher Bedeutung für die Kurstadt“, heißt es darin. Allerdings kann die Stadt nicht über das imposante Bauwerk verfügen. Eigentümer des 20000 Quadratmeter umfassenden Areals ist seit vier Jahren der Hochtaunuskreis.

Auf dem Eckgrundstück an der Unteren Terrassenstraße soll die Erweiterung des benachbarten Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums (KFG) realisiert werden. Bis heute gehört das verwilderte Parkgelände baurechtlich zum „Sondergebiet Kur“. Nur nach einer Nutzungsänderung können hier Mensa und Klassenzimmer entstehen.

Während der jahrelang sich hinziehenden Planungen geriet das 1911 als jüdische Kuranstalt gegründete Haus in Vergessenheit. Ein FR-Artikel und das Engagement des Gemeinschaftskreises „Unser Homburg“ hievten die wechselvolle Liegenschafts-Geschichte schließlich ins öffentliche Bewusstsein. Der mehrgeschossige Bau mit seinen Balkonen und Nebengebäuden ist eines der letzten erhaltenen Zeugnisse jüdischer Bäderkultur. Noch immer sind im Inneren die getäfelten und von Deckenbemalungen geschmückten Salons erkennbar – aber durch das Eindringen von Feuchtigkeit und Schimmelbildung stark bedroht.

Verdacht gegen den Kreis

„Es ist ein Skandal, in welchem Zustand das Haus ist“, sagt Ulrich Cannawurf, der für „Unser Homburg“ zum städtischen Denkmalbeirat gehört. Es dränge sich der Verdacht auf, dass der Kreis das ehemalige Taunus-Sanatorium absichtlich verkommen lässt „Am Ende bleibt dann nur noch der Abriss.“ Ende 2009 noch fest verrammelt, sind nun Tür und Tor geöffnet. Seit dem Auszug des Bundesausgleichsamtes 1998 herrscht hier Leerstand. Mehrfach haben sich Eindringlinge ausgetobt: Zwischen leeren Bierflaschen liegen Scherben von Tür- und Fensterglas, das Treppengeländer ist weitgehend zerstört. Modergeruch füllt die Luft. Parallelen zu einem anderen repräsentativen Bau, der unter Kreis-Obhut verfiel, sind offensichtlich: Das ehemalige Taunus-Kinderheim bei Wehrheim ist heute ruiniert.

Der Stadtverwaltung sind die Hände gebunden. „Bad Homburg kann nur in Abstimmung mit dem Besitzer tätig werden“, sagt Sprecher Andreas Möring. Der Kreis will den früheren Prachtbau nun absichern. Für eine Grundsanierung bestehe aber kein Anlass, so Kreissprecher Markus Koob. „Es gibt kein Nutzungskonzept.“ Das Landratsamt investiere seine Mittel eher in die Schul-Projekte.

Mit baldigem Baubeginn für das KFG ist nicht zu rechnen – dafür fehlt Geld. Andreas von Gall, der im nahen Rebenweg wohnt, plädiert für eine neue planerische Ausrichtung des Quartiers. Man müsse dessen Kur-Status erhalten. Schon heute sei die Verkehrsdichte zu hoch. „Der Weinbergsweg ist die zentrale Achse des Kurgebiets und gleichzeitig Haupterschließungsstraße für Amtsgericht, Seedammbad, Spielbank, Wohngebiet und zwei Schulen – das passt alles nicht zusammen.“

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