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Kulturausschuss Homburger Hexen rehabilitiert

Der Kulturausschuss votiert für die im 17. Jahrhundert Hingerichteten. Mindestens 75 Menschen, darunter 61 Frauen, fanden in Homburg zwischen 1603 und 1656 den Tod, weil sie angeblich der Hexerei überführt waren.

24.02.2012 22:56
Von Martina Propson-Hauck
Hexenverbrennung, dargestellt in einer französischen Grafik. Foto: I. Surrey

Es war am 9. September 1603 als in Homburg Else Pfraum, die Frau des Köpperner Bäckers Hen Pfraum, wegen angeblicher Hexerei angeklagt, im alten Rathausturm eingesperrt und anschließend dort hingerichtet worden ist. Heute befindet sich dort die Ernst-Moritz-Arndt-Straße, unterhalb des Kleinen Tannenwaldes. Else Pfraum war in Homburg das erste Opfer des Hexenwahns, dem viele Menschen in Europa im 16. und 17. Jahrhundert verfallen waren.

„In Seulberg hat der Hexenwahn richtig angefangen und sich nach Homburg ausgebreitet“, berichtet die Friedrichsdorfer Schriftstellerin Dagmar Scherf, die sich der Hexenforschung verschrieben und mehrere Bücher darüber verfasst hat. Die Hysterie einer Landgräfin, in deren Familie sich zu jener Zeit Todesfälle häuften und der Wahn des damaligen Seulberger Pfarreres Zahnius paarten sich zu unvergleichlichen Gräueltaten: Mindestens 75 Menschen, darunter 61 Frauen, fanden in Homburg zwischen 1603 und 1656 den Tod, weil sie angeblich der Hexerei überführt waren. Mit einem Vortrag im Kulturausschuss der Stadtverordnetenversammlung hat Scherf nun auch die letzten Zweifler im Parlament davon überzeugt, dass eine öffentliche Rehabilitation der damals verurteilten und hingerichteten Menschen Not tut. Einstimmig votierten sie dafür. Im November war eine entsprechende Vorlage „zur Überarbeitung“ zurückgezogen worden.

Kulturdezernentin Beate Fleige (BLB) will nun gern am alten Rathausturm gegenüber der Landgraf-Ludwig-Schule ein umlaufendes Band anbringen lassen, in das die Namen der Opfer der Hexenverfolgung als Fließtext eingraviert werden sollen. Sie will aber auch noch einen Alternativvorschlag entwickeln. Im Sommer soll dieses Band (oder eine Tafel) feierlich angebracht werden. Zudem sorgt die Stadt mit einem Druckkostenzuschuss dafür, dass das im Handel bereits vergriffene Buch „Homburger Hexenjagd“ von Dagmar Scherf eine Neuauflage erfährt.

Solch offizielle Akte der öffentlichen Rehabilitierung von Männern und Frauen, die der Hexerei beschuldigt, gefoltert und hingerichtet worden sind, haben auch andere Städte bereits vollzogen: Hofheim im benachbarten Main-Taunus-Kreis hat 2010 einen entsprechenden Beschluss gefasst, ebenso wie zuvor Idstein im Rheingau Taunus-Kreis.

Der Theologe Hartmut Hegeler beschäftigt sich seit Jahren mit der Hexenverfolgung und hat die aktuellen Vorstöße zur Rehabilitierung in Düsseldorf und Köln begleitet. Als der Antrag vor drei Monaten in Düsseldorf verhandelt wurde, habe ein katholischer Theologe einen Gegenantrag gestellt und darin betont, dass es sein katholisches Glaubensverständnis verletze, wenn ein Urteil aufgehoben würde, das damals über Menschen gefällt wurde, die mit dem Teufel paktiert haben, sagte Hegeler dem Kölner Domradio in einem Interview zur Aktualität von Hexenglauben.

Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert sind in Deutschland bis zu 30?000 Frauen, Männer und Kinder hingerichtet worden, weil sie angeblich mit dem Teufel paktiert hätten.

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