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Kronberg Stundenlang üben, bis es sitzt

Das Feuermann-Konservatorium ist die „Basis“-Station der Kronberg Academy. Es feiert jetzt sein 20-jähriges Bestehen.

Kultur in Kronberg
Lehrer Erik Richter erklärt Dhana die richtigen Handgriffe. Foto: Renate Hoyer

„Zieh, zieh, zieh“, ruft Erik Richter. Und Dhana lässt den Cello-Bogen noch intensiver über die Saiten gleiten. Die „Gavotte“ von David Popper verlangt der 13-Jährigen einiges ab. Doch Richter ist zufrieden. „Exzellent“, lobt der Leiter des Fachbereichs Cello am Emanuel-Feuermann-Konservatorium seine Schülerin. Einmal pro Woche kommt sie für 90 Minuten in die Villa Spieß, in der die Musikschule der Kronberg Academy derzeit noch ihren Sitz hat. Ihr Ehrgeiz sei es, ein Stück so lange zu üben, „bis es wirklich sitzt“, erzählt Dhana. Um das hinzubekommen, übe sie zusätzlich zu Hause mindestens eine Stunde pro Tag. 

Noch weitaus ambitionierter ist das Programm von Lily, die wenige Räume weiter Geigenunterricht hat. Seit die 18-Jährige ihr Abitur in der Tasche hat, übt sie täglich drei Stunden lang mit ihrem Instrument. Ihr Ziel: Die Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule. Ein schwieriges Unterfangen, wie ihre Lehrerin Annette Ziegler einräumt. „Es gibt wahnsinnig viele begabte junge Leute.“ Lily könne es aber schaffen, sich ihren Traum zu erfüllen, glaubt Ziegler. 

Neben dem nötigen Talent bringe die 18-Jährige einen starken Willen und echte Liebe zur Musik mit, erklärt Ziegler. Bevor sie vor zwei Jahren aus Gießen an das Feuermann-Konservatorium gekommen sei, habe sie den Geigen-Unterricht allenfalls halbherzig betrieben, räumt Lily selbst ein. „Es ist Wahnsinn, was sie seitdem herausgeholt hat“, lobt ihre Lehrerin. Lily und Dhana werden beide am Sonntag auf der Bühne der Kronberger Stadthalle stehen, wenn das Emanuel Feuermann-Konservatorium sein 20-jähriges Bestehen mit einem öffentlichen Jubiläumskonzert feiert. 

Die Musikschule ist gewissermaßen die Basis-Station der Kronberg Academy., die als Ausbildungsstätte für hochbegabte Musikstudenten internationales Ansehen genießt. „Wer selbst musiziert, kommt der Musik viel näher und wird sie auch als Zuhörer besser verstehen“, erläutert Raimund Trenkler, Gründer und Präsident der Academy das Konzept des Konservatoriums. 

Derzeit werden in der Villa Spieß 80 Mädchen und Jungen im Alter zwischen fünf und 18 Jahren unterrichtet. Die meisten kommen aus Kronberg und den anderen Hochtaunus-Kommunen. Es gebe aber auch Schüler, die aus Frankfurt oder – wie Lily – sogar Gießen anreisen, sagt Beate Rüskamp, die sich um die Verwaltung der Musikschule kümmert. 

Die Kosten für das Konservatorium können zu einem Großteil durch Zuwendungen von Sponsoren gedeckt werden. Eltern zahlen, je nach Länge der Unterrichtseinheiten, 125 bis 165 Euro pro Monat. 

Einige der Schüler seien echte Anfänger. Drill gebe es am Feuermann-Konservatorium nicht, versichert Erik Richter. Die Schüler sollten allerdings schon „eine gewisse Ernsthaftigkeit“ mitbringen. Er selbst unterrichtet pro Tag fünf bis sechs Mädchen und Jungen am Cello. Neben dem Einzelunterricht sollen die Kinder und Jugendlichen aber auch lernen, zusammenzuspielen. 

Bislang sei das in einzelnen Kammermusik-Projekten an Wochenenden oder Ferienfreizeiten geschehen, schildert Annette Ziegler. Um den Schülern die Möglichkeit zu geben, öfter gemeinsam zu musizieren, soll es künftig regelmäßige Kammermusik-Einheiten geben. Das Interesse sei jedenfalls da. „Die Zahl der Anmeldungen ist bombastisch“, sagt Ziegler. 

Veränderungen wird es auch bei den Übungsräumen geben. Für Ende des Jahres ist der Umzug des Konservatoriums in das Receptur-Gebäude in der Altstadt geplant, wo sich auch die Kronberg Academy befindet. Durch den Auszug der Kunstschule seien dort Räume freigeworden, sagt der Sprecher der Academy, Holger Heuermann. 

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