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Königstein Stolpersteine Messing wider das Vergessen

Stolpersteine: Eine kleine Messingplatte, die an die Opfer der NS-Zeit erinnern soll. Eine Königsteiner Bürgerinitiative will auch Stolpersteine verlegen lassen. Nunu beginnt die Recherche zu NS-Opfern.

In Schmitten erinnern Stolpersteine an die Familie Strauss. Foto: privat

Eine kleine Messingplatte mit Gravur. Geburts- und Todesdatum, dazu der Sterbeort: Als eine Form des Erinnerns an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft sind die Stolpersteine längst ein Begriff. Der Künstler Gunter Demnig verlegt die Steine mit der glänzenden Oberseite seit den neunziger Jahren, inzwischen in ganz Europa. Die Steine erinnern an die einzelnen Schicksale der von den Nazis Verschleppten und Ermordeten an ihren ehemaligen Wohnorten.

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Eine Bürgerinitiative will erreichen, dass auch in Königstein die Erinnerung wach gehalten wird. Rund 20 Königsteiner setzen sich für die Verlegung der Gedenksteine in ihrer Stadt ein, unter ihnen auch Barbara Kramer. „Die Stolpersteine sind eine Ergänzung zu den vielen anderen Formen der Erinnerung“, sagt sie.

Patenschaft übernommen

Umso erfreulicher sei es, dass die Besitzer vor drei Häusern, vor denen im November die ersten Steine verlegt werden sollten, zugestimmt haben. Ein Teil davon habe auch eine Patenschaft und damit die Kosten von rund 120 Euro je Stein übernommen. Zuvor müsse die Stadt aber noch ihre Einwilligung geben, fügt Kramer hinzu. Die Anträge dazu lägen bereits im Rathaus vor.
Die Initiative plant eine Ausstellung, die parallel zu der Verlegung gezeigt werden soll. In ihr sollen die Schicksale der Ermordeten beleuchtet werden. Dazu recherchieren die Mitglieder in Archiven zu von den Nazis deportierten Königsteinern. Rosa Cahn, geboren 1901, war eine von ihnen. Die jüdische Sparkassen-Kontoristin wurde im November 1942 zusammen mit ihrer Mutter Lina verschleppt und wenige Tage darauf im Vernichtungslager Kowno im heutigen Litauen von Nazis erschossen.
Andere Königsteiner Juden wurden in den Konzentrationslagern Theresienstadt oder Auschwitz ermordet. In den kommenden Jahren soll die Zahl der Stolpersteine in Königstein weiter wachsen. Nach Angaben der Stadt hatte Königsstein 1933 rund 3500 Einwohner, davon etwa 100 jüdischen Glaubens. An die in der Reichspogromnacht 1938 zerstörte Synagoge erinnert heute ein Bronzedenkmal.
Doch waren es auch in Königstein nicht ausschließlich Juden, die den Kommandos der Nationalsozialisten zum Opfer fielen, wie Kramer unterstreicht.
Auch an Euthanasieopfer und politisch Verfolgte solle künftig in Königstein erinnert werden. Die Initiative werde daher demnächst die Gedenkstätte für Euthanasieopfer in Hadamar besuchen. In der Anstalt im Landkreis Limburg-Weilburg töteten die Nazis tausende Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Zur Begründung genügte es gemäß der menschenverachtenden Staatslogik der Nazis, dass die Opfer aufgrund ihrer zuvor attestierten „Arbeitsunfähigkeit“ ihrem Land und seiner Industrie keinerlei wirtschaftlichen Nutzen bringen konnten.

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