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Kastell Heidenstock Damenbesuch am Limes

Das Kastell Heidenstock bei Bad Homburg ist saniert. Im Gegensatz zur Saalburg braucht man hier viel aber Phantasie, um sich in die Römerzeit zurückzuversetzen. Von Detlef Sundermann

Die Überreste des Kastells Heidenstock bei Bad Homburg. Foto: FR/Schick

Es ist eine ordentliche Portion Phantasie nötig, um sich das damalige Geschehen zu vergegenwärtigen. Rund 1,5 Kilometer vom Sandplacken in Richtung Saalburg liegt ein Mauerring, der zu drei Vierteln frisch mit Erde bedeckt ist, einige Meter weiter sieht man ein ungefähr zwei Meter dickes, kniehohes Mauerwerk. Das sind nach mehr als 1800 Jahren die heutigen Reste des Kleinkastells Heidenstock. Gestern wurden die Sanierungsarbeiten der Ruine offiziell für beendet erklärt.

Das Kleinkastell ist eine Station auf dem Limes-Erlebnispfad. Freigelegt und umhegt zeigt sich das Überbleibsel des römischen Reichs erst seit Kurzem. "Wenn man der Bevölkerung diese geschichtlichen Reste erkennbar macht, werden die Leute auch deren Wert schätzen lernen", sagte gestern Bad Homburgs Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr (CDU) und drückte damit auch ihre Verärgerung darüber aus, dass Mountainbiker die Erdwälle bereits befahren haben. Die Stadt, auf deren Gemarkung sich die antike Kleinstkaserne befindet, fühle sich verpflichtet, für den Erhalt des Weltkulturerbes Limes und dessen Bauten zu sorgen.

Nachlässigkeit der Stadt

Das sei nicht immer so gewesen, sagte Egon Schallmayer, Direktor des Saalburg-Museums. Bereits sein Amtsvorgänger hatte sich kritisch über die vermeintliche Nachlässigkeit der Stadt im Umgang mit den altertümlichen Kulturgütern geäußert. Seit 2007 engagiert sich Bad Homburg jedoch besonders für deren Erhalt. Das Kleinkastell ist in diesem Zusammenhang das dritte Projekt. Im Parlament wurden insgesamt knapp 160.000 Euro bewilligt.

In dem Betrag enthalten ist eine geophysikalische Untersuchung, etwa mit Radarstrahlen. Im Boden des 19,5 mal 23,5 Meter großen Areals werden wichtige Information über die damalige Taunus-Epoche vermutet. "Eine Grabung würde die Fundstelle für immer beschädigen", erklärt Carsten Amrhein, stellvertretender Leiter des Saalburg-Museums und zuständig für das Kleinkastell.

Die Archäologen erhoffen sich mit zerstörungsfreien Methoden neue Erkenntnisse über die hölzernen Binnenbauten der Wehranlage. Erste archäologische Untersuchungen der Wohn-und Arbeitsstätte für 20 bis 30 Soldaten, die unter anderem die mehr als ein Dutzend Wachtürme zwischen Sandplacken und Saalburg besetzten, gab es 1892. Viele Gegenstände wurden zutage gefördert: Amphoren, Pfeilspitzen und ein Steinmetzhammer. Sogar eine Frauenbrosche entdeckte man im Boden.

Eindruck von der Gesamtanlage

Eine sogenannte Fibel in einem von Männern bewohnten Ort? Gab es von Zeit zu Zeit dort Damenbesuch? Für Forscher ist dies nur eine der vielen ungeklärten Fragen zum Alltag auf den Kastellen im Taunus. Die neue Informationstafel an dem Kleinkastell gibt einen Eindruck von der damaligen Gesamtanlage. Ob die Mannschaftsbaracke winkelförmig zwischen den einst bis zu 3,6 Meter hohen Mauern aufgebaut war oder ob die Mauern, wie die der Saalburg, weiß verputzt und mit aufgemalten Fugen versehen waren, ist derzeit noch nicht geklärt.

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