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Jüdischer Friedhof Trauerhalle gehört zur „Seele der Stadt“

Länger als erwartet hat die Sanierung der 1884 von Louis Jacobi geplanten „Leichenhalle“ gedauert. Doch jetzt kann sie wieder genutzt werden.

02.09.2010 16:34
Martina Propson-Hauck
Trauerhalle auf dem jüdischen Friedhof Foto: Michael Schick

Zart grün und cremefarben schattiert sind die Wände, ein Fries mit schwarzem Wellenmuster läuft um. Hinter den Türen eines hölzernen Wandschranks sind Teile der ursprünglich farbintensiven Ausmalung in violett zu sehen. Die Trauerhalle auf dem jüdischen Friedhof erstrahlt in völlig neuem Glanz.

Länger als erwartet hat die Sanierung der 1884 von Stadtbaumeister Louis Jacobi geplanten „Leichenhalle“ gedauert. Im Juli 2008 hatte Architekt Johannes Hug damit begonnen, in Abstimmung mit der Denkmalbehörde die Trauerhalle wieder in ihren Zustand von Ende der 20er Jahre zu versetzen.

Voll besetzt war das historische Gebäude auf dem jüdischen Friedhof am Mittwoch während einer Feierstunde zum Abschluss der Sanierungsarbeiten.

300 000 Euro für die Sanierung

Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne) verwies in seiner Rede darauf, dass ein Kulturdenkmal wie die Trauerhalle die Seele der Stadt erhalten helfe, denn die Geschichte Bad Homburgs bestimme eben jene „Seele der Stadt“. Es sei nicht nur wichtig, ein bauliches Schmuckstück wiederherzustellen – was 300?000 Euro gekostet hat – sondern auch, die historischen Zusammenhänge darzustellen. So hat das Stadtarchiv die Geschichte der jüdischen Gemeinde und des Friedhofs aufgearbeitet und auf drei Schautafeln festgehalten. Sie waren während der Feierstunde zu sehen und sollen auch künftig bei Führungen aufgestellt werden. Ergänzt werden sollen sie um Informationsmaterial zur Restaurierung der Trauerhalle, die nach Auskunft des Architekten bereits im vergangenen Jahrhundert zwei Mal verändert worden war.

Rund 600 Jahre lang gab es in Bad Homburg eine jüdische Gemeinde. Sie wurde mit der Deportation der letzten vier jüdischen Bürger durch die Nationalsozialisten am 20. Mai 1943 endgültig ausgelöscht. Ein Denkmal sei „ein lebenslanger Imperativ, der aus zwei Wörtern besteht“, zitierte Korwisi den in Dachau ermordeten Schauspieler Fritz Grünbau. Denk mal!

Daniel Neumann, Direktor des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Hessen, nannte die Trauerhalle und den Friedhof „letzte authentische Zeugnisse einer einst blühenden jüdischen Gemeinde“. Auch die Bad Homburger Juden, die bis zur Verfolgung durch die Nationalsozialisten in der Kurstadt erfolgreich Hotels, Restaurants oder Textilgeschäfte betrieben hatten, hätten sich „der Illusion eines gleichberechtigten Miteinanders“ hingegeben. Neumann dankte der Stadt für den erheblichen finanziellen Aufwand und die Fürsorge, mit der sie sich der Sanierung angenommen hat. Die bescheidene Zahl der heute in Bad Homburg lebenden Juden gebe Anlass zur Hoffnung, dass ein neues Kapitel jüdischen Lebens in der Stadt aufgeschlagen werde.

Am Sonntag, 19. September, veranstaltet die Stadt eine Führung über den jüdischen Friedhof . Anmeldung unter Telefon: 06172/100-3155.

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