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Jubiläum 100 Jahre Bad Eine Büste für den Lobbyisten

Wilhelm Meister, damaliger Landrat des Obertaunuskreises, besorgte vor 100 Jahren der Stadt den lang ersehnten Bad-Titel. Bad Homburg dankt es ihm nun mit einer Büste, die künftig im Foyer des Kurtheaters stehen soll.

29.11.2012 08:46
Martina Propson-Hauck
Förderer des Kurbades im Geiste von Wilhelm von Meister: Erich Gunkel, Peter Bruckmaier, Werner Wicker (von links). Foto: Storch

Wilhelm Meister, damaliger Landrat des Obertaunuskreises, besorgte vor 100 Jahren der Stadt den lang ersehnten Bad-Titel. Bad Homburg dankt es ihm nun mit einer Büste, die künftig im Foyer des Kurtheaters stehen soll.

So schön sah der Festsaal im Kurhaus noch nie aus: Unter Kristalllüstern an der Decke strahlend weiß gedeckte Tische mit fünfarmigen Kandelabern, abwechselnd mit weißen Kerzen und rot-violetten Blumenkugeln bestückt. Stilvoll und festlich sah das aus – und natürlich auch ein wenig prunkvoll, ganz wie es sich eben für Bad Homburg gehört. Zu einem opulenten Fest hatte die Stadt am Dienstagabend 350 Gäste geladen – darunter viele amtierende und ehemalige Kommunalpolitiker wie die frühere Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr oder Ex-OB Reinhard Wolters, Schulleiterinnen sowie verdiente Bürger und Unternehmer, die als Sponsoren eine große Rolle spielen, wie etwa Stefan Quandt.

Ein Jahr lang hat man bereits heftig gefeiert – am Dienstag nun den Tag der amtlichen Bekanntmachung, dass Homburg den Titel „Bad“ im Namen führen dürfe.

Am 27. November 1912, also genau vor 100 Jahren, hatte es die Stadt geschafft, das offizielle Siegel zu erlangen. Wie Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne) in seiner Rede ausführte, war es Wilhelm von Meisters Verdienst, dass dem schon länger geäußerten Wunsch der Stadt damals auch bürokratisch endlich entsprochen wurde. „Seine Gespräche und seine Hartnäckigkeit brachten 1912 den Durchbruch“, sagte Korwisi. Denn trotz des Wohlwollens des Kaisers, der in Homburg seine Sommerresidenz hatte, hatte die Stadt bei der preußischen Regierung keine nennenswerte Lobby.

Meister, nach dem eine Seitenstraße der unteren Louisenstraße benannt ist, war 1894 Landrat des Obertaunuskreises geworden. Als er zum Regierungspräsidenten in Wiesbaden befördert wurde, nutzte er seinen Einfluss, um für die Wahlheimat zu werben.

Urenkel stellt Bild zur Verfügung

Die Stadt – dank Badebetrieb und Spielbank zu reichlich Wohlstand gelangt – dankt es ihm nach 100 Jahren nun mit einer Büste. Die hat die Bad Homburger Künstlerin Ortrud Krüger-Stohlmann gefertigt – nach einem Foto Meisters, nun ins Dreidimensionale übersetzt und in Bronze gegossen. Im Juni hatte sie den Auftrag dazu erhalten, gestern wurde die Büste erstmals gezeigt. Das Foto hat ein Urenkel, Joachim von Meister, zur Verfügung gestellt.

Die Büste, so war von Kulturstadträtin Beate Fleige (BLB) zu erfahren, soll demnächst im Foyer des Kurtheaters aufgestellt werden. 6000 Euro hat sich die Stadt diese Geste kosten lassen.

Kurbad war Homburg freilich schon wesentlich früher: Johann Heinrich Weckerling hatte als 13-Jähriger beim Spielen im Kirdorfer Bach in den Audenwiesen im Juni 1809 eine salzhaltige Quelle gefunden, den späteren Ludwigsbrunnen.

Stadt übernimmt Spielbanklizenz

Weitere Erschließungen von Heilquellen folgten. Die am ergiebigsten sprudelnde hat wohl Werner Wicker erschlossen, der die 23 Grad warme Viktoria-Luise-Quelle für die Taunus-Therme nutzte. Stellvertretend für viele Förderer des Kurbades dankte ihm der OB für seinen Einsatz.

Von Wicker übernimmt die stadteigene François-Blanc-Spielbankgesellschaft vom 1. Januar 2013 an die Lizenz – nicht zum Gelddrucken, aber doch zum Geldverdienen mit dem Casino. Kurdirektor Ralf Wolter sagte, man habe das Jubiläumsjahr nutzen wollen, um die Stärken Bad Homburgs bekannter zu machen und mit dem verstaubten Image aufzuräumen, das Kurbädern anhafte. Immerhin hatte der Deutsche Bädertag Bad Homburg kürzlich erst als „Leuchtturm“ in der deutschen Bäderlandschaft bezeichnet.

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