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Horex-Museum Ein schickes Heim für die Horex

Am 8. September öffnet das Museum am Güterbahnhof für die Motorradfans

20.07.2012 22:58
Klaus Nissen
Unten hat ein Diner geöffnet, darüber liegt das Museum. Foto: M. Weis

Die neueste Attraktion Bad Homburgs wird am 8. September um 11 Uhr morgens öffnen. Der Zeitpunkt ist gesetzt, weil sich die Zweiradfreunde vom Horexclub Taunus am Nachmittag in Burgholzhausen treffen. Da fachsimpeln sie jedes Jahr über ihre „antiken“ Motorräder aus Homburger Produktion.

Die Attraktion ist ein weißes Gebäude am früheren Güterbahnhof, gleich neben dem hässlichen Signalwärterturm der Bahn. Architekt Uwe Stoll gestaltete das neue Horex-Museum in der Form eines stilisierten Horex-Einzylindermotors. Das riesige, um eine Ecke geschwungene Frontfenster wird von horizontalen Metallstreben geschützt, die an die Kühlrippen des Horex-Einzylindermotors erinnern. In dem Museum wird die Stadt gemeinsam mit dem Horexklub Taunus und dem MSC Bad Homburg auf 380 Quadratmetern die glorreiche Geschichte der hiesigen Motorradproduktion nacherzählen. Das Museum wird jedes Wochenende geöffnet sein, sagt Direktorin Ursula Grzechca-Mohr zur FR. Werktags können Schulklassen auf Vereinbarung zu Führungen kommen.

Horex von 2012 ist auch dabei

Für die FR öffnete sich das Museumstor schon vor dem Einzug der ersten Exponate. Am Eingang hängt ein Lastenkran unter der Decke, der auch schwere Motorräder und andere künftige Ausstellungsstücke in den ersten Stock hieven kann. Der Aufgang hat links neben der Treppe sieben Ebenen von jeweils etwa sechs Quadratmetern. Ganz vorn soll bei der Eröffnung die neueste Horex stehen: ein schlankes Geschoss mit Sechszylindermotor und 1200 Kubikzentimetern Hubraum. Clemens Neese, aktueller Inhaber der Marke, baut die Maschine gerade in seiner Augsburger Manufaktur.

Aufsteigend wird Ursula Grzechca-Mohr dann die Geschichte der Bad Homburger Zweiräder erzählen. Die meisten Exponate kommen aus der 1916 begonnenen industriegeschichtlichen Sammlung des Gotischen Hauses und schlummern seitdem meistens in Depots. „Wir haben noch die Fahrmaschine von Philipp Reis“, verrät die Kuratorin. Das Dreirad wurde mit Handhebeln voranbewegt. Es ist ein Vorläufer der Draisine und wird auf der zweiten Ebene des Horex-Museums zu sehen sein. Weiter findet man dort ein urtümliches Fahrrad aus dem Nachlass des landgräflichen Hoffotografen Thomas Vogt und ein Lastenfahrrad, mit dem die Homburger Rex-Konservengläser ausgeliefert wurden. Ursula Grzechca-Mohr: „Alle findigen Köpfe überlegten damals, wie man sich ohne Pferde fortbewegen konnte.“

Weiter oben im Museum tauchen die ersten Motoren auf. So der 1920 in Oberursel produzierte Fahrradhilfsmotor „Gnom“. Er leistete eine Pferdestärke. Auch die seit 1938 von Hermann Reeb konstruierte Horex SB 35 mit dem 342 Kubikzentimeter fassenden Langhubmotor wird im Aufgang des neuen Museums stehen. Sie war ein Vorläufermodell der nach dem Krieg in ganz Deutschland und 60 weiteren Ländern verbreiteten Horex Regina.

Regina heißt Königin. Schon für den Export produzierte 1953 die ehemalige Konservenglasfabrik Horex 18600 Maschinen in ihren Hallen an der Ecke Horex- und Industriestraße. Heute steht dort das Bridgestone-Gebäude. Im Museum wird die von Auszubildenden der Firma Mahle aus Originalteilen zusammengebaute Regina stehen. Wer mag, kann sich draufsetzen. „Männer haben einfach Spaß daran“, glaubt Ursula Grzechca-Mohr.

Das Obergeschoss des neuen Museums bekommt Vitrinen mit Trophäen von den Feldbergrennen – mit Plaketten der seit 1955 veranstalteten Horex-Sternfahrten und anderen Erinnerungsstücken aus der 1960 in Bad Homburg endenden Produktionszeit der Horex-Motorräder. Auch eine Videoecke plant die Museumsleiterin. Da sieht und hört man, wie die Maschinen aussahen und brummten. Der große Raum hinter dem Panorama wird zur Schauwerkstatt. Axel Butterweck und andere Mitglieder des MSC Bad Homburg werden dort vor Publikum zeigen, wie man eine S35 restauriert.

Schon am vergangenen Wochenende öffnete im Erdgeschoss die Museumsgastronomie. „Take“ nennen Markus Meye und Simon Dekker die in Grüntönen gehaltene Imbissbar, die ein wenig an die amerikanischen Diner-Restaurants der 50er-Jahre erinnert.

Nebenan Eventgastronomie

Mit selbst produzierten Vollwert-Sandwiches, Wraps, Suppen, Süßspeisen, Säften und Obst wollen die jungen Gastronomen das Personal der umliegenden Firmenzentralen verpflegen. Mit den Angestellten der Deutschen Leasing und der künftigen Bürohäuser auf dem Aurelis-Gelände jenseits des Bahnhofs werden sie nach eigener Rechnung bis zu 5000 mögliche Kunden im jetzt noch ein wenig verlassenen Stadtviertel haben. Ein langer Anlauf bis zur Hochkonjunktur macht Meye und Dekker nichts aus.

Sie entstammen den alteingesessenen Familien Lautenschläger und Löw. Die bauen die Güterbahnhof-Halle nebenan gerade zur Eventgastronomie aus. Sie errichteten auch das Horexmuseum. Die Stadt hat es für fünf Jahre für 5999 Euro im Monat gemietet. Nach und nach will Ursula Grzechca-Mohr hier weitere Kapitel aus der reichen Industriegeschichte der Stadt erzählen.

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