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Hölderlin-Literaturpreis 2013 Der Tag ist gerettet

Ralf Rothmann und Arno Camenisch erhalten den Hölderlin-Literaturpreis 2013 der Stadt Bad Homburg. „Atmosphärische Dichte und sprachliche Genauigkeit“ bescheinigt die Jury Rothmann, Camenisch wird für seine „sprachartistischen Erzähltrilogie über Landschaft und Leute Graubündens“ ausgezeichnet.

15.02.2013 22:35
Martina Propson-Hauck
Ralf Rothman wird für seine Gedichte, Erzählungen und Romane ausgezeichnet. Foto: Michael Schick

Frohe Botschaften zu übermitteln, kann erfrischend sein. Es sei die schönste Aufgabe seiner Tätigkeit, sagt Jochen Hieber, der Vorsitzende der Jury, die zwei Anrufe zu tätigen, in denen er den Auserwählten mitteilen darf, dass sie diesmal Haupt- oder Förderpreisträger des Friedrich-Hölderlin-Literaturpreises der Stadt Bad Homburg sind.

„Es ist für mich eine ganz besondere Ehre, den mit dem Namen Hölderlins verbundenen Preis zu bekommen“, sagte diesmal Ralf Rothmann am anderen Ende der Leitung. „Der Tag ist gerettet, es geht munter ans Werk“, sprach Arno Camenisch. So druckreif und der Nachwelt überlieferbar reden Schriftsteller offenbar sogar gern am Telefon.

Rothmann, der im Mai 60 wird, erhält den mit 20.000 Euro dotierten Hauptpreis für seine bereits mehrfach ausgezeichneten Gedichte, Erzählungen und Romane. „Atmosphärische Dichte und sprachliche Genauigkeit“ bescheinigt ihm die Jury. Er schildere „stets luzide, nie aber rechthaberisch“ einen „prekären Alltag“.

Dabei orientiert er sich durchaus an seiner prekären Vita: Im Ruhrgebiet aufgewachsen, schlug er sich zunächst als Maurer, Koch, Drucker und Krankenpfleger durchs Leben, bevor er dem als bedrückend empfundenen Arbeitsleben schreibend entkam. Seit 1976 lebt er in Berlin.

Zu seinen bekanntesten Werken zählt der Roman „Stier“, zuletzt veröffentlichte er Erzählungen unter dem Titel „Shakespeares Hühner“. Bei ihm kommen die sogenannten „kleinen Leute“ zu Worte. Die Laudatio auf ihn wird die Schweizer Literaturkritikerin Beatrice von Matt halten. Sie war schon einmal zu Gast in Bad Homburg als Laudatorin von Friederike Mayröcker.

Den mit 7500 Euro dotierten Förderpreis erhält der Schweizer Arno Carmenisch. Der 35-Jährige ist in Graubünden aufgewachsen und schon die Aussprache seiner Romantitel stellt die des Rätoromanischen und Schwyzerdeutschen nicht ganz mächtige Zunge vor Herausforderungen: „Ustrinkata“ (in etwa: Austrinken) ist einer davon. Ihn zeichnet die Jury aus wegen seiner „sprachartistischen Erzähltrilogie über Landschaft und Leute Graubündens“. Er lebt heute in Biel. „Arno Camenisch ist ein Versprechen“, schreibt die Jury. Er sei auch ein glänzender Präsentator seiner Texte, sagt Hieber. Das wiederum ist ein Versprechen für die Besucher der Preisverleihung, die am Sonntag, 9. Juni, um 11 Uhr im Kurtheater stattfinden soll.

Hieber gab gestern bekannt, dass er sich aus der Jury zurückziehen will, 2014 wird er ihr noch ein letztes Mal vorstehen. „Ich habe sie 20 Jahre lang sehr gern geleitet“, sagte er. Beruflich will er künftig andere Schwerpunkte setzen. Schon 1983, bei der ersten Preisverleihung an Hermann Burger, war er als junger Redakteur der FAZ im Publikum dabei.

„Die Arbeit mit ihm war erfolgreich und fruchtbar“, würdigte Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne) seine Leistung. Man habe nun Zeit, sich um einen neuen Vorsitzenden zu kümmern. An der sonstigen Zusammensetzung der Jury wolle er festhalten.

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