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Hochtaunus Neuer Chef für den Müllkonzern

Heino von Winning soll die finanziell angeschlagene Rhein-Main-Deponie-Gesellschaft sanieren. Was aus den beiden bisherigen Geschäftsführern wird, ist offen.

Floersheim. RMD, Muellentsorgung. TAGESHONORAR
Die Rhein-Main-Deponie in Wicker. Foto: Renate Hoyer

Eigentlich hatte sich Heino von Winning schon auf den Ruhestand vorbereitet. In den vergangenen beiden Jahren war der 66- Jährige mit seiner eigenen Beratungsgesellschaft im arabischen Raum tätig. Allerdings „nur noch mit 60 bis 70 Prozent Zeitaufwand“, wie er selbst einräumt.

Ab sofort ist jedoch wieder voller Einsatz gefragt – denn von Winning soll die finanziell angeschlagene Rhein-Main-Deponie-Gesellschaft (RMD) sanieren. Der Aufsichtsrat des kommunalen Abfallkonzerns hat ihn in seiner Sitzung am Montag zum neuen Sprecher der Geschäftsführung bestellt.

Die bisherigen Geschäftsführer Markus Töpfer und Mathias Bausback bleiben zunächst im Amt. Allerdings machten die beiden Landräte Ulrich Krebs und Michael Cyriax (beide CDU) als Vertreter der beiden Gesellschafter Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreis deutlich, dass sie mit deren Arbeit alles andere als zufrieden sind. Von „Blockaden innerhalb des Unternehmens und der Geschäftsführung“ sprach Hochtaunus-Landrat Krebs. Und sein Pendant Cyriax betonte: „Wir brauchen Vertrauen zur Geschäftsführung.“ Die war offenkundig nicht mehr gegeben.

Heino von Winning wird weisungsbefugt gegenüber seinen Mit-Geschäftsführern sein. Sein Vertrag läuft bis Ende 2019. Er habe aber den Ehrgeiz, die Sanierung der RMD-Gruppe früher abzuschließen, betonte er gestern in einem Pressegespräch. „Spätestens in einem Jahr soll der Dampfer wieder laufen.“ Der 66-Jährige sieht sich selbst nur als Übergangslösung. Wenn die Sanierung geschafft sei, „werde ich nicht mehr gebraucht“, sagte er. Anschließend werde es nur noch einen einzigen Geschäftsführer geben, kündigte Ulrich Krebs an.

Im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass die RMD-Gruppe in massiven finanziellen Schwierigkeiten steckt. Damit sie ihre Aufgaben erfüllen kann – in erster Linie Nachsorge und Bewirtschaftung der Mülldeponien in Flörsheim-Wicker und Brandholz bei Usingen – braucht sie mehr als 100 Millionen Euro. 75 Millionen Euro soll sie in den kommenden zehn Jahren selbst erwirtschaften. Den Rest müssen die beiden Landkreise als Gesellschafter zuschießen. Zu allem Überfluss ermittelt die Staatsanwaltschaft derzeit auch noch wegen des Verdachts, das Unternehmen habe in Wicker Schlacke ohne Genehmigung verfüllt.

Die Unternehmensgruppe brauche dringend einen Neuanfang forderten die Landräte Krebs und Cyriax. Es gehe darum die „Unternehmenspotenziale zu heben“, kündigte Heino von Winning an. Im Sanierungsgutachten der Beratungsfirma Ebner Stolz seien dazu zahlreiche Maßnahmen aufgelistet. Darüber werde er nun zunächst einmal mit den Mitarbeitern sprechen, kündigte der neue Geschäftsführer an.

Was die Sanierung für die Beschäftigten bedeutet, ist noch nicht ganz klar. Im März war noch die Rede davon, dass 40 Prozent der Stellen gestrichen werden müssten. Von Winning hingegen erklärte nun, er sehe „keinen größeren Bedarf“ für Entlassungen. Und Ulrich Krebs geht davon aus, dass ein möglicher Stellenabbau „durch natürliche Fluktuation“ möglich ist.

Krebs berichtete, er habe Heino von Winning persönlich angesprochen, ob er die Aufgabe übernehmen wolle. „In einer solchen Situation ist es nicht einfach, einen Interims-Geschäftsführer zu finden.“ Geholfen hat dabei die Tatsache, dass von Winning CDU-Mitglied ist und sich ehrenamtlich als Stadtverordneter in Steinbach engagiert. Entscheidend sei aber die „berufliche Expertise“ gewesen, betonte Krebs. Der studierte Physiker von Winning war 35 Jahre lang in verschiedenen Unternehmen im Anlagenbau tätig, davon 25 Jahre als Geschäftsführer. Er selbst verstehe sich in erster Linie als Projektmanager, erklärte er.

Entscheidend sei es, in den kommenden Wochen die Sanierung voranzubringen, sagte Michael Cyriax. Allerdings sei auch zu klären, wer „an dem Desaster die Schuld trägt“. Das Sanierungsgutachten zeige, dass dafür nicht nur aktuelle äußere Umstände, sondern auch Fehler der Vergangenheit verantwortlich seien. Auch die Revisionen beider Landkreise haben sich mit dem Thema beschäftigt. Deren Berichte sollen demnächst in den politischen Gremien diskutiert werden.

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