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Hochtaunus Militär hilft dem Dalai Lama

Das Kreisverbindungskommando ist Schnittstelle zwischen dem Landratsamt in Bad Homburg und der Bundeswehr. Krisensituationen werden geübt

Bundeswehr in Hessen
Im „Lagezentrum“ des Landratsamtes: Onno Onneken (li.) und Friedhelm Weicker vom Kreisverbindungskommando. Foto: Renate Hoyer

Ein Dutzend Arbeitsplätze, hufeisenförmig angeordnet, identisch ausgestattet. Die Karte des Landkreises an der Wand, ein Projektor in Deckenhöhe, der Drucker in Griffweite. Es ist still in diesem hochgelegenen Raum des Landratsamtes, der sich „Lagezentrum“ nennt, menschenleer. Sollte er belebt sein, wird es ernst.

„Außer zu Übungseinheiten sind wir hier nur, wenn eine Krisen- oder Katastrophensituation eingetreten ist“, sagt Friedhelm Weicker, Oberstleutnant der Bundeswehr-Reserve und amtierender Leiter des Kreisverbindungskommandos (KVK). Gefragt ist dann eine zivil-militärische Zusammenarbeit, bei der das KVK als Schnittstelle zur aktiven Truppe fungiert.

Unter der Regie von Kreisbrandinspektor Carsten Lauer kommen an diesem Ort die Hochtaunus-Vertreter von Katastrophenschutz, Technischem Hilfswerk, Polizei und Sanitäter zusammen. Organisiert sei der Stab, so Weicker, wie eine Unternehmensverwaltung, es gebe Fachleute für Versorgung, Sicherheit, EDV und weitere Belange. „Wenn die Rechner hochgefahren sind, ist das Team arbeitsfähig.“

Seit über einem Jahrzehnt bestehen in Deutschland jene Verbindungskommandos, die sich aus ehrenamtlich arbeitenden Reservisten der Bundeswehr zusammensetzen und zu deren zwölfköpfiger Gruppe auch zwei Mediziner gehören. Was im ruhigen Alltag überdimensioniert erscheinen mag, muss im besonderen Fall „schichtfähig“ sein. Noch gebe es kein Nachwuchsproblem, heißt es. Dass bisher nur Feldwebel und höhere Ränge aufgenommen würden, sei jedoch nicht mehr zeitgemäß. 

„Schichtfähigkeit“ war im Oktober 2015 vonnöten, als die „Flüchtlingskrise“ auch den Taunusbezirk erreichte. Vier Monate, in denen Pioniere aus Niedersachsen heranbeordert wurden, in denen Oberurseler und Bad Homburger Turnhallen im Eiltempo einzurichten waren. Weicker: „Den Homburger Standort haben wir komplett alleine versorgt.“ Zwecks Koordination und Unterstützung der zivilen Stellen hielten die KVK-Ehrenamtlichen ihr Kreishaus-Büro rund um die Uhr besetzt, arrangierten sich mit ihren Arbeitgebern. Dass es ein Leben neben dem Kommando-Engagement gibt, darf nicht vergessen werden. Friedhelm Weicker ist als selbstständiger Berater unterwegs, sein Stellvertreter und langjähriger Vorgänger Onno Onneken organisiert Projekte in einer Bankzentrale. 

Beide sind seit dem Aufbau der hessischen KVK-Struktur dabei, haben während weniger „aktiver Bundeswehr-Jahre“ ihre ersten Ausbildungsstufen absolviert, um als Reservisten bis zum Rang des Oberstleutnants aufzusteigen. Flugabwehr-Mann der eine, Angehöriger einer Jägerdivision der zweite. Ganz im Dienste des Landeskommandos Hessen und des eigenen Kreises – den sehr gut zu kennen unabdingbare Voraussetzung ist – gilt der Wahlspruch: „Eine Behörde unterstützt die andere.“ Dass die Kooperation im Fachbereich 70 von Vertrauen und Geradlinigkeit geprägt sei, habe seinen Grund. Onno Onneken: „Wir stehen in ständigem Austausch, arbeiten zielgerichtet und sind im Landratsamt willkommen.“ Eine komfortable Ausgangslage: Vielerorts habe das Verhältnis zwischen Kommando und jeweiliger Kreisverwaltung arg gelitten.

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