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Hochtaunus Hilfe für junge Eltern

Ein neues Hebammen-Projekt unterstützt im Hochtaunuskreis junge Eltern bei Problemen im Alltag. Das Angebot geht über die übliche Nachsorge hinaus.

Familienhebammen, Landratsamt Hochtaunuskreis
Hebammen mit Storch: (v. links) Alexandra Feige, Verena Zimmer und Kerstin Nestler. Foto: Michael Schick

Die Geburt eines Kindes kann für große Freude sorgen, manche Eltern aber auch aus dem Gleichgewicht bringen. Im Gegensatz zu früheren Zeiten fehlen dann oft Großeltern oder andere Bezugspersonen, die unterstützend eingreifen könnten. Ein Phänomen, das laut dem Leiter des Kreis-Jugendamtes, Heinz Rahn, in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Deshalb sind im Hochtaunuskreis nun drei Familienhebammen im Einsatz.

Manche der frisch gebackenen Eltern hätten zuvor noch nie ein Baby im Arm gehabt, schildert Verena Nestler, eine der Hebammen. Oft seien aber auch die Erwartungen zu hoch, ergänzt ihre Kollegin Alexandra Feige. „Das Kind ist für viele Eltern heute das wichtigste Projekt ihres Lebens.“ Und wenn dann etwas nicht so klappe, wie es in den Lehrbüchern steht, werde das gleich als Katastrophe erlebt. Das Internet sei dann in der Regel auch keine große Hilfe. „Dr. Google“ verwirre oft mehr als dass er eine Lösung biete, sagt Heinz Rahn.

Bei dem neuen Angebot gehe es nicht um die übliche Nachsorge und Wochenendbetreuung nach einer Schwangerschaft, betont die dritte Familienhebamme, Verena Zimmer. Es richte sich an Eltern, die auch danach noch Hilfe brauchen. Dabei könne es um ganz banale Dinge gehen wie einen Säugling gemeinsam zu baden oder einen Babysitter zu organisieren.

„Wir wollen verhindern, dass kurzzeitige Probleme sich verfestigen“, sagt Kristina Preisendörfer, Koordinatorin der Beratungsstelle „Frühe Hilfen“ im Landratsamt, die das Hebammen-Projekt initiiert hat. Der Hochtaunuskreis finanziert 1,5 Stellen als freiwillige Leistung, angestellt sind die Familienhebammen allerdings beim Jugendhilfeträger EVIM.

Zusätzlich arbeiteten alle drei Frauen aber auch noch freiberuflich als „normale“ Hebammen, erläutert Verena Zimmer. Das habe den Vorteil, dass ihnen durch ihre Arbeit schon einige Familien bekannt seien und sie deren Unterstützungsbedarf einschätzen könnten. „Wir können sie dann auf das Angebot der Familienhebammen hinweisen.“

Alle drei Hebammen haben eine Zusatzqualifikation für psychosoziale Beratung. So sind sie in der Lage, die Gesamtsituation der Familie zu beleuchten und bei Bedarf zusammen mit der Fachstelle „Frühe Hilfen“ weitere Unterstützungsmöglichkeiten anzubieten. Eine große Hilfe seien zudem die Elterntreffs, die es in verschiedenen Kommunen im Hochtaunuskreis gibt, sagt Verena Zimmer. Sie böten Müttern und Vätern, die Möglichkeit, mal „aus dem eigenen kleinen Chaos herauszukommen“. Durch den Austausch mit anderen Eltern stelle man zudem häufig fest, dass andere ähnliche Probleme und Sorgen hätten wie man selbst.

Eine besondere Zielgruppe für die Familienhebammen seien junge Flüchtlinge, die in Deutschland Eltern werden, sagt Heinz Rahn. Sie brauchten oftmals zusätzliche Orientierungshilfe für vieles, was im Umgang mit Kindern hierzulande üblich sei, ob es um Beratung in Gesundheitsfragen gehe oder die hygienische Versorgung.

„Wir wollen Familien von Beginn an wertschätzend und wohlwollend begleiten“, begründet die Kreisbeigeordnete Katrin Hechler (SPD) das neue Angebot. Es richtet sich an Eltern, die Nachwuchs erwarten oder ein Kind bis zum Alter von einem Jahr haben. Für die Eltern ist der Einsatz der Hebammen kostenlos; außerdem sagt Hechler Anonymität zu.

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