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Hochtaunus Die dritte Fremdsprache fällt flach

Elternvertreter im Hochtaunuskreis appellieren an die hessische Landesregierung, Lehrerkürzungen in der Oberstufe zurückzunehmen.

Das Konzept für einen MINT -Schwerpunkt (mathematisch-naturwissenschaftliche Fächer) an der Oberstufe des Gymnasiums Oberursel liegt bereits in der Schublade. Dort wird es jetzt bleiben. Ein Ausschuss, der die Unterrichtsqualität in der Oberstufe sichern soll, fällt auch flach.

Am Homburger Kaiserin-Friedrich-Gymnasium soll die dritte Fremdsprache gestrichen werden, geplante AGs finden nicht statt, der Latein Grundkurs muss zusammen mit dem Leistungskurs unterrichtet werden. Kurse außerhalb des Mainstreams werden kaum noch möglich sein, oder Schüler müssen Wege und Zeitaufwand zu Kursen an anderen Schulen auf sich nehmen, das gilt für alle Gymnasien.

An der Philipp-Reis-Schule in Friedrichsdorf werden in der Oberstufe Fächer jahrgangsübergreifend unterrichtet, so wie früher an der Dorfschule. Es betrifft unter anderem Französisch, Latein, Informatik. In der 13. Klasse gibt es Kurse mit 28 Schülern in Chemie, 27 in Mathe. An der Altkönigschule in Kronberg müssen sich 31 Englisch-Leistungskursler einen Lehrer teilen. Die Beispielliste ist lange nicht vollständig.

Nun schlagen die Eltern Alarm, sie fürchten um die Vielfalt und Qualität der Kursangebote, um das Niveau des hessischen Abiturs, das sich nach langen Jahren am unteren Ende des Rankings nach oben gearbeitet habe. Die Elternvertreter von neun Gymnasien und Gesamtschulen im Kreis, die gestern zu einer Pressekonferenz geladen hatten, sorgen sich um die Benachteiligung ihrer Kinder bei der Studienplatzvergabe. Unter schlechten Bildungsvoraussetzungen leide das Niveau, klagen die Hochtaunus-Elternbeiräte, die gestern von Landeselternbeirätin Ingrid Häussler und Elternvertretern aus Frankfurt unterstützt wurden.

Dort äußern die Eltern schon länger lautstark ihren Unmut über die schleichenden Kürzungen. Die Inhalte ihres Protestes sind aber dieselben. 2010 habe die schwarz-grüne Landesregierung Lehrerkontingente versprochen, mit denen die Schulen besondere Schwerpunkte fördern sollten. Dreimal sei nun bereits wieder gekürzt worden, so mussten zum Beispiel die Schulen, die zu G9 zurückkehrten, mit einer G8-Zuweisung an Lehrern auskommen. Für die kommenden Jahre sind weitere Kürzungen beschlossen. Das sei keine verlässliche Politik, kritisieren die Eltern.

In mehreren Schreiben richteten sie sich an Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Zur Begründung der „Umlenkung von Stellenkontingenten“ nennt der Minister in seiner Antwort zu setzende „Prioritäten“ wie die Ausweitung des Ganztagsangebots und die Förderung des inklusiven Unterrichts. Rein rechnerisch, so das Ministerium, ändere sich die Schüler-Lehrer-Relation nur gering.

Aber mit großen Auswirkungen, wie die Eltern vorrechnen. Beispiel Gymnasium Oberursel: Dort hat das Land die Schule mit 105 Prozent Lehrerversorgung ausgestattet. Mit den fünf Prozent zusätzlich sollten besondere Schwerpunkte gebildet werden, unter anderem im bilingualen Unterricht. Nach bisherigen Berechnungen verliert das GO 46 Lehrerstunden, das sind 1,75 Lehrerstellen. Bezogen auf die Profilbildung beträgt die Kürzung jedoch fast 50 Prozent.

Vom Ministerium werde „vereinzelt und kleingeredet“, kritisieren die Elternbeiräte. Das heißt, man stelle einzelnen Schulen Sonderlösungen in Aussicht und behaupte, betroffen seien ja nur wenige Schulen. Aber das stimmte nicht, wie die große Solidarität der Schulen des Kreises mit Frankfurt und Umgebung zeige. In ganz Hessen formiere sich der Protest. Es eilt, in gut vier Wochen müssen die Schulen ihre Kurse für das kommende Jahr fertig geplant haben.

Die Elternbeiräte des Kreises wollen sich nicht gegen die Ausweitung der Ganztagsangebote und die Förderung der Inklusion an den Schulen ausspielen lassen, doch diese Angebote dürften nicht auf Kosten der Gymnasien gehen. Die Eltern werfen der Landesregierung Wortbruch vor. Sie habe ihre Versprechen von 2010 „schleichend gebrochen“.

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