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Hessenpark Museumsdesign Menschen statt Balken

Zwei Dutzend Studenten der Hochschule für Gestaltung in Offenbach haben sich während des Sommers 2012 mit dem Hessenpark-Design beschäftigt. Nun wird das neue Design vorgestellt.

Der Sieger lacht: Nicolas Ritter mit ersten Entwürfen. Foto: M. Schick

Im Programmheft zur neuen Saison tummeln sie sich schon, die Bauersfrauen und Hochzeiter, die Ferkelchen und Schäflein. Allesamt gesichtslos, aufs Wesentliche beschränkt, mit schwarzem Strich auf bunten Hintergrund gebannt. Sie werden sich ungehemmt ausbreiten, als Werbebotschafter für das hessische Freilichtmuseum in die Welt ziehen: eine vielköpfige Truppe grafisch markanter Figuren, die Hauptträger des neuen Hessenpark-Designs sind.

Eine Sonderausstellung gibt Auskunft, mit was sich zwei Dutzend Studenten der Hochschule für Gestaltung in Offenbach während des Sommers 2012 beschäftigt haben. Unter dem Titel „Der Hessenpark lebt!“ finden sich im wiedereröffneten Haus aus Münchhausen die Ergebnisse eines Gestaltungswettbewerbs, der die Netzwerkarbeit des Museums vorantreibt. „Es ist schön, dass wir die Offenbacher Kreativen jetzt auch im Boot haben“, sagt Hessenpark-Direktor Jens Scheller, der dem im Wandel befindlichen Park eine frische Außendarstellung mit auf die Reise geben möchte. Das alte Logo habe die veränderte Hessenpark-Welt nicht mehr wiedergegeben.

Derzeit ist auf der Internetseite noch zu sehen, was bald ausgetauscht wird: ein länglicher Schriftzug, dominiert von einem übermächtigen „H“ sowie dem Gründungsjahr 1974. Heutige Kommunikationsdesigner können da nur lachen – die Moderne präsentiert sich anders. Zum Beispiel als überdimensionierter Holzkasten-Hase oder grasgrüner Apfel im Mauerwerks-Look. Auch mit geschwungenem Strich gestaltete Bembel und Fachwerkwürfel sind erlaubt. Insgesamt 22 Entwürfe sind in dem ehemaligen Betsaal ausgestellt – eine Bandbreite, die von klarer Grafik bis zu Verspieltheiten reicht.

Als Sieger des Wettbewerbs konnte sich Nicolas Ritter durchsetzen. Seinen Piktogrammen gehört die Zukunft. Über fünfzig Figuren hat er geschaffen – kein Anlass ohne entsprechendes Symbol. Forstgeschichtliche Exkursionen werden von einer stolzen Jägergestalt begleitet, Kinderprojekte vom Schulbub in kurzen Hosen. Dass hier Menschen und Tiere in den Fokus geraten, findet bei Jens Scheller große Zustimmung. „Viele Freilichtmuseen werben mit Fachwerkmotiven – unser visuelles Erscheinungsbild sollte etwas Neues sein.“

Ein „architektonisch starres Logo“ kam für den jungen Meister nicht infrage. Lebendig musste es sein und doch wiedererkennbar. „Menschen statt Balken.“ Um die spielerische Vermittlung hinzukriegen, so Ritter, müsse man halt um die Ecke denken. Was seine ländlichen, oft in Tracht daherkommenden Personen auszeichnen, sind einfache Klarheit und gewitzte Ausstrahlung. Fünf Monate habe er bis zur fertigen Mappe gebraucht, weitere Figuren seien im Entstehen.

„Keiner der Teilnehmer hat es sich einfach gemacht“, so Klaus Hesse, Professor an der Offenbacher Hochschule. Der Siegerentwurf biete eine Dynamik, die nie altern könne. Eine Dynamik, die sich künftig auch auf Briefbögen, Werbeflyern und Papiertüten des Hessenparks wiederfinden wird.

Mit dem Ausstellungsbeginn wurde zugleich das Haus aus Driedorf-Münchhausen in der Baugruppe Mittelhessen wiedereröffnet. Das unweit der Kasse gelegene Anwesen wurde um 1720 erbaut und diente als Schul- und Bethaus. Das 1980 am Originalstandort abgeschlagene Gebäude war zuletzt fast acht Jahre nicht zugänglich. Endgültig saniert und in voller Pracht seiner Barockverzierungen soll es künftig ein Ort für Sonderausstellungen sein. Das dörfliche Schulhaus wird damit Haus Heck ablösen, in dem der Ausstellungsbetrieb nach dieser Saison zu Ende geht. „Dort“, so Jens Scheller, „wird wieder original eingerichtet“.

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