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Hessenpark Häuser im Dornröschenschlaf

Über 100 historische Gebäude lagern zum Teil seit Jahrzehnten im Hessenpark und warten auf ihre Wiederauferstehung. Doch nur wenige können wiederaufgebaut werden.

Historisches Fachwerk – Wiederaufbau unbestimmt. Foto: Rolf Oeser

Die Mühle aus Groß-Umstadt, das 1664 errichtete Wohnhaus aus Melbach, die Pfarrscheune aus Anspach – Gebäude, die seit Jahrzehnten im Hessenpark lagern und auf ihre Wiederauferstehung warten. Ob sie jemals in restaurierter Pracht der Öffentlichkeit präsentiert werden, ist ungewiss. Ein umfassendes Aufbaukonzept habe es nie gegeben, sagt Museumsleiter Jens Scheller, der das Thema „bei aller Brisanz“ jetzt aber anpacken will.

Wer durch die verschiedenen Baugruppen wandert, stößt fast überall auf die überdachten und nummerierten Balkenstapel. Insgesamt 114 „schlafende Gebäude“: Wohnhäuser, landwirtschaftliche Funktionsbauten, Werkstätten. Ordentlich aufgeschichtete Eichenhölzer in unterschiedlichen Erhaltungszuständen. Die zumeist denkmalgeschützten Fachwerke wurden in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts an den Originalstandorten abgeschlagen und in den Taunus transportiert. Eine Zeit, in der im ländlichen Raum mehr kulturelle Substanz vernichtet wurde als in den Jahren des Zweiten Weltkriegs. „Da war der Hessenpark ein willkommenes Auffangbecken und hat die Probleme von Denkmalschützern und Hausbesitzern gelöst.“ Oft fehlte die Zeit, um eine ordnungsgemäße Dokumentation der Bauten zu gewährleisten.

Heute mangelt es an Geld, um die Gebäude im großen Stil wiederaufzubauen. Von den etwa 100 stehenden Bauwerken müssen noch 40 saniert werden. „Das bindet Mittel und hat absolute Priorität“, sagt Scheller. Mehr als ein Aufbau pro Jahr ist deshalb nicht drin. Im Schnitt benötige man für jedes neu aufzuschlagende Gebäude eine halbe Million Euro – die Frage nach der Einrichtung sei dabei noch gar nicht berührt. „Wir wollen den Häusern ihre Geschichte wiedergeben.“ 2012 werden die Kohlgrunder Kirche und die Synagoge aus Groß-Umstadt wiedereröffnet – beide standen lange Jahre im Rohbau. Im September kommt eines der früher typischen Altenteiler-Häuser dazu. Geplant ist für das laufende Jahr auch der erste Spatenstich an der Gastwirtschaft aus Remsfeld, die unter dem Namen „Martinsklause“ den nordhessischen Bereich prägen soll.

Gerade innerhalb der Baugruppe Nordhessen ist das Thema „schlafende Häuser“ virulent: „Hier müssen in den kommenden Jahren zwölf Stapel verlagert werden.“ Es wird Platz für Aus- und Umbauten gebraucht. Wissenschaftler und Handwerker des Freilichtmuseums nutzen die Gelegenheit, um die mächtigen Holzpakete „auszulegen“ und drei entscheidende Fragen zu stellen: Wie wertvoll war das Bauwerk ursprünglich? Welche museale Bedeutung hat es heute? In welchem Zustand befindet sich das Material? Einige Gebäude – das lässt sich schon heute konstatieren – werden die Prüfung nicht bestehen und „entsammelt“.

Das weitere Vorgehen ist reglementiert: Was aussortiert wird, kann anderen Museen oder der Herkunftskommune angeboten werden. Findet sich kein Abnehmer, droht die Vernichtung. Ein Verkauf an Dritte sei ausgeschlossen, sagt Jens Scheller. Drei der im Bereich Nordhessen ruhenden Stapel sind bereits geprüft und verlagert – „alle in gutem Zustand und bestens dokumentiert“. Eine Aufgabe, die nur mit größter Sorgfalt zu bewältigen sei. Der neue Aufbewahrungsort befindet sich am nördlichen Rand des 65 Hektar großen Geländes.

Noch immer, so der Direktor, gebe es Anbieter historischer Bauten – „bis auf wenige Ausnahmen wie das Imkerhaus aus Mammolshain nehmen wir aber nichts mehr an“. Auf Seltenheiten aus dem liegenden Fundus soll in Zukunft jedoch nicht verzichtet werden.

Hoffnung also für Flachsdarre, Tabakscheune und Feuerwehrgerätehaus. Vielleicht auch für das im Jahre 1978 in Usingen-Eschbach abgebaute Wohnstallhaus?

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