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Heilige Ursula Ein Brunnen gegen die Leere

Seit 50 Jahren schmückt die heilige Ursula als Schutzpatronin den Marktplatz.

15.11.2012 12:07
Jürgen Streicher
Die Schutzpatronin wacht über den Marktplatz. Foto: Martin Weis

Der Brunnen sollte sich in das „Wesen des Marktplatzes einfügen“, er sollte sich „einpassen, ohne eine alten Stil einfach zu kopieren.“ Diesen Anspruch hatte der Bildhauer Harold Winter für sich formuliert, als er den Auftrag bekam, einen Brunnen für den historischen Platz in der Altstadt zu entwerfen. Nicht zu groß, nicht anmaßend, eher leicht, eher sparsam. So wie er noch heute da steht, am Rand des Platzes an der Weidengasse, 50 Jahre nach seiner Inbetriebnahme am 17. November 1962.

Künstler, Bürgermeister und der Marktbrunnen-Ausschuss im Bürger- und Verkehrsverein waren einhellig der Meinung, dass der untere Teil des abschüssigen Marktplatzes der richtige „Brenn- und Blickpunkt“ für den Brunnen sei, da dieser eine „gewisse Leere“ aufweise. Dafür sollte sich die Front der Figur der größeren Seite mit dem Alten Rathaus zuwenden. Und der damalige Bürgermeister Heinrich Beil (CDU) definierte den Marktplatz mit seinen angrenzenden Fachwerkbauten als „Mittelpunkt, der geeignet ist, zu den seelisch-geistigen Störungen der Moderne ein Gegengewicht zu bilden“, das durch den Brunnen noch erhöht werde.

Die Beschneidung der Parkmöglichkeiten auf dem Platz durch den Brunnen war auch vor 50 Jahren schon strittiges Thema, aber nicht der Grund, ihn im Gegensatz zu den Gepflogenheiten der Zeit an seinen Rand zu stellen. Die Bauten dort haben Harold Winter das Maß für den Brunnen mit Vieleck als Basis und seiner Wiederholung im Brunnenstock vorgegeben.

„Heraldisches Zeichen“

Der Oberurseler Künstler, ein Sohn des Kunstmalers Heinrich Winter aus der Kronberger Malerkolonie, war bereits 75 Jahre alt, als der Marktplatzbrunnen endlich fertig wurde. Einen ersten Brunnenwettbewerb hatte er schon vor dem Zweiten Weltkrieg gewonnen. Es bestand die Absicht, den alten „Fuchsbrunnen“ mit eisernem Stock und Schalen aus dem gleichen Material zu ersetzen. Einen künstlerischen Wert hatte er nicht, die Quelle, die ihn einst speiste, war versiegt, er musste bereits aus der städtischen Wasserleitung gespeist werden. Der Krieg verhinderte das Projekt.

Harold Winters erster Entwurf setzte sich auch 1959 beim zweiten Anlauf durch, andere Pläne, bei einer Ausstellung des Künstlerbunds vorgestellt, wurden verworfen. Weil die Bürgerschaft, Betriebe und Vereine das meiste Geld gaben, sollten sie sich mit dem geplanten Brunnen vertraut machen. Ein maßstabsgetreues Holz- und Pappmodell wurde beim Heimattag 1961 aufgebaut, verbunden damit war die Absicht, Spenden zu bekommen. Die Bauleitung und die künstlerische Betreuung des Projekts übernahm der Grafiker und Bildhauer Paul Dick, der frühere Vorsitzende des Bürger- und Verkehrsvereins.

Als St.-Ursula-Brunnen wird das Wasser-Stein-Werk im Oberurseler Brunnenführer an erster Stelle geführt, die Schutzpatronin der Stadt ziert als Bronzegussfigur den höchsten Punkt des steinernen Pfeilers in der Mitte, in ihren Händen hält sie drei Pfeile und das Mainzer Rad. Harold Winter hat sie ein „heraldisches Zeichen“ genannt.

An den 1969 verstorbenen Bildhauer erinnert außerdem ein Sandsteinrelief am Ratskeller im Hof des Vortaunusmuseums und das „Ehrenmal für den ermordeten Wachtmeister Homm“ auf dem Alten Friedhof in Bommersheim. Harold Winter und seinem Bruder Rolf ist die Brüder-Winter-Straße am Maasgrund gewidmet.

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