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Gesamtschule am Gluckenstein Mit Mundschutz in die GaG

Eine Schule macht mobil: Mit medienwirksamen Protestaktionen wollen Schüler, Lehrer und Eltern den Landrat zur Sofort-Sanierung der Schule bewegen.

08.03.2012 22:39
Martina Propson-Hauck
Landrats-Wahlplakate – neu interpretiert. Foto: privat

Wir haben Angst um unsere Gesundheit“, steht auf Plakaten zu lesen. Jungen und Mädchen halten sie vor die Kameras der Fotografen. „Außen Champagnerluft, innen Schimmelduft“ steht auf einem anderen. Mit Mundschutz und Ganzkörper-Schutzoveralls ausgerüstet, protestieren Schüler und Lehrer der neunten und zehnten Realschulklassen auf dem Schulhof der Gesamtschule am Gluckenstein. Presse gestern, Radio heute. Eine Schule macht mobil.

Es geht um einen aktuellen Wasserschaden, der bereits provisorisch behoben ist. Aber auch um eine seit Jahren überfällige Sanierung und immer neue Vertröstungen. Und um das dumpfe Gefühl, dass eine Gesamtschule wie die GaG einfach keine Lobby hat.

Vor drei Wochen ist durch das marode Dach Wasser in Klassenräume und Gänge geströmt. Noch immer stehen Pfützen auf dem Dach. Die Lüftungsanlage pfeift dort vollkommen verrostet vor sich hin. Sechs Klassenräume mussten gesperrt, der Strom wegen der metallenen Trennwände abgestellt werden. 280 Liter Wasser wurden in Eimern aus dem Schulbau geschafft. Jetzt läuft bei der Schulgemeinde das Fass über.

Handwerker sprechen von "Deckenkatastrophe"

Der Hochtaunuskreis schickte zwar umgehend Handwerker, die flickten. Doch ein Ingenieur sprach laut Schulleitung von einer „Deckenkatastrophe“. Alles ist wieder verkleidet, aber beim Blick zur Decke offenbaren sich auch dem Laien fast überall Rost, undefinierbar schmierig, schwarze Stellen, die wohl nicht von Staub herrühren, sowie schwarze Partikel, die aus der Lüftungsanlage kommen. Im sogenannten „Karriereraum“ werden sie von Gazeschleiern unter der Decke aufgefangen. Wenn man sie in die Hand nimmt, zerbröseln sie zu feinem Staub. Ist es Hysterie, wenn Eltern fürchten, dass ihre Kinder das einatmen könnten? Wohl kaum. Einige Eltern haben ihre Kinder bereits vom Unterricht ferngehalten. Schulleitung und Lehrer konnten sie davon überzeugen, dass das nicht die Lösung ist.

„Die streichen hier ständig den Eingang, damit es schön aussieht, aber durch das Dach regnet es rein und die Lüftung ist kaputt“, sagt eine der protestierenden Schülerinnen. Unterschriften hat sie gesammelt, als Unterricht nicht möglich war. Noch immer sind vier Räume gesperrt.

Alle Schüler und Lehrer haben den Brief an Landrat Ulrich Krebs (CDU) unterschrieben. Auch die Elternbeiräte haben in mehreren Schreiben auf die Missstände hingewiesen. Am vergangenen Freitag wollte sich Krebs mit ihnen treffen. Viele Eltern nahmen sich dafür frei. Als sie im Landratsamt ankamen, erfuhren sie, dass der Landrat krank sei. Nun setzen sie auf den kommenden Freitag. „Wenn er dann wieder nicht da ist, garantiere ich für nichts“, sagt Elternbeirätin Sabine Kraus und ballt die Faust.

Menschenkette geplant

Die Stimmung ist aufgeheizt, die Proteste von Eltern, Schülern und Lehrern werden immer massiver. Am Montag wird eine Menschenkette aus Eltern allen Schülern und Lehrern symbolisch den Eintritt in die Schule verwehren, um 19.30 Uhr ist eine öffentliche Elternversammlung in der Mensa angesetzt, zu der auch Politiker eingeladen sind.

Die öffentlichkeitswirksame Offensive erscheint mittlerweile allen in der Schule als einzige Möglichkeit, denn sie stehen mit dem Rücken zur Wand. 670 Kinder besuchen die einzige Gesamtschule der Kurstadt. Gerade ist die Anmeldefrist für die neuen Fünftklässler abgelaufen. Es sind gerade noch 18 wackere Eltern, die ihre Kinder an der GaG angemeldet haben. „Sonst haben wir zu diesem Zeitpunkt immer um die 50 Anmeldungen, bis zum Sommer werden daraus dann 80, aus denen wir vier Klassen machen“, erläutert Schulleiterin Roswitha Mühl-Kühner. Mit jetzt vielleicht nicht mal mehr zwei Klassen sei das Aus für die Gesamtschule besiegelt.

25 Millionen Euro soll die Sanierung kosten, vier Millionen wären für das Nötigste fällig, 600000 Euro kostet die Reparatur des Daches, die der Kreis in Auftrag geben will. Hinausgeworfenes Geld, meint die Schulgemeinde, denn man müsse doch ohnehin alles sanieren. Doch für eine Sanierung vor 2015 sei kein Geld da, sagt der Landrat.

Die Schule ist 42 Jahre alt. „Vor zehn Jahren war schon mal das Geld für die Sanierung bewilligt, Pläne waren fertig“, erinnert sich eine Lehrerin. „Das Gebäude ist jetzt so verrottet und marode, dass wir uns nicht mehr sicher fühlen“, sagt die Schulleiterin. In der Dämmung hinter allen Wänden und Decken sei seit Jahren Wasser versickert. Schimmel könne dort blühen und gedeihen. Den Messungen des Kreises, wo angeblich alles in Ordnung war, traut man hier nicht mehr. Was die Pädagogen ganz besonders deprimiert: Seit Jahren bemühen sie sich mit guter Arbeit um den guten Ruf der Schule. „Wir lassen uns unser pädagogisches Konzept durch das Gebäude nicht kaputtmachen“, sagt Mühl-Kühner.

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