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Gedenktafel Rehabilitierung der Homburger Hexen verschoben

Schriftstellerin, Pfarrer und Politiker setzen sich für eine Gedenktafel und eine symbolische Geste per Resolution ein

07.12.2011 22:39
Martina Propson-Hauck

Der Kulturausschuss wollte in der vergangenen Woche eigentlich über ein historisches Thema aktuell befinden: Die Rehabilitierung von Menschen, die in Homburg zu Unrecht der Hexerei beschuldigt und zum Tode verurteilt wurden. Eine Resolution des Stadtparlaments und eine Gedenktafel sollten deutlich machen, dass man sich in der Kurstadt des 21. Jahrhunderts deutlich von der Verurteilung und Verbrennung von Menschen wegen Hexerei distanziert. Keine große Sache sollte man meinen und eigentlich selbstverständlich.

Zumal die Stadt Hofheim Ähnliches vor einem Jahr bereits vorgemacht hat: Dort wurden per Parlamentsbeschluss am 3. November 2010 rückwirkend all jene Männer und Frauen rehabilitiert, die in vergangenen Jahrhunderten wegen Hexerei verurteilt worden waren. Auch in Idstein, Eschwege, Rüthen und Hallenberg (beide NRW) sind solche Aktionen bereits gelaufen, in Köln, Düsseldorf und Aachen noch in Vorbereitung.

75 Menschen verurteilt

In Bad Homburg jedenfalls wurde die Vorlage jetzt im Magistrat „zur Überarbeitung“ zurückgezogen, wie Stadtpressesprecher Andreas Möring auf Anfrage mitteilte. Im Januar soll das Thema jetzt erneut auf die Agenda.

Der Fachbereich Kultur und Bildung sollte die Gestaltung einer Gedenktafel entwerfen und einen angemessenen Standort dafür vorschlagen. „Der Platzenberg wäre zwar geeignet, aber mitten im Feld sieht ja niemand eine Gedenktafel“, gibt Dagmar Scherf zu bedenken.

Die in Seulberg lebende Autorin und Homburger „Hexenforscherin“ hat bereits vor Jahren die Geschichte der „Homburger Hexen“ aufgearbeitet und in dem Theaterstück „Homburger Hexenjagd“ sowie weiteren Texten aufbereitet. Von ihr ging auch die Initiative zu dem parlamentarischen Vorstoß aus. Deutschlandweit ist Pfarrer Hartmut Hegeler der Hauptinitiator.

In Europa wurden vor allem im 16. und 17. Jahrhundert Zehntausende wegen angeblicher Hexerei gefoltert, zu Geständnissen gezwungen und oft unter grausamen Umständen getötet. Damit ist das Hinrichten wegen Hexerei nach den Judenverfolgungen die häufigste Ursache für den Massenmord an Menschen außerhalb von Kriegen. Gerade die Zusammenhänge zwischen Hexen- und Judenverfolgung sowie Fremdenhass hat auch Scherf immer wieder in ihren Arbeiten herangezogen.

Bad Homburg ist in juristischem Sinne natürlich keine Rechtsnachfolgerin der Landgrafschaft Hessen-Homburg. Trotzdem sollte sie sich nach Einschätzung Scherfs und vieler anderer moralisch dazu verpflichtet sehen, Menschen, denen durch die Hinrichtung wegen angeblicher Hexerei die Würde geraubt wurde, diese öffentlich zurückzugeben und sämtliche Unrechtsurteile aufzuheben. In Homburg wurden mindestens 75 Menschen wegen Hexerei verurteilt und hingerichtet, darunter 61 Frauen.

Die Namen der damals Verfolgten akribisch zusammengetragen hat Scherf bereits in ihrem vor elf Jahren erschienenen Buch „Homburger Hexenjagd oder Wann ist morgen?“.

Vor kurzem hat sie diese aufgrund des Verzeichnisses der Homburger Hexenprozess-Akten im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden noch einmal überarbeitet und der damaligen Personenkennzeichnung (insbesondere der Frauen) angepasst.

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