Lade Inhalte...

Gastronomie in Oberursel Widerstand gegen Apfelwein-Wirtschaft

Die Brüder Florian und Valentin Steden wollen ihre Apfelwein-Kelterei in Oberursel (Hochtaunus) verlagern. Eine Bürgerinitiative befürchtet jedoch Verkehrsprobleme.

Florian und Valentin Steden
Die Brüder Florian und Valentin Steden (v. links) in ihrer Kelterei in der Oberurseler Altstadt. Foto: Rolf Oeser

Rund 250 Unterschriften hat die Bürgerinitiative „Freili bleibt Freili“ vor kurzem Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) überreicht. Anlass ist das Vorhaben der Brüder Florian und Valentin Steden, ihre Apfelwein-Kelterei aus der Stadtmitte an die verlängerte Freiligrathstraße zu verlagern. Zusätzlich sollen auf dem familieneigenen Grundstück eine Gaststätte und ein Wohnhaus entstehen. Zurzeit befindet sich dort eine Lagerhalle.

„Das Verkehrskonzept ist nicht durchdacht“, kritisiert BI-Sprecher Peter Braun. Vor allem der geplante Ausbau der Freiligrath-Straße ist den Teilnehmern der Unterschriften-Aktion ein Dorn im Auge. Schließlich gehe es um ein Naherholungsgebiet. In der Nähe wohnten zahlreiche Familien mit kleinen Kindern. Schon jetzt gebe es einigen Verkehr wegen der benachbarten Schrebergärten, merkt Braun an. Der werde sich noch potenzieren, wenn ein ganzjährig geöffnetes Ausflugslokal hinzukomme.

Diese Befürchtung teilt Rathauschef Brum nicht. Er hält das Vorhaben der Steden-Brüder für „eine sinnvolle Sache“. Es könne sogar identitätsstiftend für die Stadt wirken. Schließlich gehe es dabei um den Erhalt traditioneller Streuobstwiesenn.

900 eigene Bäume aus 70 verschiedenen Sorten bewirtschaften Valentin und Florian Steden auf ihren Feldern - ohne den Einsatz von Chemie, wie sie betonen. In ihrer Kelterei produzieren sie 30 000 Liter Apfelwein pro Jahr. Was die Brüder in den kommenden Jahren gerne ausweiten wollen. Am angestammten Standort in der Oberurseler Altstadt ist der Platz jedoch ausgereizt.

Treffpunkt im Grünen

Doch nicht nur größer soll die neue Produktionsstätte der Stedens werden. Ziel ist eine Schaukelterei, bei der die Besucher die Herstellung von Apfelwein und Saft von der Blüte bis ins Gerippte nachvollziehen können. „Wir wollen den Menschen ein Stück Natur wieder näherbringen“, sagt Florian Steden.

Darin sieht auch Hans-Georg Brum eine Chance. Das Apfelwein-Projekt könne zum „Treffpunkt im Grünen“ werden. Im Gegensatz zur Bürgerinitiative geht der Rathauschef nicht davon aus, dass allzu viele Besucher mit dem Auto anreisen werden. „Die große Masse wird zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen“, ist er sicher.

Dass die Stedens auf ihrem Grundstück bauen, sei ohnehin nicht zu verhindern. Im Rahmen der Privilegierung der Landwirtschaft habe die Familie jederzeit die Möglichkeit, dort einen Aussiedlerhof mit Kelterei zu errichten. Entscheiden kann die Politik aber über die umstrittene Frage der Gastronomie, denn dafür ist ein Bebauungsplan nötig.

Der sieht ein zum Teil zweigeschossiges Gebäude mit einer Grundfläche von 550 Quadratmetern vor. Neben einer Schank- und Speisewirtschaft soll darin auch Platz für Tagungsräume und Verkaufsflächen für die eigenen Produkte sein.

Dem entsprechenden B-Plan-Vorentwurf hat das Stadtparlament in seiner jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit zugestimmt. Nur die Grünen haben sich enthalten. Auf Antrag der OBG haben die Stadtverordneten allerdings beschlossen, dass es eine öffentliche Informationsveranstaltung zu dem Projekt geben soll.

Florian Steden weist darauf hin, dass noch ein Verkehrsgutachten erstellt wird. „Wir wollen nicht mehr Verkehr erzeugen“, sagt er. Auch er geht davon aus, dass der Großteil der Gäste ohne Auto kommen wird. Vorgesehen sind derzeit 30 Parkplätze. Das seien schon mehr als nach der Stellplatzverordnung nötig.

Ohnehin sei nicht daran gedacht, eine komplett neue Straße zu bauen, betont Florian Steden. Eventuell reiche es aus, mehrere Verkehrsbuchten einzurichten. Die Stedens verweisen zudem darauf, dass durch die Verlagerung der Kelterei viele ihrer Transport-Fahrten in die Stadt überflüssig werden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen