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Friedrichsdorf Stadt will Mitsprache

Beitritt zur Planungsgesellschaft für S-Bahn-Tangente.

Ob die Regionaltangente West (RTW) wirklich kommt, ist nicht gewiss, wann sie kommt, kann man vermuten, was sie kostet, nur schätzen. Trotz der vielen Fragezeichen nimmt die finanziell klamme Stadt Friedrichsdorf wohl rund 55000 Euro in die Hand und kauft sich bei der RTW-Planungsgesellschaft ein. Die Stadt am oberen Ende der geplanten Route will ein Wörtchen mitreden können. Vertreter fast aller Fraktionen des Haupt- und Finanzausschuss stimmten für den Beitritt, nur die CDU war dagegen. Ende April soll die Stadtverordnetenversammlung zustimmen.

Bislang endet die geplante Tangente im Norden in Bad Homburg, und das, obwohl die S-Bahn-Linie, in deren Gleisbett die neue Bahn verlaufen soll, bis Friedrichsdorf reicht. Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) will das ändern. Die Regionaltangente soll dereinst bis Friedrichsdorf reichen und seine Bürger zum Flughafen – und was in den Augen der Kommunalpolitiker fast noch wichtiger ist – zu den Arbeitsplätzen nach Höchst und Eschborn bringen. Neu ist das Ansinnen nicht, bereits im Jahr 2000 gab es dazu einen Beschluss der Stadtverordneten, seit Dezember 2012 ist der Weg für interessierte Gemeinden in die Planungsgesellschaft offen.

Wie viele Friedrichsdorfer die neue Bahn täglich befördern wird, kann man nur schätzen. Es sollen rund 550 Personen am Tag sein, entnimmt der Bürgermeister einer Berechnung der RTW-Gesellschaft. Das klingt nicht nach viel, auch die Zeitersparnis zum Flughafen ist nicht wirklich groß. Etwa fünf Minuten, heißt es von Seiten der RTW-Gesellschaft. „Aber bequemer“, setzt sich der Bürgermeister für die Reisenden mit dickem Fluggepäck ein.

Grünen-Fraktionschef Lars Keitel sieht den Vorteil der Verlängerung vor allem darin, dass den Berufspendlern eine Alternative zum Auto geboten würde, um schnell und bequem nach Höchst, Eschborn und in die nördlichen Stadtteile von Frankfurt zur Arbeit zu kommen. Bislang bleibe immer eine Bahn-Lücke etwa von Steinbach bis Eschborn, die gelte es zu schließen. Die Tangente sei ein „urgrünes Thema“, betonte Keitel.

Laut Umlageschlüssel würde Friedrichsdorf der Beitritt in die Gesellschaft eigentlich teurer zu stehen kommen, nämlich rund 220000 Euro. Doch die Gemeinde hat einen Deal mit dem Kreis gemacht. Dieser übernimmt einen Teil der Kosten. Schließlich, so Bürgermeister Burghardt, hat der Kreis 2012 die Kreisumlage für die Infrastrukturgesellschaft Hochtaunus erhöht, die sich unter anderem um das RTW-Projekt kümmern soll. Friedrichsdorf bezahlt 55000 Euro verteilt über drei Jahre. Die erste Rate ist im kommenden Jahr fällig.

Für die CDU, die im Ausschuss gegen den Beschlussvorschlag gestimmt hatte, ist „dieses Geld zum Fenster herausgeworfen“, sagt deren Chef Jürgen Funke, auch wenn er die RTW grundsätzlich für ein gutes Projekt halte. Doch der Kreis könne sehr wohl auch die Interessen Friedrichsdorfs wahrnehmen, ohne dass die Stadt bei der Planungsgesellschaft mit am Tisch sitze. Funke warnt vor den späteren Betriebskosten der RTW. Das werde vermutlich auf die Gemeinden umgelegt und er sei sich nicht sicher „ob wir das dann zahlen können“. Er gehe nicht davon aus, dass die RTW jemals bis Friedrichsdorf führen werde.

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