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Friedrichsdorf Neuer Investor rettet RIMS

Schule wird GmbH und will wieder internationaler werden / Auch Gymnasium bleibt.

Die letzten Wochen waren dramatisch für die Verantwortlichen der Rhein-Main-International School (RIMS) in Friedrichsdorf. In allerletzter Minute, am 30. April hätte die Schule Schülern und auch dem Vermieter zum Schuljahresende kündigen müssen, schloss die RIMS nach drei Wochen Verhandlungen eine Vereinbarung mit einem Investor. Die RIMS wird ihren Betrieb weiterführen, auch das auf neun Jahre angelegte Gymnasium wird es weiter geben.

Die Ersatzschule, die vor gut zehn Jahren mit hehrem Anspruch startete und sehr schnell wuchs, kam aus den Problemen nicht mehr raus. Im vergangenen Sommer schaffte fast die Hälfte des Abijahrgangs die Prüfungen nicht, im Herbst 2014 fehlten der Schule nicht nur Schüler, sondern auch rund 250 000 Euro, um den Betrieb in den Gebäuden in der Innenstadt aufrechtzuerhalten.

Die Viertelmillion bekam der Trägerverein aus Spenden und Darlehen vor allem der Eltern der Schüler zusammen, aber es fehlte weiter an Geld, um die Schule zukunftsfähig zu machen. Dieses Geld gibt nun der neue Investor, eine Firma, die sich erst im Februar in Frankfurt ins Handelregister hat eintragen lassen: „Education Invest“.

Dahinter stehen zwei Männer: Hans-Peter Dahlmann, ein Unternehmer, der in Neustadt an der Weinstraße ein Versorgungswerk für Lehrer an Privatschulen betreibt, und Dietmar Ferber, dem Bekunden der RIMS nach ein Finanzier und Unternehmer, der sein Geld in gemeinnützige Projekte wie Schulen investieren möchte.

Die Gerüchte um das bevorstehende komplette Aus der RIMS oder zumindest des Gymnasiums hatten sich in den vergangenen Wochen verdichtet. 210 Schüler hat die Schule derzeit, vom Kinderhaus bis ins Gymnasium. Sechs Schüler machen gerade ihre Abiprüfung, extern, weil die Schule keine Prüfungserlaubnis hat.

Am Mittwochabend seien die Eltern über die rettende Nachricht informiert worden, hieß es von der RIMS. Zuletzt hatten sich einige Eltern und Schüler nach einer anderen Schule umgesehen oder die Schule bereits verlassen. Sechs Schülern in den Klasen 9 und 11 musste die Schule nun ihrerseits kündigen, das bestätigte Andrea Schneider, sie ist Vorsitzende des Trägervereins. Für einen pädagogisch sinnvollen Unterricht im kommenden Schuljahr seien dies zu wenige Schüler gewesen, erklärt Schneider. Die neunte Klasse wird 2015/16 der höchste Jahrgang sein.

Dahlmann hat eine Expertin mitgebracht, die die RIMS wirtschaftlich und konzeptionell auf Vordermann bringen soll: Marie-Luise Stoll-Stefan. Die 59-Jährige hat einen langen Lebenslauf mit Erfahrung im Gründen und Begleiten von Schulprojekten im Privatsegment. Unter anderem hat sie die Internationale Schule in Sindlingen (ISF) gegründet und war auch Geschäftsführerin.

Stoll-Stefan zeigt sich überzeugt vom Potenzial der RIMS und auch seinem Personal. Sie sieht die Schule am Rande des Rhein-Main-Gebiets in einer guten Marktposition. Nun müsse sie sich in Zahlen und Verträge einarbeiten, Rechtliches prüfen, mit dem Schulamt reden. Die RIMS müsse professionalisiert werden. Der Trägerverein habe viel geleistet, sagt Stoll-Stefan, aber nun soll eine gemeinnützige GmbH gegründet werden. Vielleicht werde sie selbst diese Gesellschaft interimsmäßig führen. Als dringlichste Aufgabe sei eine Schulleitung zu finden. Etwa ein Dutzend Leitungen hat die RIMS in den zehn Jahren gehabt, Vorsitzende Schneider sieht darin eines der großen Probleme.

Strategin Stoll-Stefan will schnell zu dem Punkt kommen, an dem Eltern und Schüler das Vertrauen in die Schule wieder gewinnen. Dazu gehört auch, dass in der zehnten Klasse eine Mittlere Reife abgelegt werden kann. Das war an der RIMS bisher nicht der Fall, was dazu führte, dass die gescheiterten Abiturienten 2014 ohne mittleren Abschluss dastanden.

Für das Gymnasium will Stoll-Stefan ein Konzept, das sich am hessischen Lehrplan orientiert, aber wieder mehr Internationalität ausstrahlt, den bilingualen Unterricht ausbaut. Die Kunden müssten sehen, dass die RIMS einen „Mehrwert“ biete, der das Schulgeld, derzeit 490 Euro, wert sei. Künftig soll das Schulgeld nach Einkommen gestaffelt werden, und zwar nach unten.

Vor fünf Jahren hatte die Schule für ihr Gymnasium das Montessori-Prinzip aufgegeben. Während die bilinguale Grundschule erfolgreich weiter damit arbeitet und keinen Schülermangel hat, war im Gymnasium die Schülerzahl eingebrochen. Das für maximal 600 Schüler nutzbare Gebäude wurde zu groß und unwirtschaftlich. „Wir haben unser Profil verflacht“, bedauert Schneider heute. Aber man habe keine Wahl gehabt. Das neue Konzept soll den Spagat schaffen.

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