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Freimaurer Regent und Freimaurer

Die Freimaurerloge erforscht ihre Historie. Unter dem Titel „Landgraf Friedrich V. von Hessen-Homburg und die Freimaurer“ wird ein unlängst gehaltener Vortragsabend in lesbarer Form serviert.

Freimaurer
Die Loge „Zur Freiheit“ hat ihren Sitz im Marstall des Homburger Schlosses. Foto: Michael Schick

Herkunftsklärung und historische Tiefenschürfung gehören seit jeher zum Handwerk, das öffentliche Auftreten dagegen nicht. Es ist ein Spagat, den die Freimaurerloge „Zur Freiheit“ in diesen Tagen leisten muss. Dass sie mit der Schlösserverwaltung ein wichtiges Stück Bad Homburger Lokalforschung zur Kenntnis bringt, mag den Ausschlag gegeben haben.

Unter dem Titel „Landgraf Friedrich V. von Hessen-Homburg und die Freimaurer“ wird ein unlängst gehaltener Vortragsabend in lesbarer Form serviert. „Die Herausgabe ist auch unserem Doppeljubiläum geschuldet“, sagt Kunsthistoriker und Autor Matthias Hischer. Vor 45 Jahren wurde die örtliche Logenbrüderschaft ins Leben gerufen – unter Bezugnahme auf einen Vorgängerkreis, der sich unter der Regentschaft des Landgrafen Friedrich V. formiert hatte. Dessen Gründung wiederum jährt sich im September zum 200. Mal. Was es mit jener „Friedrich zum Nordstern“ genannten Loge auf sich hat, ist dank glücklicher Umstände und zähem Forscherdrang ans Licht gedrungen.

Als zentraler Ort spielt – Günter Wolf und Matthias Hischer haben es akribisch nachgezeichnet – das herrschaftliche Schloss eine entscheidende Rolle für das hiesige Freimaurersein. Das Glück des Anfangs fällt an diesem Platz mit der Trauer des Niederganges in eins – unverbrüchlich eingewoben in das Lebensschicksal des aufgeklärten Landgrafen, eines stillen Freigeistes. Dass die Loge „Zur Freiheit“ seit 1974 in den hochgelegenen Räumen des Marstalles ihr Quartier hat, kann als besondere Fügung gelten. Wo sonst sollte sich der brüderliche Atem besser erhalten haben?

Am 30. Januar 1748 ist in den nachbarlichen Fürstengemächern der Sohn Friedrichs IV. zur Welt gekommen. Ein Mann, dem das Stottern angeboren ist, aber auch das Talent zu Kunst und Menschenliebe. Als Landgraf pflegt dieser fünfte Friedrich innig mit Klopstock, Lavater und Goethe zu verkehren – allesamt freimaurerischen Geblüts. Er selbst ist Bruder, seit der Landgraf von Hessen-Kassel, ein Verwandter, ihn 1782 rituell aufgenommen hat. Die Tempelpraxis ist dem Landesvater jedoch verwehrt.

Friedrich schreibt Gedichte, beschäftigt sich mit Philosophie, lässt das geliebte Reitpferd ehrenvoll bestatten. Hischer: „Die ethische Haltung hat wohl auch seine Politik bestimmt.“ Mit landgräflicher Unterstützung wird schließlich die Loge „Friedrich zum Nordstern“ gegründet. Ab Herbst 1817 treffen sich die knapp zwei Dutzend Mitglieder regelmäßig im Hause Kessler in der Obergasse. Neben hochrangigen Hofbeamten gehören der Friedrichsdorfer Fabrikant Desor oder der Frankfurter Schwertfeger Glauth zu dem geheimen Kreis. Pfarrer Rübsamen aus Oberstedten wird später aufgrund „sittlicher Verfehlungen“ ausgeschlossen: Der Gottesmann hat eine Magd geschwängert. Das Beisammensein währt nur vier Jahre, bis zum Tod Friedrichs V. 1820. Statt weltoffenen Geistes genießt unter seinem Nachfolger das Kriegshandwerk den Vorrang.

„Es folgte die Selbstauflösung, weil die Grundlagen entzogen waren“, sagt Hischer. Die Beamten des Hofes hätten nicht länger ein Logenamt ausüben dürfen. Sämtliche Unterlagen des Bundes geraten zunächst in den Bestand einer Frankfurter Loge, kommen im Zweiten Weltkrieg jedoch abhanden. Heute schöpfen die Freimaurer der Homburger „Freiheit“ aus einem 1912 verfassten Buch, in dem August Glahn die Historie der Vorgänger dokumentiert hat. „Es ist ein Glücksfall, dass sich diese Publikation erhalten hat.“

Erhalten bleiben auch die aus alter Dombauhütten-Tradition stammenden Ideen. Zwischen 1863 und 1933 existiert ein „Kränzchen“, das sich auf „Friedrich zum Nordstern“ beruft und in regem Austausch steht. Neben örtlichen Prominenten wie Baurat Louis Jacobi oder Hofapotheker Rüdiger Hermann finden sich Badegäste internationaler Herkunft ein. Die nationalsozialistische Ära bringt das vorläufige Aus aller deutschen Tempelarbeit.

Was seit nunmehr 45 Jahren hinter der grünen Tür in der Orangeriegasse geschieht, bleibt der Öffentlichkeit entzogen. Es ist eine rituelle Praxis, die keiner Zuschauer bedarf. Tradition ist wichtig, Überlieferung, das Eingebundensein. Die Wurzeln reichen tief in ferne Jahrhunderte: Das freiheitliche „F“ des Logenzeichens würdigt zugleich den kunstsinnigen, unglücklichen Friedrich von Hessen-Homburg.

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