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Ein flexibles Krankenhaus

Erster Spatenstich für die neuen Hochtaunuskliniken / Minister fordert Kooperation mit anderen Häusern

11.10.2011 22:51
Klaus Nissen
Sechsfacher Spatenstich: Gebaut wird schon seit März. Foto: Schick

Die Baufirma war vorbereitet: Schwarzer Basaltsplitt und weißes Vlies schützten die schicken Schuhe der Ehrengäste gestern Mittag vor dem Lehm. An einem schmutzigen Ort war ein historischer Moment zu feiern: der erste Spatenstich für die neuen Hochtaunuskliniken an der Zeppelinstraße. Dafür hatte der Baukonzern BAM extra einen großen Sandhaufen aufs Vlies geschüttet. Mit nagelneuen Spaten stachen der hessische Sozialminister Stefan Grüttner, der Landrat Ulrich Krebs und weitere Honoratioren hinein.

Einen „großen Wurf für die Zukunft“ nannte die Klinikdirektorin Julia Hefty das 200-Millionen-Projekt. „Wir sind der Überzeugung, dass wir ein perfektes Krankenhaus bauen.“ Zur Eröffnung Anfang 2014 werde das 350-Betten-Haus drei zusätzliche Abteilungen bekommen – eine Gefäßchirurgie, ein separates Gebäude für Diabetes-Kranke und eine Station für Lungen- und Krebskranke. Alles werde so geplant, dass auch künftige Änderungen im Betriebsablauf möglich sind.

Mit dem letzten Hinweis reagierte Hefty auf eine Warnung des hessischen Sozialministers Stefan Grüttner. „Zwischen Spatenstich und Grundsteinlegung kann es Änderungen an der Funktionalität geben“, deutete der CDU-Politiker im beheizten Promi-Zelt an. Es klang so, als wolle die Landesregierung bald in die dicht besiedelte Krankenhauslandschaft hineinregieren. Jedes Krankenhaus müsse mehr mit anderen kooperieren, so Grüttner. „Wir könnten es nicht schaffen, dass alle Krankenhäuser alles machen.“ Wer über die Grund- und Notfallversorgung hinausgeht, müsse seine medizinische Spezialisierung mit anderen Kliniken absprechen. Es gelte, die Patientenströme zu lenken. Netzwerke seien gefragt. Auch die Ausbildung und Organisation der Pflege sei überörtlich zu organisieren. „Es gibt zum Teil Egoismen in dieser Frage“, so der Sozialminister. Beispielsweise komme es vor, dass sich Kliniken gegenseitig das Personal abwerben. Dann noch ein Seitenhieb auf die alljährlichen Millionenverluste der Hochtaunuskliniken: „Es ist zu vermeiden, dass bei permanenten Defiziten die Trägerschaft überlegt werden muss“, so Minister Grüttner.

Landrat Ulrich Krebs übte sich vor dem Geldgeber – das Land zahlt 70 Millionen für die Klinikbauten in Bad Homburg und Usingen– in Demut: „Es ist nicht selbstverständlich, dass es hier ein Krankenhaus mit Grundversorgung gibt.“ Schließlich sei das Rhein-Main-Gebiet gut mit Kliniken versorgt. „Wir haben eine Durststrecke zu absolvieren“, sagte Krebs und warb: „Wir müssen bei den niedergelassenen Ärzten mehr Akzeptanz finden.“ Denn die sagen Patienten, welches Krankenhaus für sie das Beste sei.

Er sei mit dem neuen Standort im regionalen Grünzug nicht recht glücklich, meinte Oberbürgermeister Michael Korwisi. Doch nun werde er alles für das Gedeihen der Klinik tun. Und die Neubebauung des alten Standorts an der Urseler Straße sei eine „städtebauliche Chance“.

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