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Eichelbacher Hof Herrensitz im Waldwinkel

Der Eichelbacher Hof ist nur eine Schleife vom Weiltalweg entfernt. Beliebtes Ausflugsziel.

Landidylle: der Eichelbacher Hof. Foto: Michael Schick

Von Cratzenbach ist es nur ein Katzensprung. Wenig mehr als drei Kilometer durch Feld und Wald, eine letzte Biegung – und der Eichelbacher Hof erhebt sich inmitten eines stillen Wiesentals, umrauscht von Baumwipfeln. Die seit dem Frühjahr ausgewiesene „Schleife Hasselbach“ leitet den Wanderer zu einem der zauberhaftesten Orte im Naturpark Hochtaunus.

Viele Wege führen hier vorbei: Bis zur Tenne sind es sechs Kilometer, bis Rod an der Weil etwa drei, auch der Weiltalweg ist angebunden. Ein Abstecher zu der geschichtssatten Stätte lohnt sich allemal – nicht nur wegen der wildschönen Tallandschaft mit seiner abgelegenen Räuberromantik. In dem ehemaligen nassauischen Herrensitz werden mittwochs und an den Wochenenden selbstgekelterter Apfelwein und Hausgemachtes aus eigener Produktion serviert. Die Besitzer des Anwesens leben hauptsächlich von der Landwirtschaft, das traditionsreiche Gastgewerbe haben sie gottseidank beibehalten. Wer einmal unterm Eichengebälk hinter dickem Mauerwerk den Bembel hob, weiß es zu schätzen.

Seit 445 Jahren hat der noch erhaltene Gebäudeflügel – letzter Überrest einer vormals quadratischen Hofanlage – den Zeitenstürmen getrotzt. Nicht selten stand der eindrucksvolle Längsbau mit seinem mittelalterlichen Fachwerk und den Renaissance-Anklängen leer, dem Verfall preisgegeben. Schon 1642 gilt das „adelich hauß“ als „ein alt verfallen Schloß“.

Zollstation und Wacht

Zu diesem Zeitpunkt war das niedere Adelsgeschlecht der Herren von Rheinberg – die das wehrhafte Ensemble erbaut und generationenlang geführt hatten – bereits ausgestorben. Was als Zollstation und Wacht für die nahe Rennstraße, einer uralten Handelsroute, seinen Ausgang nahm, präsentierte sich in den Blütejahren mit Kapelle, Brauhaus, Schafstall, Wassergraben und einem Vorhof, auf dem der Pächter wohnte. Heute erinnert der weiträumige „Feine Saal“ im Obergeschoss an eine Ära, als 90 Hektar Land zu dem Hof gehörten.

In dem kulturhistorisch so reichen Weiltal sind die zwei markanten Ecktürme im Waldwinkel zwischen Hasselbach und Cratzenbach ein fulminanter Anblick. Filmkulisse, Zeitreise, Gegenstand der Dichtung. Sogar ein Oberförster namens Halbey – im 19. Jahrhundert wurde das Bauwerk von verschiedenen Forstverwaltungen genutzt – ließ sich vor seiner Pensionierung lyrisch hinreißen: „Ich fühl der Scheidestunde Weh und Ach, / Leb wohl!, leb wohl, mein theures Eichelbach!“

Zurück in die Gegenwart holen die zur Ernte ausfahrenden Traktoren, der Blick auf das restaurierte Mauerwerk. Eigentümer und hessische Denkmalpflege haben den Eichelbacher Hof vor zehn Jahren mit viel Engagement saniert. Eine Herkulesaufgabe, die fortdauert. Längst vergangen die Epoche des Niederganges, in der ein Chronist mit Entsetzen notierte: „Darin ist nicht wohl ein Hund in sicher Verwahrung zu bringen“. Wer heute kommt, möchte nicht mehr fortgehen.

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