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Buback-Attentat Schüler beim RAF-Prozess

Schüler aus Kronberg und Bad Homburg waren in der vergangenen Woche beim Prozess gegen die Ex-RAF-Terroristin Verena Becker in Stuttgart. Die Teilnahme stimmte sie nachdenklich.

31.01.2012 23:07
Marcus Klöckner

Eine Staatsanwaltschaft, die die Verteidigung zu unterstützen scheint und ein Nebenkläger, der zum Prügelknaben wird: Schülerinnen, Schüler und Lehrer aus Kronberg und Bad Homburg haben in der vergangenen Woche am Prozess gegen die Ex-RAF-Terroristin Verena Becker in Stuttgart teilgenommen. Von ihren Eindrücken berichten sie der Frankfurter Rundschau.

Sie sind zwischen 17 und 19 Jahre alt, das Abitur rückt für sie bereits in greifbare Nähe. Doch entgegen gängiger Vorurteile ist das Interesse der Jugendlichen am politischen Zeitgeschehen groß: Schüler der Altkönigschule in Kronberg und des Kaiserin Friedrich Gymnasiums in Bad Homburg, haben sich in speziellen Arbeitsgemeinschaften zusammengefunden. Ihr besonderes Augenmerk gilt der Frage: Gibt es eine Verbindung zwischen den Terroranschlägen der RAF und westlichen Geheimdiensten?

Die Teilnahme am 72. Prozesstag gegen Verena Becker stimmt Schüler und Lehrer nachdenklich.

Christoph Lindenberg, Schüler der Altkönigschule, sagt, was er beim Prozess beobachtet habe, habe ihn an das „Zerrbild eines Gerichtsprozesses“ erinnert: „Michael Buback wirkt wie der eigentliche Angeklagte, über dessen Ausführungen bloß gelächelt wird. “ Für den 18-jährigen Schüler entsteht der Eindruck, dass in dem Gerichtsprozess, „nicht zwingend der Eindruck vermittelt wird, die Wahrheit um jeden Preis zu ermitteln“.

Unter „Wahrheit“ versteht Lindenberg die Antwort auf die Frage, wer am 7. April 1977 Siegfried Buback, damals Generalbundesanwalt, in Karlsruhe an einer Kreuzung in seinem Dienstwagen zusammen mit zwei Begleitern erschossen hat. Mehr als 30 Jahre lang glaubte der Sohn des Generalbundesanwalt, Michael Buback, dass der Mörder seines Vaters gefasst und durch die Justiz für seine Tat bestraft worden sei. Ein Kommando der Roten Armee Fraktion hatte damals den Anschlag begangen. So viel ist unstrittig. Doch wer hatte wirklich den Finger am Abzug? Es war schließlich Michael Buback, der nach dem Hinweis von einem ehemaligen RAF-Mann auf eigene Faust recherchiert hat und den Verdacht äußerte, Ex-RAF- Terroristin Verena Becker habe seinen Vater erschossen. Sie war aber noch nie für eine Verstrickung im „Buback-Attentat“ angeklagt. Doch damit nicht genug: Becker, so steht es im Raum, sei eng mit dem Verfassungsschutz vernetzt gewesen, habe möglicherweise sogar, im schlimmsten Fall, die Tat mit der Deckung durch einen Geheimdienst begangen.

Michael Buback spricht von „einer schützenden Hand“, die Verena Becker vor der Strafverfolgung bewahrt habe. Und diese „schützende Hand“, so sein Eindruck, könnte noch immer am Werk sein.

„Ich kann das nur schwer in Worte fassen, aber auf mich wirkt das Prozessgeschehen so, als schütze die Anklage indirekt die Angeklagte“, sagt Christian Schmeiser, Lehrer an der Altkönigsschule in Kronberg, gleichzeitig Betreuer und Begleiter der Schüler von der AG „Verdeckte Kriegsführung“. Die These des Nebenklägers, es habe einen staatlichen Schutz für RAF-Täter gegeben, sei „im Prozess förmlich mit Händen greifbar“.

Alle Vorgänge an diesem Prozesstag, so Schmeiser, seien immer wieder auf das gleiche Resultat hinausgelaufen: „Die dem Zuhörer begründet erscheinenden Anträge der Nebenklage auf neue Gutachten werden abgewiesen, die Anträge des Nebenklägers auf neue Zeugenvorladungen werden abgelehnt. Lehrer Karl Heinz Jörgens (Kaiserin Friedrich Gymnasium) sieht in der Ablehnung der Anträge eine Diskreditierung Bubacks, da die Anträge mit der grotesken Behauptung zurückgewiesen worden seien, von Buback gar nicht ernst gemeint zu sein.

Michael Buback, der sich in der Prozesspause mit den Schülern traf, zeigte sich beeindruckt, dass sich die Jugendlichen sogar „wenige Wochen vor dem Abitur die Zeit für diesen Prozess nehmen“.

Gleichzeitig beklagte Buback die insgesamt doch sehr „sparsame Berichterstattung“ durch die Medien: „Die Schüler werden sich gewundert haben, dass sie die wesentliche Zuhörerschaft im Sitzungssaal darstellten und man die weiteren Besucher an den Fingern einer einzelnen Hand abzählen konnte.“

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