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Broermann übernimmt Kurstift

Stadt gibt Verantwortung für Seniorenwohnheim ab / Verträge werden übernommen

29.10.2011 22:46
Anton J. Seib
Gediegen und in guter Lage – das Bad Homburger Domizil. Foto: Michael Schick

Die Broermann-Gruppe wird das Kurstift übernehmen und ist damit ab 1. Januar 2013 nicht nur Vermieter der Seniorenwohnanlage, sondern auch Betreiber. Durch die Übernahme werde sich für 200 Bewohner und 100 Mitarbeiter nichts ändern, alle Verträge würden übernommen, sagte gestern Thomas Müller von der neuen Betreibergesellschaft Dr. Broermann Hotels & Residences GmbH bei einer Pressekonferenz im Rathaus.

Mit der Übernahme wird die Stadt einen großen Verlustbringer los. In den vergangenen Jahren hatte das Kurstift jährlich rund 800000 Euro Defizit erwirtschaftet. Für die Jahre 2011 und 2012 sind im Haushalt weitere Verluste von zwei Millionen Euro eingeplant.

Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne) zeigte sich zufrieden mit der Übernahme: „Alle sind Gewinner, auch die Stadt und die Vermieter“, sagte er. Auch Kurstift-Aufsichtsratschef Manfred Falkenmeier sprach von einer „Win-Win-Situation“. Müller sagte zu, bald die Erweiterung der Pflegestation von jetzt 60 auf 80 Plätze zu finanzieren. Auch sonst werde modernisiert. Betriebsratsvorsitzende Sabine Hauf reagierte zurückhaltend. „Das ist neu für uns. Ich hoffe auf konstruktive Gespräche mit der Geschäftsführung“, sagte sie. Die Übernahme ist Ergebnis eines Mediationsverfahrens, auf das sich Broermann und Stadt geeinigt hatten. Beide Seiten lagen seit Jahren im Streit. Broermann pochte auf Einhaltung der Verträge, die die Stadt gerne geändert hätte und deshalb bereits eine gerichtliche Auseinandersetzung ins Auge gefasst hatte.

Der Hintergrund: Als das Kurstift 1984 gegründet wurde, schlossen beide Seiten einen Mietvertrag über 50 Jahre ab. Aufgrund unzureichender Regelungen war stets unklar, welche Seite für Renovierung oder Modernisierung zuständig ist. Die Stadt hatte ihrerseits mit Altlasten zu kämpfen, die das Defizit in die Höhe trieben, etwa die hoch verzinsten Darlehen künftiger Bewohner. Aber auch die Marktentwicklung tat ihr Übriges. So lässt sich heute eine Vollbetreuung auf der Pflegestation zu den einst abgeschlossenen Preisen von 180 Euro im Monat bei Weitem nicht mehr finanzieren.

Broermann kam schließlich bei der Mediation durch das Beratungsunternehmen Avivre zu der Überzeugung, das Kurstift langfristig in die Gewinnzone bringen zu können. Er setzt dabei auch auf die Zusammenarbeit mit anderen von ihm betriebenen Einrichtungen.

Die Stadt wiederum erkannte, dass es nicht ihre Aufgabe sein kann, ein Heim für „betagte Betuuchte“ (Falkenmeier) zu betreiben. Allerdings muss sie dafür neben dem jahrelangen Defizitausgleich noch einmal in die Tasche greifen. Wie tief, dazu wollte sich gestern niemand äußern. Über die Höhe des „negativen Kaufpreises“ werde noch verhandelt, sagte Mediator Frank Löwentraut.

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