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Braun-Designer Lubs Ohne jeden Schnickschnack

Der Designer Dietrich Lubs hat bei Braun die funktionale Einfachheit miterfunden - und freut sich, dass seine Ideen auch heute noch gefragt sind.

Sie haben Geschichte geschrieben: Eine Handvoll Designer, die für die Firma Braun gearbeitet und der Produktgestaltung neue Wege geebnet haben. Dietrich Lubs war einer von ihnen – seine neuesten Kreationen folgen den einst entwickelten Idealen.

Für einen japanischen Hersteller hat er eine Serie von Schreibgeräten entworfen. Füllhalter, Druckbleistift und Tintenroller entbehren jeden Schnickschnacks und greller Farbigkeit. „Das Design sollte klar und deutsch sein“, sagt Lubs, der aus Berlin stammt und seit 1973 in Bad Homburg wohnt. Im Land der aufgehenden Sonne sei das Interesse an den ehemaligen Braun-Formen groß, es gebe dort eine Hinwendung zur funktionalen Einfachheit. Dass viele Entwicklungen des 1921 in Frankfurt gegründeten Unternehmens noch immer nachwirken, zeigt die Optik aktueller Apple-Pods und -Phones. Die Vorbilder lassen sich in der Kronberger Braun Sammlung bestaunen.

Wer vierzig Jahre dem Design-Team um Dieter Rams angehört hat, geht mit kritischem Blick durch die heutige Warenwelt. „Zu marktschreierisch, zu bunt, zu wenig konturiert“ findet Lubs. Der ehemalige stellvertretende Abteilungsleiter glaubt, dass sich die Verbraucher wieder nach einfachen Formen sehnen. „Unsere Geräte haben sich meist selbst erklärt, eine Gebrauchsanweisung war nicht immer vonnöten.“

Zwischen 1955 und 1995 revolutionierten die Braun-Designer das Erscheinungsbild deutscher Konsumgüter. Die Hi-Fi-Anlagen, Küchenmaschinen, Rasierer, Taschenrechner, Uhrenwecker, Radios oder Haartrockner sollten „innovativ, brauchbar, verständlich“ sein. Konsequenz bis ins letzte Detail.

Dietrich Lubs kam 1962 zu Braun. Zuvor hatte er eine Lehre als Schiffbauer in der Kölner „Hansa“-Werft abgeschlossen und war mit Detailkonstruktionen beauftragt. In Kronberg war er unter anderem für die einheitliche Verwendung der Schrifttype Akzidenz-Grotesk in der Produktgrafik verantwortlich – ebenso für die Entwicklung verschiedener Uhren-Serien.

Keiner Mode unterworfen

Nach den ersten Skizzen wurden damals Modelle gebaut, die Gegenstand lebhafter Diskussionen waren. Aus dem Klima des permanenten Austauschs erwuchs Einmaliges: „Wir haben Neues geschaffen – es gab ja nichts, an dem wir uns orientieren konnten.“ Die geometrische Formgebung war in jenen Jahren ungewöhnlich, modern und doch zeitlos. Man hatte einen ästhetischen Anspruch, der keiner Mode unterworfen war. In den 50er und 60er Jahren wandelten sich Land und Gesellschaft nachhaltig. „Jazzmusik war eine progressive Erfahrung – wir haben oft Konzerte und Veranstaltungen besucht.“ Ausgeprägt wurde eine Haltung, die den gesamten Arbeitsprozess beeinflusste.

Heute gelten die damals entstandenen Geräte als Klassiker der Moderne, sie gehören zur Sammlung des Museums für Angewandte Kunst oder des Museum of Modern Art. 1989 wurden die Braun-Gestalter als „Design-Team of the year“ mit dem Red Dot Design Award geehrt: Ergebnis dessen, was Lubs mit „gelebter Gestaltungsauffassung“ bezeichnet.

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