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Bommersheimer Feld Achtung, Einsturzgefahr!

Auf rund 100 Quadratmetern ist im Bommersheimer Feld der Boden einfach abgesackt. Grund sind Kohlestollen aus fast schon vergessenen Zeiten. Von Jürgen Streicher

Der sprießende noch grüne Weizen verdeckt die Delle im Boden schon fast wieder. Rund ein Meter ist die Erde auf etwa 100 Quadratmetern im Bommersheimer Feld abgesackt. Es wäre wohl kaum aufgefallen, wenn da nicht die Erinnerung wäre an die Zeit, als genau an dieser Stelle Braunkohle in bis zu 30 Meter Tiefe abgebaut wurde. Im Bergwerk "Gnade Gottes" - noch heute lautet die Adresse eines Aussiedlerhofes zwischen A 661 und der Verlängerung des Peter-Meister-Weges so. Das Grubenfeld war etwa 22.000 Quadratmeter groß.

Rot-weiße Warnbaken an der Kreuzung zweier Feldwege versperren etwa 30 Meter nicht asphaltierten Ackerweg, "Einsturzgefahr" warnen Schilder, die Delle im Boden ist mit Flatterband abgespannt. "Wir sind in der Sicherungspflicht, wir mussten das tun", sagt Stadt-Pressesprecherin Nina Kuhn. Das städtische Grundstück ist an einen Bommersheimer Landwirt verpachtet. Dessen Kollege Georg Braun glaubt nicht an Einsturzgefahr, sieht "ein bisschen viel Panik". Die Stelle, vermutlich am Ort eines früheren Einstiegsstollens, sei schon an Weihnachten abgesackt. Über den gesperrten Ackerweg seien die Landwirte im Frühjahr problemlos mit schweren Maschinen gefahren.

Umfangreiche Untersuchungen

Genau weiß aber niemand, was aus den alten Bergwerkschächten wurde. Ob und wie sie nach ihrer Aufgabe verfüllt wurden. Georg Braun erinnert sich an den offenen Tagebau ein Stück weiter südwestlich, dort sei in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Abraum vom Bau der A 661 verfüllt worden.

Wie es an der "Gnade Gottes" steht, sollen Sondierungsbohrungen zeigen. Das geschieht im Rahmen von Untersuchungen zu Altlasten im Stadtgebiet - unabhängig von der aktuellen Situation in Bommersheim. Geforscht wird nach eventuellen Hohlräumen, nach Füllmaterial. Erste Ergebnisse der "sehr umfänglichen Untersuchungen" erwartet Nina Kuhn in dieser Woche. Bis dahin bleibt das Umfeld der Delle erst einmal gesperrt.

Das "schwarze Gold", wie die Braunkohle auch genannt wurde, ehe dieser Begriff auf das Erdöl wechselte, hat zwar Bedeutung als erdgeschichtliches Bodenarchiv im Bommersheimer Feld, der wirtschaftliche Nutzen war aber für die früheren Bommersheimer wohl eher gering. Wobei laut Monika Heitsch und Klaus-Michael Schmitt, Verfasser eines Textes zur Geschichte der früher selbstständigen Gemeinde, drei Faktoren die Rentabilität des Bergwerkes bis zur "Unwirtschaftlichkeit" einschränkten.

Ein Problem war die tiefe Lage, die Schächte mussten bis 31 Meter abgeteuft werden. Zudem sei die Braunkohle wegen ihres "mulmigen Charakters" nicht konkurrenzfähig gewesen zur oberhessischen Braunkohle und zur Steinkohle. Wasserandrang in den Schächten sei die Hauptursache für den Ruin aller Unternehmer gewesen, die sich auf der Gemarkung "Gnade Gottes" versucht hätten.

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