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Bildhauerei Blickachsen in die Metropole

Beim Bad Homburger Kulturgroßereignis Blickachsen wird in diesem Jahr die regionale Ausdehnung weiter vorangetrieben. Auch in Eschborn, Frankfurt und Darmstadt werden Skulpturen zu sehen sein.

12.01.2011 16:32
Martina Propson-Hauck
Die Großskulptur "Nosotros" von Jaume Plensa bei der Blickachsenausstellung 2009. Foto: Michael Schick

In ungeraden Jahren tragen Kunstliebhaber bereits zu Jahresbeginn im Mai einen Termin fest in ihren Kalender ein: Denn ungerade Jahre sind immer auch Blickachsen-Jahre. Was 1997 noch unter eher skeptischer Begutachtung einiger Bad Homburger Kritiker begann, ist mittlerweile eine international hoch beachtete Institution geworden. Bad Homburg ist dann der Ort schlechthin für die Crème moderner Bildhauer. Alle zwei Jahre zwischen Mai und Oktober gehen im Kurpark Natur und Kunst eine ganz selbstverständliche Symbiose ein und laden zum intensiven Schauen, ausgiebigen Flanieren und ergiebigen Sinnieren ein.

Christian Scheffel, der Galerist, der das Kulturgroßereignis vor fast 15 Jahren ersonnen hat und mit irrwitzigem Aufwand seither im Zwei-Jahres-Rhythmus gemeinsam mit einem Partnermuseum und der Unterstützung der Stadt und vieler Sponsoren stemmt, hat für die achte Auflage der Skulpturenausstellung im Kurpark noch Größeres als bisher vor. „Wir werden die Blickachsen diesmal verlängern“, sagt er. Und das meint er nicht auf der Zeitachse, sondern räumlich.

Die vom Schöpfer des Kurparks, Peter Joseph Lenné, 1856 geschaffenen Blickachsen quer durch den Park, denkt er weiter durch die gesamte Rhein-Main-Region. „Ausstellungsort wird diesmal nicht nur Bad Homburg sein, sondern wir gehen auch nach Eschborn, Frankfurt und Darmstadt“, verrät er. Gefördert wird die Ausweitung vom Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main und zwar „mit erheblichen Mitteln“, wie dessen Geschäftsführer Professor Herbert Beck bestätigt: „Ich halte die Blickachsen für eine der bedeutendsten Skulpturenausstellungen im Freien in Deutschland“, schwärmt Beck. In der Region werde dies aber noch zu wenig wahrgenommen, obwohl Scheffel sich ein großes Renommee erarbeitet habe. Um dieses Potenzial weiterzuentwickeln, greift der Kulturfonds jetzt auf seine Mittel zurück. Im vergangenen Jahr wurde erstmals ein einzelnes Projekt der Blickachsen unterstützt, nämlich das der „Tanzenden Bäume“ von Timm Ulrichs. Wann immer sich ein Besucher dieser Installation näherte, begannen sich drei Birken zu drehen, nicht nur in Bad Homburg, sondern auch per Internet verbunden in Darmstadt, Flörsheim und Weilburg.

Nun wird die regionale Ausdehnung also noch weiter vorangetrieben. Eschborn ist dabei, so erläutert Beck, weil der Kulturfonds dort den Aufbau eines Skulpturenparks unterstützen will. Darmstadt sei ohnehin ein Zentrum der Künste und in Frankfurt stehe der Campus Westend im Fokus. Der eigne sich in seiner Besonderheit als Ausstellungsort für Skulpturen ganz besonders. Bereits im Dezember ist dort eine Skulptur von Jaume Plensa aufgestellt worden. Arbeiten von Plensa waren vor zwei Jahren auch in Bad Homburg zu sehen. Welche Künstler ab Mai bei den Blickachsen vertreten sein werden, will Scheffel noch nicht verraten. Nur so viel, dass in Darmstadt die evangelische Stadtkirche die Blickachsen mit einer David Nash-Ausstellung begleiten wird.

International war die Blickachsenausstellung schon immer sehr beachtet, Kunststudenten, -professoren und -liebhaber reisten dafür mit Reisebussen aus Spanien an, Besucher aus den Vereinigte Staaten machten in Bad Homburg Stippvisite zwischen Biennale und Dokumenta. Nun soll von diesen Gästen und den Künstlern das Rhein-Main-Gebiet als Metropolregion wahrgenommen werden, die Ausdehnung von Bad Homburg bis Darmstadt mit Paris oder London mithalten können.

„Wir haben bewiesen, dass wir höchstrangig arbeiten“, sagt Scheffel. Künstler seien heute gern bei den Blickachsen vertreten. So ist es für ihn nicht mehr mühsam Weltstars der Skulptur in die Kurstadt am Rande des Taunus einzuladen. Auch die Sponsoren sind den Blickachsen treu geblieben. In diesem Jahr ist ein holländisches Museum Partner der Blickachsen, hilft bei den Kontakten zu den Künstlern, auch zu den noch jungen, nicht ganz so renommierten. Doch beim Namen des Museums hält sich Galerist Scheffel bedeckt. Sicher sei das meiste schon in trockenen Tüchern, doch Namen nennt er grundsätzlich vorher nicht.

Die Organisation der neuen Großausstellung läuft bereits, seitdem die letzten Skulpturen im Oktober 2009 in Einzelteilen vom Kurparkrasen auf Lastwagen verpackt worden sind. „Nach den Blickachsen ist vor den Blickachsen“, sagt Scheffel in Abwandlung von Sepp Herberger.

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