Lade Inhalte...

Bad Homburg „Wir tun doch was“

Weitere Aufregung um das Haus in der Louisenstraße 5. Die Eigentümer wehren sich gegen den Vorwurf, das Gebäude verfallen zu lassen.

Louisenstraße 5 steht als „unverzichtbares Geschichtszeugnis“ unter Denkmalschutz. Foto: Michael Schick

Die Familie Parandian kommt mit einem dicken Aktenordner und zwei Architekten. Das Haus in der Louisenstraße 5 beschäftigt das Bad Homburger Familienunternehmen nun schon seit geraumer Zeit. Die Parandians haben das Haus gegenüber der Einmündung der Haingasse im Jahr 2007 gekauft, es sollte eine Wertanlage sein. Etwa 1200 Quadratmeter Grundstück und ein Hinterhaus gehören zu der Liegenschaft.

Seit etwa einem Jahr steht das Gebäude leer, der Frisör unten ist ausgezogen, auch der Klavierlehrer im ersten Stock. Die Eigentümer und ihre Architekten hatten Bedenken, dass das Haus zusammenfällt. Mehrere Zentimeter hatte es sich nach zwei Seiten gesenkt, auf dem Speicher kann man die Neigung deutlich am Fußboden erkennen. Noch kniffliger ist die Lage im Keller, Wasser kommt durch die Wände, mehrere Schimmelarten, zu denen ein Gutachten aussteht, sitzen in den Deckenbalken, die mit Stahlträgern abgestützt sind.

Die Parandians wollen das Haus abreißen und an seiner Stelle ein neues bauen, das genauso aussieht wie das alte – jedenfalls von außen. Doch seit einem Jahr etwa ist das Gebäude denkmalgeschützt, es stammt aus dem Jahr 1685 und gilt laut Gutachten des Landesdenkmalamts vom November 2013 als ein „wichtiges Zeugnis für den absolutistischen Städtebau der Barockzeit“. Das Haus und seine Nachbargebäude stehen seit 2000 unter Ensembleschutz, die Louisenstraße 5 ist seit Dezember 2013 auch ein Einzeldenkmal.

Für die Parandians und ihre Architekten Heiner Jaegermann und Horst Fügner ist diese Entscheidung nicht nachvollziehbar. Man sei vor dem Kauf beim Bauamt der Stadt vorstellig geworden, berichtet Dochi Parandian.

Dort habe man ihr eine Karte mit dem Baufenster gezeigt und gesagt, man könne das Haus abreißen. Von Denkmalschutz sei nicht die Rede gewesen. Ein Ensembleschutz, so die Architekten, erlaube den Abriss, wenn das Haus entsprechend den Denkmalvorgaben wieder aufgebaut werde. Ohne die Aussicht auf Abriss hätte das Familienunternehmen das Haus gar nicht gekauft.

Ein Gutachter bescheinigte, dass das Haus baufällig ist, die Mieter zogen aus. Architekt Jaegermann zeigt auf ein sichtbar verrottendes freiliegendes Endstücke des ansonsten unter Putz liegenden Fachwerks an der Außenfassade. Hier sei schon viel nachgebessert worden, wie überall im Haus, in dem man Stahlträger und Stützen an allen Ecken findet. Umgebaut wurde schon öfter, das Gutachten des Denkmalamtes dokumentiert nur noch einige Wände in originalem Zustand von 1685. Der jüngste Eingriff stammt aus dem Jahr 1988, da wurde die gesamte Vorderfront des Erdgeschosses flächendeckend mit Schaufenstern überzogen. Das habe damals keine Denkmalbehörde gestört, wundern sich die Bauherren.

Ende August 2013 reichten die Parandians einen Abbruchantrag ein, routinemäßig wurde das Gebäude daraufhin geprüft. Denkmalgutachter Hans-Herrmann Reck war im Oktober im Haus. Er nahm auch Proben von Balken. Laut Gutachten bestätigen die Proben, dass das Haus 1685 gebaut wurde. Die Balken, sagen die Architekten, seien zwar alt, aber gewiss in Teilen erst später hinzugekommen, um kaputte Holzteile auszubessern. Die beiden Geschossdecken und das Dachgestühl beschreibt Gutachter Reck als Originalsubstanz.

Die Parandians planen ein Geschäftshaus mit Laden. Dazu sei die Decke aber viel zu niedrig, gut zwei Meter blieben bloß übrig, das reicht weder für Gewerbe noch für Wohnbau. Die Denkmalbehörde der Stadt, mit dem die Bauherren ebenso wie mit dem Bauamt im Gespräch stehen, rieten zum Absenken der Kellerdecke. Die Decke zum ersten Stock soll höher gesetzt werden und die Decke zum Dachgestühl offen gelassen werden.

Was aber sei dann noch übrig von der alten Substanz und erhaltenswert? Die Parandians wollen sich mit der Stadt einigen. Geht das nicht, erwägten sie auch einen Gang zu Gericht. Sie haben sich geärgert. Über OB Korwisi, der im Stadtparlament äußerte, die Eigentümer würden nichts tun und sich nicht um eine Lösung bemühen. (FR v. 8.11.) „Aber das tun wir doch“, sagt Dochi Parandian und hofft auf Einsicht bei den Behörden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen