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Bad Homburg Vorfahrt für Radfahrer

In Bad Homburg präsentieren die Stadtplaner Wünsche zur Zukunft der Kurstadt.

Radfahrer
Fehlende Radwege sind in Bad Homburg das Topthema. Foto: Rolf Oeser

Wenn es nach den Planern des Büros Albert Speer und Partner (AS+P) geht, wird die Kaiser-Friedrich-Promenade in eine Fahrradstraße umgewandelt. Das bedeute nicht, dass auf der repräsentativen Meile am Kurpark gar keine Autos mehr fahren dürften, erklärte Stefan Kornmann von AS+P am Mittwochabend beim Stadtforum im Kurhaus. Allerdings hätten die Radler dort künftig Vorrang. „Sie bestimmen die Geschwindigkeit“, ergänzte sein Kollege Michael Dinter. 

Die Fahrradstraße sei ein „mutiger Vorschlag“, räumte Dinter ein, was ihm das Raunen im Publikum bestätigte. Allerdings hatte sich die „Fahrradfreundliche Stadt“ im bisherigen Prozess zum Stadtentwicklungskonzept „Bad Homburg 2030“ als Topthema der Bürger herauskristallisiert. Und auch am Mittwoch fanden sich die meisten schriftlichen Kommentare auf den Stellwänden im Foyer des Kurhauses, die sich mit einer Verbesserung der Radrouten befassten. „Tolle Idee“ hatte dort jemand zur Fahrradstraße geschrieben, „ein guter Anfang für eine fahrradfreundliche Stadt“ ein anderer. 

Grundlage für die Präsentation der AS+P-Planer seien denn auch die Wünsche und Anregungen der Bad Homburger Bürger gewesen, betonte der Leiter der Stadtplanung, Holger Heinze.

6000 Stellungnahmen sind während des bisherigen Beteiligungsprozesses zum Stadtentwicklungskonzept eingegangen.

Daraus haben die beauftragten Planer des Frankfurter Büros nun unter dem übergreifenden Motto „Erhalten und Entwickeln“ konkrete Projektvorschläge erarbeitet.

Diese befassen sich auch mit der im gesamten Rhein-Main-Gebiet heißdiskutierte Frage nach bezahlbarem Wohnraum. Aus Sicht der Planer gibt es dafür noch Möglichkeiten im Stadtzentrum. Dazu gehören bereits in der Planung befindliche Flächen wie das Vickers-Areal und das frühere Krankenhausgelände. Aber auch rund um den Bahnhof und sogar im Villenviertel am Hardtwald sehen die Planer Potenzial für neue Wohnungen.

Am Bahnhof könnte durchaus dichter und höher als bisher gebaut werden, befand Planerin Svenja Knuffke. In der Hardtwald-Siedlung sei eher daran gedacht, vorhandene Baulücken zu füllen oder seniorengerechtes Wohnen etwa in Form eines Appartementhauses zu integrieren. 
Ziel müsse es sein, „möglichst vielfältige Angebote“ zu schaffen, um ein weiteres Auseinanderdriften der sozialen Schichten zu verhindern, betonte Knuffke.

Gemeinnützige Bauträger einbinden

Erschwinglicher Wohnraum könne in Bad Homburg allerdings nur entstehen, wenn die Stadt bei neuen Projekten einen festen Anteil an vergünstigten Wohnungen vorschreibe – was die schwarz-rote Koalition in Bad Homburg bereits beschlossen hat – und gemeinwohlorientierte Bauträger wie Genossenschaften einbinde. 

Aber auch vor einem Vorschlag für ein neues Wohngebiet drückten sich die AS+P-Planer nicht. Eine Option dafür sehen sie zwischen dem Südring und der Straße „Am Römischen Hof“. Die Entwicklung der derzeit landwirtschaftlich genutzten Fläche wäre „eine logische Erweiterung der bestehenden Bebauung“, erklärte Svenja Knuffke. Außerdem könnte dort Wohnen und Arbeiten miteinander verbunden werden. 

Denn auch neue Gewerbeflächen seien nötig, betonte ihr Kollege Stefan Kornmann. Zwar stehe Bad Homburg wirtschaftlich aktuell „wunderbar da“, was vor allem Schwergewichten wie Fresenius zu verdanken ist. Für die Zukunft müsse die Stadt aber auch kleinen und mittelgroßen Unternehmen Perspektiven eröffnen. Dazu biete sich eine Nachverdichtung am Bahnhof an, aber auch eine Erweiterung des vorhandenen Gewerbegebiets in Ober-Erlenbach. Hier sei allerdings eine interkommunale Zusammenarbeit erforderlich, räumte Kornmann ein. 

Das gilt erst recht für den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Dieser sei das „Rückgrat“ für die Mobilität in der Stadt und darüber hinaus, betonte Kornmann. Deshalb müssten Projekte wie die Verlängerung der U2, die Optimierung von S5 und Taunusbahn sowie die Regionaltangente West vorangetrieben werden. Wichtig sei aber vor allem, dass die verschiedenen Verkehrsträger miteinander vernetzt werden.

Für Diskussionen dürften einige weitere Vorschläge des Frankfurter Planungsbüros sorgen. Dessen Vertreter können sich beispielsweise in Bahnhofsnähe einen Treffpunkt für Jugendliche vorstellen. Und den derzeit eher beschaulichen Tannenwald würden sie gerne durch Mitmachangebote beleben. Dort plädieren sie für Gemeinschaftsgärten, Sport- und Spielangebote oder eine Liegewiese.

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