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Bad Homburg Von Gonzenheim aufs Kaisergleis

Die geplante Verlängerung der U2 bis zum Homburger Bahnhof nimmt Gestalt an. Im Sommer 2015 könnte die erste Bahn zwischen Gonzenheim und dem Bahnhof verkehren. Von Martina Propson-Hauck

21.04.2010 00:04
Martina Propson-Hauck
Foto: FR-Infografik

Wir schreiben das Jahr 2015. Die junge Studentin der Accadis-Hochschule hat nach Vorlesungsschluss gleich einen Vorstellungstermin für ein Praktikum in einer Bank an der Frankfurter Taunusanlage. Sie nimmt in Ober-Eschbach die U2, zwei Haltestellen später steigt sie am Kaiserbahnsteig des Bad Homburger Bahnhofs um in die S-Bahn nach Frankfurt. Zukunftsvisionen.

Seit mehr als 30 Jahren wird die Verlängerung der U2 über die Endhaltestelle Gonzenheim hinaus diskutiert, nun sind die Pläne dafür ganz konkret. Gestern Abend hat Oberbürgermeister Korwisi sie in einer Bürgerversammlung im Vereinshaus Gonzenheim vorgestellt.

Damit die Zukunftsvision einer direkten Verbindung zwischen U- und S-Bahn Realität werden kann, soll in den nächsten Wochen das Planfeststellungsverfahren für die U-Bahn-Verlängerung eingeleitet werden. 1600 Meter lang soll die Neubaustrecke zwischen der U-Bahn-Station Gonzenheim und dem Bahnhof werden. Der neue U-Bahn-Halt Gonzenheim würde dabei unter die Erde verlegt, zwei Fahrstühle sichern den Zugang auch für Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen.

Bereits kurz vor der geplanten neuen Station fährt die U2 nach den vorliegenden Plänen östlich der Gotenstraße unter die Erde und bleibt dort auf einer Strecke von 350 Metern Länge. In einer Kurve hinter der S-Bahn-Brücke sehen die Fahrgäste das Tageslicht wieder, und die Trasse der U-bahn läuft parallel zu den S-Bahn-Schienen. Sie muss dann noch mit einer Brücke über den Dornbach geführt werden, Lange Meile und Hessenring überqueren und läuft auf dem bislang stillgelegten Gleis Eins des S-Bahnhofs ein, dem sogenannten Kaiserbahnsteig. In der Gegenrichtung, so die Vorstellungen, könnte dann die Regionaltangente West andocken und den Direktanschluss zum Flughafen bieten.

Die Verlängerung der U-Bahn würde rund 52 Millionen Euro kosten. Nach Abzug aller förderfähigen Kosten bleiben für die Stadt etwa 18 Millionen Euro als Eigenanteil übrig.

Anwohner fürchten Lärm

Wenn die Stadtverordneten, wie vorgesehen, bereits im Juni die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens beschließen, könnten noch fünf Jahre vergehen, bis der erste Bad Homburger mit der U-Bahn zwischen Gonzenheim und Bahnhof fahren kann. Zweieinhalb Jahre davon wären reine Bauzeit. Die Frankfurter Landstraße müsste für die Untertunnelung eineinhalb Jahre komplett gesperrt werden. Die U-Bahn in einer Kurve mit Anstieg aus der Untertunnelung heraus auf eine Brücke zur Bachquerung zu bringen, ist nach Auskunft Korwisis "ein anspruchsvolles Bauwerk".

Anwohner fürchten, dass es vor den Fenstern ihrer Wohnungen sehr laut werden könnte. "Das Gegenteil ist der Fall", sagte der OB gestern, "für fast alle Grundstücke wird die Lärmsituation besser". Denn für die bestehende S-Bahn-Trasse gibt es bislang keinerlei Lärmschutz, für die parallel verlaufende U-Bahn sind Lärmschutzwände vorgesehen. Einzig die Bewohner der oberen Stockwerke des Hochhauses im Erlenweg würden stärker belastet. Dort müsse man prüfen, ob der Einbau von Lärmschutzfenstern Abhilfe leisten könne.

Alle betroffenen Anwohner hat der OB bereits vor einigen Wochen eingeladen, um Bedenken auszuräumen. Viele befürchteten, während der Bauzeit nicht mehr an ihr Grundstück heranfahren zu können oder dass Grün verloren gehe. "Grün fällt natürlich erst mal weg, aber wird nachgepflanzt und wieder wachsen", beschwichtigt der OB. Es sei dringlich, das Planfeststellungsverfahren jetzt einzuleiten, weil Fördermittel aus dem Gemeindefinanzierungsgesetz nur noch bis 2014 zu haben seien. Ohne die aber sei das Projekt "gestorben".

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