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Bad Homburg Traurige Tiere, zornige Girls

Von der Künstlerin Laura Ford sind neue Arbeiten in Bad Homburg in der Galerie Scheffel zu sehen.

Künstlerin mit „Kangaroo“ in Bad Homburg. Foto: Michael Schick

Das hört nie auf. Wer die „Love / Hate Girls“ im Kellergeschoss der Galerie Scheffel besucht, erkennt auf einen Blick, wie sich Zorn und Gewalt fortpflanzen. Sie heben schon ihre Köpfe aus den Taschen der rosafarbenen Kittel, die nächste und übernächste Generation der zum Steinwurf ausholenden und mit schwarzen Kapuzen getarnten Girls.

Es ist gut, dass die eigenwillige Künstlerin Laura Ford wieder in der Stadt ist. Seit nunmehr acht Jahren ist ihr Werk in fast regelmäßigen Abständen in Bad Homburg zu sehen – ohne je an Dringlichkeit eingebüßt zu haben. Galerist Christian Scheffel zeigt bis zum 28. Mai weitgehend neuere Arbeiten in Bronze, Keramik, gemischten Materialien. Auch Zeichnungen – oft Vorstufen oder Entwurfsskizzen zu überdimensionierten Skulpturen – sind dabei. Einiges hat sich bei dem Bildhauer Marino Marini anregen lassen, anderes bringt Mythisches und volkstümlich Überliefertes in Anschlag.

Laura Ford weitet ihr Motiv-Spektrum aus, spinnt daneben die alten Fäden aber weiter. So ist die elend-kranke, mit Halskrause ausstaffierte Hyäne im Rahmen der jüngeren Serie zu „behinderten Tieren“ entstanden. Und erinnert – wie auch der wundervolle, im Kellerabgang hockende „Red Cockerel“-Guss – an die zehn Jahre alte „Rag and Bone“-Welt. Mannigfaltig sind die Verweise, kaum zu zählen die Möglichkeiten zur Variation.

Was im sich ausdehnenden Katalog der Laura Ford bleibt, ist diese Kraft, das Gegensätzliche scheinbar mühelos in eine Form zu gießen. Dass dabei – auf dem Wege der Verfremdung – unsere Wirklichkeiten schmerzhaft deutlich werden, ist kein geringer Verdienst.

Nur wer sich einlässt, erkennt, dass die „Model Giraffe“ aus mehr als nur gehäkelter Oberfläche besteht, dass nicht alleine Kaffeebohnen-Säcke aus Costa Rica das „Kangaroo“ zusammenhalten. Die grausame Göttin Kali hat neben dem scheinbar Verspielten längst Platz genommen.

An das Ende des Spiels gemahnt die hängenden Kopfes auf einem Klappstuhl sitzende Girls-Figur mit dem roten Garnhaar und den zwei Maskengesichtern. Wie weggeworfen daneben der kleine, verrenkte „Armour Boy“ von 2007 – von der Märzsonne mild beschienen. Tiefe Bedrückung, große Kunst.

Dass Laura Fords Kreaturen in nahezu allen Örtlichkeiten wirken, ist eine Sensation. Pracht- und Werksbauten, Park- und Straßenflächen: Sie verändern den Raum, schaffen Atmosphären. Mit all ihrer Lust und Trauer und Zuversicht.

Das Ende des Spiels? „Rocks in her Pocket“ heißt das 2016er Textil-Stahl-Gips-Mädchen, deren Hände in den Manteltaschen etwas zu suchen scheinen. Noch ist nicht ersichtlich, was sie finden wird. Der Anfang des Spiels? Jede vorschnelle Deutung könnte verfehlt sein. Noch sind die Steine nicht auf dem Flug.

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