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Bad Homburg Schallschutz an der U2-Trasse

„Info-Markt“ mit Befürwortern und Kritikern des Gonzenheimer Lückenschlusses.

U-Bahnendhaltestelle Gonzenheim
Die Haltestelle Gonzenheim soll in den Untergrund verlegt werden. Foto: Rolf Oeser
Gonzenheim ist schon jetzt die Schienenlärmdeponie Bad Homburgs.“ Wolfgang Lindstaedt, Sprecher der „U2-Bürgeraktion“, will nicht, dass der Stadtteil zur kommunalen „Kelleretage“ degradiert wird. Die geplante U-Bahn-Verlängerung bringe gesundheitsschädigende Belastungen durch Lärm und Feinstaub, vermindere daneben den Wert angrenzender Grundstücke und Häuser.

Auch kritischen Stimmen wurde das Mikrofon am Donnerstag während des „Info-Marktes“ zur geplanten Verlängerung der innerstädtischen U2-Route überlassen. Günther Stiller befürchtet „das Absaufen des Luxusbauwerks“ bei Starkregen, fordert zur Suche nach einer „günstigeren, risikoarmen Alternative“ auf. „Den Homburgern selbst bringt das ganze Vorhaben nichts – nur dem Umland“, ruft jemand.

Zur Vorbereitung auf den Bürgerentscheid am 28. Oktober soll nach dem Willen der Stadtverwaltung nichts ungesagt bleiben. „Die Bürger und Planer im Dialog“, so das Konzept der für die Kommunikationsstrategie verantwortlichen IFOK GmbH. Zum Auftakt der Informationsoffensive konstatiert deren Vorstandsmitglied Ralf Eggert „ein volles Haus“ mit knapp 300 Besuchern. Im Vortragssaal mussten zusätzliche Stühle gestellt werden.

Zum „U2-Lückenschluss“ bekannte sich die Industrie- und Handelskammer Frankfurt, verwies auf dessen Notwendigkeit für einen „attraktiven Wirtschaftsstandort“ und die 42 000 Ein- und Auspendler. Profitieren würden nicht nur die 1600 in Homburg ansässigen Firmen. Überhaupt scheint die Bedeutung der neuen Strecke innerhalb der regionalen Schienenmoderne mit ihren Tangente-West- und Taunusbahn-Anbindungen außer Frage zu stehen – Kritik wurde im Kurhaus dagegen nicht laut. Verlockend ist die Verheißung auf den Homburger Kaiserbahnhof als künftige zentrale Drehscheibe im Ballungsraum Rhein-Main.

Bis es so weit ist, muss jedoch abgestimmt, ausgeschrieben und gewerkelt werden. Vor 2025 wird kein Rad rollen. Dass die mögliche, dreieinhalb Jahre dauernde Bauzeit für die Gonzenheimer Anlieger anstrengend wird, machte Stadtplanungsleiter Holger Heinze klar. Obwohl Gutachten zu den nicht auszuschließenden Erschütterungen längst eingeholt seien, wolle die Stadt auf Nummer sicher gehen. „Vor Baubeginn wird bei allen trassennahen Anwesen ein Beweissicherungsverfahren durchgeführt.“

Im Nebenraum gewähren acht sogenannte und von Mitarbeitern der Stadtplanung betreute Themeninseln detaillierte Einblicke in Planungsunterlagen, Finanzierungskonzepte oder Verfahrensabläufe. Dargestellt sind unter anderem drei vorgesehene Bauabschnitte, Ziele und Nutzen des mit Trog und Tunnel bestückten Schienenstranges zwischen Gonzenheim und Bahnhof, die Kostenkalkulationen. Und auch das, was Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) zuvor als „Dreh- und Angelpunkt“ des millionenschweren Bauprojekts bezeichnet hatte: Tatsächlich birgt die Frage nach dem Schallschutz das wohl entscheidende Konfliktpotenzial.

Dem vorgesehenen Lärmschutzkonzept hat das Regierungspräsidium Darmstadt bereits seinen Segen erteilt. „Bis auf eine Stelle“, so Heinze, „sind die zulässigen Werte eingehalten.“ Dort, am Erlenweg 4, sollen acht Wohnungen mit passivem Schallschutz versehen werden. Gegenüber der geltenden Planung will die Stadt aber nachbessern und eine neuerliche Berechnung in Auftrag geben. „Am Tunnelaustritt ist eventuell mehr zu machen.“ Baulich sei dies aber problemlos realisierbar.

Sachlich-friedfertig endet der erste Bad Homburger Informationstag unter blinkenden Kronleuchtern. Der sich pünktlich zu Beginn einstellende Gewitterhimmel nebst Regenguss braucht deshalb keinesfalls als boshaftes Vorzeichen gedeutet zu werden. 

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