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Bad Homburg Repräsentative Räume im Gustavsgarten

Die Sanierung der Jugendstilvilla Wertheimber geht voran: Das Erdgeschoss des Anwesens kann nun genutzt werden - für Empfänge und Lesungen zum Beispiel. Sobald das Stadtarchiv eingezogen ist, sollen die unteren Räume für Besucher frei zugänglich sein.

Zu bestaunen: das Mosaik im Pavillon der Villa Wertheimber. Foto: Michael Schick

Michael Korwisi steht auf der Terrasse der Villa Wertheimber und schaut in den voll erblühten Gustavsgarten. Demnächst werden hier die Homburger Chöre beim Chorfest am 31. Mai stehen und singen. Die Zuschauer sitzen dann im Garten.

Ob des Oberbürgermeisters Brust stolz geschwellt ist, kann man nicht sehen, aber die Sanierung der schönen Jugendstilvilla, die um 1900 die jüdische Bankiersfamilie Wertheimber als Sommersitz bauen ließ, gehört zu seinen Lieblingsprojekten.

Er muss dafür von seinen Mitbewerbern um den Posten des Oberbürgermeisters Kritik einstecken. Alexander Hetjes (CDU) hätte lieber einen Teil des Gartens als Baugelände verkauft. Karl Heinz Krug (SPD) hätte die Villa lieber vermietet oder von einem Investor restaurieren lassen. Die 5,5 Millionen Euro teure Sanierung von Garten und Haus ist ein Beschluss des alten Bündnisses.

Die Sanierung geht voran. Das Erdgeschoss mit seinen großen repräsentativen Räumen ist nun fertig bis auf Kleinigkeiten wie dem fehlenden Kronleuchter. Die Besucher können kommen. Was sie innerhalb der sorgsam renovierten Wände alles machen könne, steht noch nicht fest. Bislang sind auch die oberen Räume nicht umgebaut. Dort soll das Stadtarchiv einziehen. Es wird Lesesäle und Büroräume geben. Auch die Hölderlin-Stipendiaten bekommen hier schöne Räume mit einem sensationellen Blick in den Park.

Aber das ist alles Zukunftsmusik. Eine dicke Kordel hängt vor der Treppe von der hohen Eingangshalle in die oberen Gemächer. Das offene Treppenhaus ist ein Grund, warum die Villa entgegen früherer Pläne nicht an private Nutzer vermietet werden kann. Man müsste mindestens 10 000 Euro Kaution nehmen in den empfindlichen, denkmalgeschützten Räumen, sagt Korwisi.

Wenn der Archivbetrieb mal läuft, sollen auch die unteren Räume für Besucher frei zugänglich sein. Bis dahin muss der Jugendstil-Freund auf besondere Gelegenheiten warten. Ein solcher kommt allerdings bald. Am 12. Juni liest der Schauspieler Dominique Horwitz bei Kerzenlicht. Auch für Empfänge der Stadt soll die Villa genutzt werden. Toiletten und Garderoben sind bereits fertig, den Haupteingang gegenüber dem Tempel aus dem 19. Jahrhundert ziert ein neuer roter Teppich.

Ist das Archiv mal eingezogen, soll es in der Eingangshalle Vorträge geben. Die helle Wand über dem gewaltigen Kaminsims haben die Restauratoren freigelassen, gegenüber gibt es schon einen Platz für einen Beamer und nah verlegte Anschlüsse.

Der Anbau aus den 60ern bleibt bestehen. Ihm, erklärt Projektleiterin Kerstin Lautenschlager, wird eine dem Hauptgebäude angepasste Fassade aus Keramik vorgehängt. Sie soll das Betonmauerwerk verschatten und auch dämmen. Klimatisch muss hier noch viel getan werden, bis das Archiv einziehen kann.

Die Restauratoren fanden vieles unter Teppichen und Tapeten in guten Zustand vor. Alte Farbmuster wurden entdeckt und teilweise wieder aufgenommen. So findet man im Erdgeschoss an mehren Stellen einen rotbraunen „Begleitstrich“ an den Wänden. Im freigelegten Parkettboden im ehemaligen Billardzimmer wurden Hunderte Löcher von Schrauben mit Bolzen verschlossen. Im Laufe der Zeit, verspricht Lautenschlager, werde man die Bolzen kaum noch sehen.

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