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Bad Homburg Novemberpogrom Fahrt in die Vernichtung

Eine Gedenktafel am Bad Homburger Bahnhof erinnert an die Deportation jüdischer Mitbürger in die Vernichtungslager. Zu der Enthüllung kommen auch Zeitzeugen.

OB Michael Korwisi, Kulturdezernentin Beate Fleige und Rabbi-Enkelin Madeleine Gerrish enthüllen die Gedenktafel. Foto: Michael Schick

Eine Gedenktafel am Bad Homburger Bahnhof erinnert an die Deportation jüdischer Mitbürger in die Vernichtungslager. Zu der Enthüllung kommen auch Zeitzeugen.

Wider das Vergessen“ ist eine Gedenktafel überschrieben, die gestern um 18.09 Uhr im sanierten Bad Homburger Bahnhof enthüllt wurde. Eine Tafel, die in der hohen Empfangshalle ihren Platz gefunden hat und an die Deportation der jüdischen Bürger Homburgs erinnert. 75 Jahre nach den Novemberpogromen hat die Stadt damit ein Zeichen gegen Diskriminierung und Rassismus gesetzt.

59 Namen wurden am Ende der bewegenden Veranstaltung verlesen. Menschen, die nach den Worten von Oberbürgermeister Michael Korwisi „wie Vieh zum Bahnhof getrieben wurden“ und ihren letzte Fahrt in die Vernichtungslager antreten mussten. Rund hundert Bad Homburger – darunter zahlreiche Lokalpolitiker und Kirchenvertreter – hatten sich am Nachmittag in der Volkshochschule eingefunden. Hier, wo einst die Synagoge stand und sich heute das Mahnmal befindet, sprach Margret Nebo, Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hochtaunus, über „das Erinnern als Aufforderung zur Solidarität“.

Gemeinsam mit dem für Bad Homburg zuständigen Rabbiner Shalom Rabinovitz gab sie dem Wunsch Ausdruck, das jüdische Leben der Stadt wieder erneuern zu können. Derzeit leben etwa 300 Bürger jüdischen Glaubens in der Kommune, weitere 300 im gesamten Hochtaunuskreis. Mit Kerzen und im stetigen Regen begaben sich die Teilnehmer dann auf den „Gedenk-Gang“ zum Bahnhof.

Unter ihnen auch Madeleine Gerrish, die aus Chicago angereiste Enkelin des letzten Vorstehers der jüdischen Gemeinde von Bad Homburg. In einer berührenden Ansprache verlas sie Grußworte ihrer 94-jährigen Mutter Marianne Schwab, geborene Rothschild. Aus deren Biografie „Ich habe immer ein bisschen Sehnsucht und Heimweh nach Bad Homburg“ trug Kulturdezernentin Beate Fleige einen Abschnitt vor.

14 Jahre alt war Marianne Rothschild, als die Nazis an die Macht kamen. „Alles veränderte sich langsam.“ Unaufhaltsam wurde die angesehene Familie, deren Wohnhaus – Louisenstraße 97 – heute noch existiert, in Isolation und Vernichtung getrieben. Am 17. März 1939 gelang der Tochter die Flucht aus Deutschland, die Eltern und der Bruder wurden in den Lagern Mauthausen und Theresienstadt ermordet.

Daran und an die Schicksale der übrigen Todgeweihten gemahnt nun eine Tafel, die von Ruxandra-Maria Jotzu entworfen wurde. Was zwischen Juni 1942 und Mai 1943 geschah, ist symbolisiert durch stilisierte Schienenstränge. Fünf Gleisverbindungen, die geradewegs in Tod und Untergang einer ganzen Kultur führten.

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