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Bad Homburg Neue Synagoge wird eingeweiht

Nach 80 Jahren haben die Menschen jüdischen Glaubens wieder eigenes Gotteshaus in Bad Homburg. Gedenkveranstaltungen erinnern an die Zerstörung der alten Synagoge.

Denkmal für ermordete Juden
Mahnmal für die ermordeten jüdischen Bürger Bad Homburgs in der Elisabethenstrasse. Foto: Renate Hoyer

Im Zuge der Novemberpogrome 1938 ging auch die Bad Homburger Synagoge an der Elisabethenstraße in Flammen auf. SA-Männer hatten Feuer in dem Gebäude gelegt und ließen es niederbrennen.

Achtzig Jahre danach setzen die in der Kurstadt lebenden Juden ein Zeichen und eröffnen eine neue Synagoge: Am kommenden Sonntag, 11. November, wird ein Gebäude im Töpferweg zum Gotteshaus geweiht. „Das ist für uns ein ganz besonderer Tag“, sagt Rabbi Shalom Rabinowitz. Zumal darüber hinaus das Gelände am Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Gewalt an der Elisabethenstraße offiziell in „Platz der ehemaligen Synagoge“ umbenannt wird.

Um 18 Uhr beginnt dort eine Gedenkveranstaltung, bei der Shimon Herz, Enkel des letzten Bad Homburger Kantors Moses Herz, ein Gebet spricht. Direkt im Anschluss geht es dann weiter in den Töpferweg, wo bei einer Feier die neue Synagoge eingeweiht wird.

In dem Gebäude werden die Mitglieder des jüdischen Zentrums Bad Homburg, das organisatorisch weiterhin zur jüdischen Gemeinde Frankfurt gehört, künftig nicht nur ihre Gottesdienste abhalten. Geplant seien auch Kulturveranstaltungen und die Einrichtung einer Kindertagesstätte, sagt Arthur Iliyav, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Freunde und Förderer der jüdischen Kultur und Religion Bad Homburg“.

Der Verein hat mit der Stadt einen Erbbaurechtsvertrag für das Gebäude der neuen Synagoge abgeschlossen. Wie Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) mitteilt, gilt die Vereinbarung für 35 Jahre, mit einer Option auf weitere 15 Jahre. Das Haus war zuvor an die Zeugen Jehovas verpachtet gewesen. Ein halbes Jahr lang hat der Verein das Gebäude saniert und umgebaut. „Wir haben unser Herz hineingeschüttet“, sagt Arthur Iliyav. Allerdings seien auch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen nötig gewesen.

Bis dato haben sich die Menschen jüdischen Glaubens aus Bad Homburg und Umgebung in der Höhestraße getroffen. Doch die Räume dort sind inzwischen zu klein geworden. Denn seit einigen Jahren blüht das jüdische Leben in Bad Homburg wieder auf. Auf 400 bis 500 Frauen, Männer und Kinder schätzt Arthur Iliyav die Zahl der Juden in der Kurstadt. Durch Zuzüge vor allem aus Osteuropa, aber auch aus anderen Ländern sei die Gemeinde stetig gewachsen. „Ich bin begeistert über die Entwicklung“, sagt Rabbi Rabinowitz, der selbst vor sieben Jahren aus Israel nach Bad Homburg gezogen ist.

Bei aller Freude über die neue Synagoge wird in den nächsten Tagen auch die Zerstörung des alten Gotteshauses weiter eine Rolle spielen. So kommen Madeleine und Michael Gerrish in die alte Heimat ihrer Mutter beziehungsweise Großmutter Marianne Schwab, um über deren Erinnerungen an die Novemberpogrome in Bad Homburg zu berichten.

Sie werden bei der zentralen Gedenkveranstaltung des Hochtaunuskreises am Freitag in Oberursel zu Gast sein (siehe Info-Kasten), aber auch das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium (KFG) und die Humboldtschule besuchen, um dort mit Jugendlichen zu sprechen. Solche Zeitzeugengespräche seien weiterhin enorm wichtig, betont KFG-Leiterin Anke Zinke. „Sie erreichen die Herzen der Jugendlichen.“

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